GoalGuardGoalGuard Steady Status

Per Steady einloggen GoalGuard Plus

Insgesamt 20 Jahre arbeitete Andrey Shpilev beim russischen Erstligisten FC Ural, davon zwei Jahre als aktiver Torhüter, sieben Jahre in der Nachwuchsakademie des Vereins sowie mehr als elf Jahre als Torwarttrainer der Profis. Nun hat er seine Arbeit bei diesem Klub beendet. Wohin sein Weg führen wird, ist noch offen. Bereits einige Mal hatte Goalguard in der Vergangenheit über seine Arbeitsweise und Trainingsmethoden berichtet.

Da er momentan nicht in die Saisonvorbereitung eines Vereins eingebunden ist, trat Matvey Safonov, russischer Nationaltorhüter und aktuelle Nummer eins beim Champions-League-Sieger Paris St. Germain, per Anruf mit der Bitte an Shpilev heran, ihn - neben dem Training mit einem Fitnesstrainer in der Halle - gleichzeitig auf dem Feld torwartspezifisch bereits vor dem Trainingsstart des französischen Meisters in elf Tagen in seiner russischen Heimat auf den Beginn zu rüsten. Da die Spieler von PSG nach ihrem Champions-League-Sieg und der Teilnahme vieler ihrer Akteure an der Weltmeisterschaft in Kanda, Mexiko und der USA erst etwas später mit dem Trainingslager beginnen, hatten alle Spieler individuelle Trainingspläne erhalten, die sie selbständig durchführen sollten. Weil Safonov noch Zusätzliches leisten wollte, kontaktierte er den erfahrenen Torwarttrainer. Andrey Shpilev blieb noch etwas mehr als zehn Tage Zeit, den PSG-Keeper auf dem Trainingsbeginn vorzubereiten. Wie er diese Vorbereitungsphase strukturierte und durchführte? Goalguard verrät es euch.

Individuell vorbereiten in elf Tagen

Dass elf Tage für einen Muskelaufbau eines Torhüters zu kurz sind, ist jedem Torwartrainer bewusst. Deshalb konnte in diesem kurzen Zeitraum nur das Ziel sein, Safonovs Körper zu aktivieren, wieder an den Ablauf der Grundtechniken zu gewöhnen und seinen Bewegungsrhythmus zu finden. Wie hat Andrey Shpilev diese knappe Zeitspanne geplant und möglichst effektiv genutzt?

Shpilevs Vorgehensweise

Shpilev erstellte zunächst einen Trainingsplan, den er anschließend mit Matvey Safonov gemeinsam absprach. Dabei wurden die Auswahl der Übungen, der zeitliche Rahmen und die Ausrichtung auf die Wünsche Matveys angepasst.

Die zur Verfügung stehenden Tage unterteilte Shpilev in drei dreitägige Blöcke, mit zwei freien Wochenenden dazwischen. Weil Safonov auf das bevorstehende Trainingslager vorbereitet werden sollte, waren die richtige Dosierung und Intensität des Trainings wichtige Aspekte des Trainingsplans. Nach anfangs wenig belastenden Übungen wurden die Intensität und die körperlichen Anforderungen in den folgenden Tagen zunehmend erhöht.

Trainingsblock 1

Im ersten Teil des Trainingsplans lag der Fokus auf der korrekten Durchführung von technischen Abläufen. Neben dem Fangen bzw. Abfangen von Bällen gehörten auch Pässe über kurze und mittlere Distanzen zu den stetigen Programminhalten. Dabei wurden die Grundtechniken mit viele Wiederholungen mit geringer Intensität durchgeführt. Hauptziel der Übungen war, das Ballgefühl und die Koordinationsfähigkeiten zu aktivieren und wiederherzustellen. Derzeitliche Umfang der drei Trainingseinheiten des ersten Blockes betrug jeweils ca. 60 Minuten.

Trainingsblock 2

Auch im zweiten Teil blieb der Fokus auf saubere technische Abläufe ein fester Bestandteil. Neu hinzu kam, dass Safonov die Techniken nach einer Laufbewegung oder wechselnden Positionierung durchführte, bevor er den Ball fing. Die Pässe wurden nun über mittellange und lange Distanzen gespielt. Zusätzlich erweiterte Shpilev das Übungsangebot mit kognitive Übungen, um auf diese Weise die Wahrnehmung, Konzentration und Entscheidungsfindung zu schulen. Die Intensität nahm bei den Übungen zu, während sich die Wiederholungszahl verringerte. Auch die Trainingszeit verkürzte sich auf 45 bis 50 Minuten pro Trainingseinheit.

Trainingsblock 3

Maximale Intensität, gepaart mit kognitivem Training, waren im dritten Block gefordert. Die Aufgaben der Übungen waren so ausgelegt, dass Safonov so schnell wie möglich Entscheidungen treffen und seine Positionierung an die Spielsituation anpassen musste. Die Fähigkeit, koordinativ als auch kognitiv schnell und richtig auf optische oder akustische Reize reagieren zu können, stand also im Mittelpunkt der Aktionen. Auch diese Trainingseinheiten dauerten wieder ca. 40 - 50 Minuten. Wie ein solches Training aussieht, zeigt das folgende Video.

Zunächst nimmt der Torhüter zu Beginn aller Aktionen eine halboffene Stellung ein, um auch auf eine Flanke reagieren zu können. Sobald sich der Trainer aber den Ball in Richtung Torauslinie vorlegt, passt Safonov seine Position zur Querpassverteidigung an und sichert den Schuss. Anschließend rollt er den Ball zum Trainer zurück und erhält ein flaches Zuspiel, das er kurz annimmt und mit dem zweiten Ballkontakt auf ein Kleintor abschließt. Auch alle anderen Übungsabläufe beginnen nach diesem Muster. Anders ist jedoch die dritte Aktion bei jeder Übung. Der Trainer kommt vor dem Abschluss dieser Aktion immer aus der Bewegung. Safonov passt währenddessen seine Position an den Schützen an. Der Trainer hat dann verschiedene Optionen: Er kann den Ball am Dummy vorbeischießen oder unter dem Dummy hindurch, so dass die Spielsituation simuliert wird wie der Verteidiger versucht, den Schuss zu blocken und dabei den Ball möglicherweise ablenkt. Oder der Trainer schießt bei der Querpassverteidigung den Ball - statt einer Flanke oder einem Querpass - ins kurze Eck. Man sieht, der Torhüter muss auf alle Varianten, die auch im Spiel vorkommen können, eingestellt sein.

Zudem schult der Torhüter mit diesen Übungen drei seiner Hauptaufgaben: Die Raumverteidigung, die Torverteidigung und die Entscheidungsfindung mit Positionsanpassung. Gleichzeitig hält der Trainer weitere Details im Auge, wie z.B. das Abstoppen des Körpers im Gleichgewicht oder die richtige Schrittfolge bei der Vorbereitung zur Ballabwehr.

Wie baut Shpilev seine Trainingseinheiten auf?

Der Aufbau einer Trainingseinheit erfolgt bei Shpilev meist nach einem wiederkehrenden Muster. Er greift eine Spielsituation heraus und zerlegt sie in verschiedene Einzelteile. Diesen Details schenkt er bereits beim Aufwärmen mit drei bis vier Übungen viel Aufmerksamkeit. Danach bereitet Shpilev seine Torhüter auf mögliche Optionen vor, die in einer bestimmten Spielsituation auftreten können. Abschließend werden die Einzelelemente wieder zu Übungen zusammengeführt, in denen der Torhüter auf alle Optionen eingestellt sein und reagieren muss, da er die Schussrichtung der vom Trainer geschossenen Bälle nicht kennt. Außerdem kommt der Torwarttrainer vor dem Schuss aus einer Bewegung, so dass der Torhüter seine Position zuvor an den Schützen anpassen muss. Wie im Spiel muss der Torhüter die jeweilige Spielsituation schnell einschätzen und die richtige Entscheidung treffen, um das Tor zu verhindern. Um bei den Übungen eine hohe Intensität zu erreichen, wird die Anzahl der Wiederholungen weiter reduziert und dazwischen genügend Zeit zur kurzen Erholung eingeräumt.

In wenigen Tagen wird sich zeigen, wie gut Matvey Safonov mit diesem 11-Tage-Camp auf die Anforderungen im Trainingslager vorbereitet sein wird. Wir wünschen ihm jedenfalls zusammen mit Andrey Shpilev viel Glück und Erfolg für die kommende Saison 2026/27.

Weitere Artikel zu Andrey Shpilev findet ihr unter dem Text oder in der Rubrik Raumverteidigung.

Training

Artur Stopper

Artur Stopper

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

Weiterlesen ...