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Neben der Zielverteidigung sowie der Spieleröffnung und Spielfortsetzung ist die Raumverteidigung ein zentraler Anforderungsbereich für jeden Torwart. Sie umfasst ein breites Spektrum an Herausforderungen für den Keeper: Das Agieren bei Querpässen und hohen Flanken, das antizipierende Mitspielen bei Pässen in die Tiefe bis hin zum Organisieren der Defensive, z.B. bei Standards. Beherrscht der Torhüter seinen Strafraum, kann er bereits im Vorfeld Torabschlüsse des Gegners vereiteln, indem er den Ball entschärft, bevor er einen gegnerischen Spieler erreicht. Bei einer guten Raumverteidigung muss der Torhüter gedanklich immer einen Schritt voraus sein. Er muss erkennen, welche Optionen der Gegner hat und muss sein Stellungsspiel danach ausrichten.

Andrey Shpilev, bereits seit 2014 Torwarttrainer beim russischen Erstligisten FC Ural, hat sich intensiv mit dem Thema Raumverteidigung befasst und zeigt euch, wie er die Raumverteidigung bei Flanken trainiert. Dabei ist ihm ein Aspekt besonders wichtig, nämlich die Vororientierung. Im Folgenden zeigt er in Videosequenzen, wie sich diese im Training bei seiner Keepern schult.

Warum ist Vororientierung wichtig?

Die folgende Szene kommt in einem Spiel häufig vor. Ein zentraler Spieler passt den Ball auf einen Außenspieler, der versucht, den Ball als Flanke in den gegnerischen Strafraum zu schlagen. Ein Abwehrspieler versucht, dies zu verhindern. Um auf eine mögliche Flanke vorbereitet zu sein, muss der Torhüter zuvor möglichst viele Informationen sammeln, um die Aktion erfolgreich zu bewältigen: Wie viele gegnerische Spieler befinden sich im Raum vor seinem Tor? Wo sind seine Mitspieler, wo die gegnerischen Angreifer positioniert? Ist das eigene Team in Über- oder Unterzahl? Wo sind offene und damit gefährliche Räume für die gegnerischen Angreifer? Aus all diesen Informationen wird er die Entscheidung treffen, wie er den Flankenball am besten verteidigt. Während der Torhüter alle diese Informationen sammelt, muss er aber zugleich auch den Ballführenden im Auge haben.

Wie schult Andrey Shpilev die Vororientierung im Training?

A) Vororientierung mit Bändchen

Ein wichtiger Aspekt bei der Schulung der Raumverteidigung ist die Vororientierung. Sobald der zentrale Spieler den Ball zum Außenspieler passt, nutzt der Torhüter diese Phase, um den zentralen Bereich vor seinem Tor zu scannen. Andrey Shpilev schult diesen Blick mit Hilfe eines Spielers, der ca. 18 m zentral vor dem Tor steht. Dieser Spieler hält ein oder zwei farbige Bändel hoch. Sobald der Pass gespielt und der Ball unterwegs ist, wirft der Torhüter einen kurzen Blick auf den zentralen Spieler und nennt die Anzahl sowie die Farben der Bändel, die dieser hochhält. Statt der Bändel können auch Markierungsteller oder die Vierfarbenhandschuhe verwendet werden. Durch diese Übung wird die Vororientierung des Torhüters irgendwann zur Selbstverständlichkeit.

Manchmal wird in einem Spiel der Außenspieler von einem Verteidiger an der Flanke gehindert und muss abdrehen. Dieser Moment bietet dem Torhüter die Möglichkeit für einen erneuten Scan, um sich nicht einmal zu vergewissern, ob seine Erstwahrnehmung noch stimmt. Noch einmal wirft er einen kurzen Blick auf den Hilfsakteur und ruft dann laut die Anzahl und Farbe der Bändchen.

B) Die richtige Position finden

Nachdem der Torhüter die Situation vor seinem Tor sowie die Optionen des Flankengebers wahrgenommen hat, richtet er seine eigene Position so aus, dass er das Tor und den Raum optimal verteidigen kann. Die Wahl seiner Position hängt also ab von der Position des Balls sowie den Positionen seiner Mitspieler und der gegnerischen Angreifer. Danach richtet er seine Positionierung, sein Stellungsspiel aus.

C) Entscheidungsfindung

Sobald der Außenspieler den Ball vor das Tor flankt, muss sich der Torhüter in Sekundenschnelle entscheiden, auf welche Weise er den Flugball angreift. Er muss dabei die Geschwindigkeit, Rotation und Flugbahn des Balles richtig einschätzen. Aufgrund dieser Informationen muss er sich entscheiden, ob er die Flanke abfangen kann oder sich eher auf die Torlinie zurückbewegt, um aus einer guten Grundstellung heraus den möglicherweise geschossenen oder geköpften Ball klären zu können. Noch eine weitere Option des Schützen muss er bedenken: Dieser könnte den Ball auch direkt in die kurze Ecke schießen.

Wie Andrey Shpilev alle Situationen, die für einen Torhüter bei einer Flanke möglich sind, in eine Übungsform packt, zeigt das folgende Trainingsvideo:

Technik und Körper nicht vergessen!

Eines ist aber auch klar: Die Vororientierung hilft dem Torhüter, die Situation im Strafraum besser einzuschätzen. Um aber den Ball sauber abzufangen, braucht er außerdem eine ausgereifte Technik und gute körperliche Voraussetzungen. Zum einen muss er den Körper schnell und dynamisch von Punkt A nach Punkt B bringen können, wofür eine gute Laufkoordination und Agilität die Voraussetzungen sind. Zum anderen muss er sich im Luftkampf gegen mögliche gegnerische Angreifer behaupten, wozu eine gute Stabilität und Robustheit notwendig ist. Wie man die entwickelt, könnt auf vielen Videos in den Rubriken KRAFT und SCHNELLKRAFT auf Goalguard ersehen.

Training

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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