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Die Umfrage des Kicker am Ende der abgelaufenen Saison unter 250 Bundesligaspielern brachte ein deutliches Ergebnis. Sie wählten Peter Gulasci von RB Leipzig zum besten Torhüter der Saison 2018/19, und das mit großem Abstand. 25,6 % aller Stimmen erhielt der ungarische Schlussmann der Roten Bullen. Auf Platz zwei folgte mit deutlichem Rückstand Roman Bürki vom deutschen Vize-Meister Borussia Dortmund, der auf 11,6 % der Stimmen kam und in der Winterabstimmung mit 18,7 % der Stimmen noch vorne lag. Jeweils 10,8 % votieren für Werder Bremens Jiri Pavlenka und den Schweizer Nationaltorhüter Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach.

Das Abstimmungsergebnis war nicht überraschend, denn der 29-jährige ungarische Nationaltorhüter war einer der Garanten für die erfolgreiche Saison der Leipziger mit Platz drei in der Bundesliga und dem Einzug ins Finale des DFB-Pokals. Seine Werte sprechen eine deutliche Sprache und belegen, warum sich die Kollegen für Gulasci entschieden haben: In 16 von 33 Bundesliga-Partien, in denen er zum Einsatz kam, spielte er zu Null. Das war der Spitzenwert in der Liga. In 33 Spielen musste er nur 27 Gegentore hinnehmen, und 78 % aller Bälle auf sein Tor wehrte der Schlussmann ab. Auch Gulasci selbst bezeichnet die abgelaufene Saison als die beste in seiner Karriere, auch ohne DFB-Pokaltitel.

Der Verlauf seiner Karriere

Seine Karriere verlief nicht immer so erfolgreich. Bevor Gulasci 2015 nach Leipzig kam, verbrachte er nach der Jugendzeit in Ungarn eine längere Phase im Reserveteam des FC Liverpool. Nach verschiedenen Ausleihen, unter anderem zum Zweitligisten Hull City, wechselte er 2013 zu RB Salzburg. Bereits in seiner ersten Saison in Österreich wurde er zum besten Torhüter der österreichischen Bundesliga gewählt. Dem deutschen Partnerverein RB Leipzig war Gulascis Leistungsvermögen nicht entgangen, so dass sie den in Deutschland weitgehend unbekannten Keeper unter Vertrag nahmen.

Das Geheimnis weniger Gegentore

Interessant ist, die Entwicklung der Gegentor-Statistik der Leipziger in den letzten Jahren zu betrachten. Während Gulasci in seiner ersten Saison 2016/17 im deutschen Fußball-Oberhaus noch 39 Gegentore hinnehmen musste, waren es in der folgenden Saison sogar 52, weshalb sich die Roten Bullen nicht für die Champions League qualifizieren konnten. Mit dem Spitzenwert von nur 27 Gegentoren in der abgelaufenen Saison 2018/19 konnten die Sachsen die Bilanz ihrer Gegentore gegenüber der Vorsaison fast halbieren. Dafür gibt es verschiedene Ursachen.

Zum einen ist es eine altbekannte Tatsache, dass für eine gute Verteidigungsarbeit ist nicht nur der Torhüter, sondern der gesamte Abwehrverbund zuständig ist. Vor der Saison hatten sich die Leipziger mit dem 19-jährigen Ibrahima Konate und dem 20-jährigen mit zwei überaus talentierten Talenten verstärkt, über die nicht nur Gulasci urteilt: „Die beiden sind unglaublich. Körperlich robust, flink zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Die können Bälle abfangen.“ Die konzentrierte Abwehrarbeit seiner Vorderleute erleichtert ihm seinen Job. „Ich mache meinen Teil, die Jungs machen ihren“, fasst er die gute Zusammenarbeit zusammen.

Aber auch Gulasci selbst trägt seinen gehörigen Anteil zu dem imponierenden Ergebnis bei. Er überzeugt vor allem durch seine ungeheure Konstanz, weniger durch eine spektakuläre Spielweise. Gegenüber der SportBild gab er einmal Einblicke in seine Vorstellung von modernem Torwartspiel: „Fußball wird immer schneller. Das Wichtigste ist das Positionsspiel. Man kann auf der Linie der Beste sein, aber wenn du situativ falsche Entscheidungen triffst, bist du nichts.“ Pro Spiel müsse man 50 bis 100 Entscheidungen treffen, bei einem Großteil gehe es sogar darum, nicht einzugreifen. Entscheidend ist für ihn die Frage der richtigen Positionierung: „Es geht immer um 15 bis 20 cm. Wo steht man bei Schüssen oder Flanken? Wie steht man dabei zum Ball oder Gegenspieler?“ Um stets die richtigen Entscheidungen treffen zu können, sei eine permanente Wachsamkeit nötig. Es ist also vor allem wohl der etwas andere Gedankenansatz mit anderen Trainingsinhalten im TW-Training, der Gulasci so stark macht: Permanentes sich Gedanken machen über die optimale Positionierung, gepaart mit der Schulung kognitiver Fähigkeiten, um die angesprochene Wachsamkeit und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Seine Spielweise ist ein Spiegelbild seiner Auffassung zum Torwartspiel: Konzentriert, besonnen, ruhig und meist unspektakulär. Spektakuläre Paraden sind für ihn hingegen eher nebensächlich.

Andere Torhüter im RB-Kader haben kaum eine Chance

Doch die außergewöhnliche Klasse von Peter Gulasci hat auch seine Schattenseiten für die Sachsen. Waren die Leipziger in den vergangenen Jahren auf der Torwartposition immer außergewöhnlich gut besetzt, ist für die kommende Saison nur noch Gulasci sicher im Kader dabei. U19-Nationaltorhüter Julian Krahl hat den Verein bereits in Richtung Köln verlassen und Marius Müller, die letztjährige Nummer drei bei den Bullen, hat sich für den Schweizer Erstligisten FC Luzern entschieden. Auch der Weg der Schweizer Torwart-Nachwuchshoffnung Yves Mvogo ist weiter ungewiss.

Die jungen Talente der Leipziger scheinen jedenfalls die Hoffnung aufgegeben zu haben, mittelfristig Gulasci als Nummer eins verdrängen zu können. Eine Einschätzung, die realistisch sein könnte, auch wenn sich im Profisport manchmal etwas schnell verändert.

BlickpunktRB Leipzig1. BundesligaPeter Gulasci

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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