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Völlig zurecht kann man das WM-Turnier 2018 in Russland als „Turnier der Standards“ bezeichnen. Mit 68 Standardtoren aus 62 Spielen wurde in der langen WM-Geschichte ein neuer Rekord aufgestellt. 42 Prozent aller WM-Tore fielen nämlich nach Standards. Und noch eine Zahl unterstreicht das Erfolgsgeheimnis bei dieser WM: Von insgesamt 32 Teams erzielten 15 mindestens 50 % ihrer Tore nach einem Standard. „Standards erwiesen sich bei dieser Weltmeisterschaft als wichtiges Mittel", sagte Andy Roxburgh von der Technischen Studiengruppe (TSG) der FIFA über die taktischen Trends dieses Turniers. Bei WM-Turnier 2014 in Brasilien lag dieser Wert noch deutlich niedriger. 22 Prozent aller Treffer fielen nach Standardsituationen. Kann die WM 2022 in Katar den Wert der WM von 2018 noch toppen? Diese Frage wird in den kommenden vier Woche beantwortet werden.

Welche Standards bei der WM 2018 besonders erfolgreich waren bzw. in welcher Häufigkeit, verdeutlicht die folgende Grafik. Sie zeigt, dass die meisten Tore nach Standardsituationen durch Elfmeter (29 Tore) erzielt wurden, gefolgt von Eckbällen (23) und Freistößen (21).

Wie ist dieser hohe Wert erklärbar?

Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Gründe. Ein Grund für die wahre Elfmeterflut ist sicherlich der erstmals bei der WM 2018 eingesetzte Videobeweis, denn mit Hilfe des VAR wurden mehr Fouls erkannt und geahndet. Verzichtete der Schiedsrichter in den Jahren zuvor meist auf den Elfmeterpfiff, wenn er sich nicht ganz sicher war, wird er nun ausdrücklich vom VAR auf das Foulspiel im Strafraum hingewiesen. 29 Strafstöße bekamen die Teams insgesamt zugesprochen, in früheren Turnieren waren es nie mehr als 18. Die Elfmeterschützen waren zudem meist erfolgreich. 22 dieser Versuche landeten im Netz.

Möglicherweise hat die erhöhte Wachsamkeit durch den VAR auch dazu beigetragen, dass die Verteidiger besonders im Strafraum weniger robust in die Zweikämpfe gingen, weil das Damoklesschwert eines Elfmeters immer über ihnen hing. Bei einer Ecke oder einem Freistoß hatten die Stürmer so mehr Platz und weniger Widerstand in der Abschlussaktion.

Ein weiterer Aspekt: Weil auch vermeintlich „kleinere“ Nationen inzwischen athletisch und taktisch, besonders beim Verteidigen, gut ausgebildet sind, wird es für angreifende Mannschaften immer schwieriger, Tore aus dem Spiel heraus zu erzielen. Diese Tatsache reduziert die Wahrscheinlichkeit auf Tore aus dem Spiel heraus. Dass die Fußballwelt in ihrem Leistungsvermögen näher zusammengerückt ist, unterstreicht noch eine andere Zahl. 31 der 64 Partien wurden mit einem Tor Unterschied beendet, d.h. viele Spiele waren eine sehr enge Kiste. Da ein Torerfolg aus dem Spiel heraus immer unwahrscheinlicher wird, können gut einstudierte Standards ein probates Erfolgsmittel sein. Hinzu kommt, dass sich Standardsituationen in der kurzen Vorbereitungszeit, die alle Nationalmannschaften vor einer WM haben, schnell und effektiv einstudieren lassen und dadurch ein oftmals einfaches und wirkungsvolles Mittel darstellen, ein Spiel mit einer gelungenen Aktion zu entscheiden. Besonders die Engländer waren dabei sehr erfolgreich. Mit neun WM-Toren nach Standards stellte England einen neuen Rekord auf. „Wir haben Standards als Schlüssel für dieses Turnier identifiziert“, erklärte Englands Nationaltrainer Gareth Southgate. Die Folgerung daraus: Wenn aus dem Spiel heraus immer weniger geht, bleiben noch die ruhenden Bälle.

Nicht zuletzt kommt hinzu, dass Standards unheimlich schwierig zu verteidigen sind. Denn es genügt, dass ein einziger Spieler unaufmerksam ist, schlecht postiert ist oder zu spät reagiert, um dem Gegner eine Großchance zu ermöglichen. Zudem erschweren das Freisperren des Mitspielers, das Verlängern des Eckballes per Kopf oder einstudierte Laufbewegungen den Abwehrspielern die Abwehrarbeit. Bei optimalem Ablauf der Standardvariante lassen sich diese Bälle nur schwer verteidigen, weil ein Abwehrspieler meist nur auf den Angreifer reagieren kann und daher der Angreifer einen Bewegungsvorsprung hat. Das effektive Verteidigen von Standards lässt sich also schwieriger einstudieren als das eiskalte Ausnutzen derselben.

Die deutsche Nationalmannschaft hat unter Bundestrainer Hansi Flick bereits eine Konsequenz aus diesen Ergebnissen gezogen, denn mit Mads Buttgereit wurde der erste Standardtrainer beim DFB installiert. Er soll die traditionelle Schwäche der Nationalelf bei Ecken und Freistößen ausmerzen. Dass Eckbälle, Freistöße und Einwürfe für Flick von gesteigertem Wert sind, ist schon aus seinen Zeiten als Löw-Assistent bekannt. Die Berufung von Buttgereit in den Trainerstab war insofern ein klares Signal, dass man speziell in diesem Bereich weiteres Verbesserungspotenzial sieht. Auch andere Nationen haben an diesem Teilaspekt des Spiels gearbeitet. Deshalb wird es interessant sein, ob bei der WM 2022 in Katar noch mehr Standardsituationen zu Torerfolgen führen werden als bei den Weltmeisterschaften zuvor.

Analyse

Artur Stopper

Artur Stopper

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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