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Der Weg zum Profi-Torhüter ist ein weiter. Das weiß wohl keiner besser als David Thiel, der zum Zeitpunkt des Vortrages trotz seines jungen Alters von gerade mal 30 Jahren bereits schon seit zwei Jahren als Torwarttrainer die Profi-Torhüter von Bayer Leverkusen trainierte und vor dieser Tätigkeit über viele Jahre die Jugend-Torhüter des Bundesligisten ausbildete und begleitete. In seinem Vortrag zeigte er auf, welche Fähigkeiten ein Torhüter im modernen Torwartspiel heutzutage beherrschen muss und deshalb die Grundlage für die Ausbildung junger Torhüter sind. Diesen Vortrag hielt David Thiel im Rahmen eines Torwarttrainer-Seminars an der Fußballakademie Vorarlberg-Mehrerau in Bregenz, das von Safehands / the art of goalkeeping veranstaltet wurde.

Säulen des Torwartspiels

Am Beginn der Veranstaltung stand eine theoretische Einführung ins Thema. David Thiel zeigte anhand einer Übersichtstabelle auf, welche Fähigkeiten Torhüter im Profibereich heutzutage beherrschen müssen. Er unterschied die Anforderungen an heutige Torhüter in die Bereiche Torverteidigung, Raumverteidigung und Spieleröffnung / Spielfortsetzung. Laut seiner Aussage umfasst dabei der Bereich Spieleröffnung / Spielfortsetzung mit ca. 70 % aller Torwartaktionen den größten Spielanteil eines Torwarts. Raumverteidigung (17 %) und Torverteidigung (13 %) hingegen nehmen einen deutlich geringeren Anteil im modernen Torwartspiel ein. Im Anschluss stellte er detailliert dar, welche Gesichtspunkte des Torwartspiels den drei Oberbegriffen zuzuordnen sind.

Spielleistungen eines zukünftigen Torhüters

Will man junge Torhüter gut für die Zukunft ausbilden und vorbereiten, muss sich laut David Thiel ein Torwarttrainer frühzeitig mit der Frage befassen, wie sich das Torwartspiel zukünftig entwickeln wird und welche Spielleistungen von einem Torhüter gefordert sein werden. Die Verantwortlichen müssten seiner Meinung nach neue Entwicklungstendenzen im Torwartspiel mindestens drei Jahre im Voraus erkennen können.

Welche Herausforderungen David Thiel im Torwartspiel der Zukunft sieht, legte er anschließend dar. Trotz der oben erwähnten Prozentwerte zur Aufgabenverteilung des Torhüters in einem Spiel bleibe für ihn die Torverteidigung der wichtigste Schwerpunkt bei der Ausbildung von Torhütern. Zudem gehe es um eine weitere Perfektionierung der Techniken und Taktiken der Torverteidigung. Die WM 2014 habe gezeigt, dass alle Torhüter technisch weit besser geschult gewesen seien als in früheren Zeiten.

Eine weitere Erkenntnis für ihn ist, dass der Raumverteidigung beim Torwartspiel eine immer größere Bedeutung zukomme. Da immer mehr Mannschaften hoch verteidigten, müsse der Torhüter dieses Vakuum zwischen Abwehrreihe und Tor füllen. „Der Raum wird größer“, merkte er an. Diese zusätzliche Aufgabe setze eine gute Antizipationsfähigkeit sowie fußballerische Fähigkeiten beim Torwart voraus.

Durch immer bessere Techniken der Feldspieler und schnellere Bälle komme es vor allem bei Standardsituationen zu immer anspruchsvolleren Flankenaktionen. Darauf müssten die Torhüter eingestellt und im Training vorbereitet werden.

Vor allem aber die Qualität der Spieleröffnungsaktionen werde zukünftig von Bedeutung sein. Zunehmend schlüpfe der Torwart in die Rolle des Spielgestalters, da die Feldspieler durch Pressing der gegnerischen Mannschaft oft an der sicheren Spieleröffnung gehindert werden und deshalb der Torwart als Anspielmöglichkeit vermehrt gesucht werde. Um diese Aktionen kontrolliert durchführen zu können, brauche der Torwart beidfüßig gute balltechnische Fähigkeiten und eine gute Spielübersicht.

Anhand von anschaulichen Videoszenen erläuterte David Thiel abschließend seine Thesen. Er führte in kurzen Videoclips Spielsituationen vor, die seine theoretischen Ansätze untermauerten, und zeigte geeignete Lösungsmöglichkeiten für Torhüter in der jeweiligen Spielsituation auf.

Elemente der Torwartausbildung bei Bayer Leverkusen

Zum Schluss seines Vortrags ging er auf die Leitlinien für die Torwartausbildung bei Bayer Leverkusen ein. Der wichtigste Bereich sei dabei die Technikschulung. Weitere Ausbildungsschwerpunkte seien die Taktikschulung (Stellungsspiel, Raumverteidigung, Spielfortsetzung), das Umsetzen in Spielsituationen zur Verbesserung der Antizipation und Wahrnehmung sowie die Ausbildung der Athletik und der Psyche (Konzentration, Fehler-Management, Selbstvertrauen, Mut). Anhand von verschiedenen Grafiken zeigte David Thiel auf, welche Bausteine in der entsprechenden Altersstufe bei der U 12/13, bei der U 14/15 und der U 17/19 vorrangig geschult werden sollen.

VeranstaltungSeminar

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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