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Eine Fußball-Weltmeisterschaft dient immer als wichtiger Gradmesser, wohin sich der Fußball entwickelt hat oder wohin er sich in Zukunft entwickeln wird. Deshalb lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Endrunde 2022 in Katar zu werfen. Wie bisher in jedem Turnier analysierte auch in Katar eine Technische Studientruppe der Fifa die WM-Spiele. Bereits nach Abschluss der Vorrunde stellten deren Chef Arsène Wenger und Jürgen Klinsmann erste Ergebnisse vor, die sich auch im weiteren Turnierverlauf bestätigten. Einige ihrer Erkenntnisse: In den Spielen wird immer mehr gelaufen, viele Spiele kamen erst spät in Gang, zu beobachten sind zudem die Abkehr vom reinen Ballbesitzfußball sowie eine stärkere Individualisierung.

Alle diese Aspekte betreffen das Torwartspiel nur bedingt. Aber Neuerungen im Fußball haben in der Regel auch Einfluss auf das Torwartspiel. Welche das beispielsweise sind, stellt euch Goalguard im Folgenden vor.

Deutlich weniger Torschüsse

Eine erste wichtige Erkenntnis ist: Die Zahl der Torschüsse pro Partie ging markant zurück. Bei der WM 2010 in Südafrika lag der Wert noch bei 14,1 Schüssen pro Spiel. Über 12,9 und 12,0 bei den folgenden Turnieren ist sie nun bei 10,9 angekommen. Der ehemals Arsenal-Coach Arsene Wenger findet als FIFA-Verantwortlicher eine Erklärung für diese Veränderung: „Offenbar wird das Zentrum besser geschützt". Neue Ideen haben das Defensivspiel in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Beispielsweise haben sich Spielsysteme mit einer Dreierkette etabliert, die defensiv zur Fünferkette wird. Außerdem agieren viele Mannschaften mit zwei Sechsern, wodurch die Mitte zusätzlich verdichtet wird. Mannschaften mit diesen Grundordnungen sind schwer zu bespielen, weshalb es zu weniger Torabschlüssen kommt. Aber auch der Torhüter trägt durch gutes Coaching dazu bei, wenn er die Restabwehr in jeder Situation gut dirigiert. Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann äußerte einmal: „Je mehr ich die Abwehr organisiere, desto weniger brauche ich im Tor zu halten.“ Diese Devise haben viele Torhüter bei der WM wohl gut umgesetzt.

Fazit: Um die Abstimmung mit seiner Restverteidigung noch besser organisieren zu können, braucht der Torhüter ein gutes taktisches Verständnis, das ihm im Training durch spielnahe Übungen in Verbindung mit Abwehrspielern vermittelt werden muss.

Eine schnellere Spieleröffnung

Die vielleicht größte Veränderung im Torwartspiel bei der WM 2022 war die enorme Zunahme an Rückpässen zu den Torhütern pro Spiel. Gegenüber der WM vor vier Jahren, als in der Vorrunde 443 Rückpässe zum Keeper gespielt wurden, hat sich die Zahl bei der WM 2022 auf 726 fast verdoppelt. „Torhüter werden immer mehr zu Feldspielern", stellte Wenger fest. In den vergangenen Jahren dienten sie häufig als Anspielstation, um durch Überzahl den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Meist leiteten sie dann die Bälle kurz zu Mitspielern weiter. Bei der WM in Katar jedoch dienten Torhüter immer mehr als Spieleröffner, die mit langen und mit hoher Präzision gespielten Pässen so viele Angriffe wie nie zuvor einleiteten. „Das ist eine große Veränderung", sagte Arsene Wenger zu dieser Entwicklung. Jürgen Klinsmann formulierte es so: „Sie sind der erste Spielmacher, das Rückgrat der Mannschaft. Das ist wichtig für die Ausbildung der künftigen Torhüter." Für Meikel Schönweitz, als Cheftrainer U-Nationalmannschaften des DFB bis einschließlich der Achtelfinals in Katar, gilt diese Entwicklung aber nicht für alle Teams. „Bei den sogenannten kleineren Mannschaften, die erfolgreich waren, hat der Torhüter nicht extrem mitgespielt", sagte er.

Eine zusätzliche Folge dieses Torwartverhaltens: Viele Experten hatte bei der WM einen Anstieg an Pressing-Situationen erwartet, der aber ausblieb. Der Grund: Der Torhüter konnte bei aggressivem Anlaufen der gegnerischen Stürmer leicht mit einem langen Pass die erste oder zweite Verteidigungsreihe überspielen. Damit blieb das Pressing der Angreifer oft wirkungslos, weshalb zunehmend Mannschaften bei der WM darauf verzichteten.

Fazit: Die Rolle des Torhüters als weiterer Feldspieler wird auch zukünftig eine große Rolle spielen. Torhüter müssen deshalb in ihrer Ausbildung verstärkt auf zwei Fähigkeiten vorbereitet werden: Zum einen müssen sie auch unter Druck Spielsituationen schnell erfassen können, um richtig zu entscheiden, ob der Ball lang oder kurz und in welche Zielzone zu spielen ist. Zum anderen müssen sie darin ausgebildet werden, lange Bälle punktgenau auf einen Zielspieler spielen zu können, und das möglichst gleich gut mit dem linken und rechten Fuß.

Flanken nehmen deutlich zu

Eine wichtige Rolle spielte bei der WM 2022 das Spiel über außen. 58 Prozent der Chancen wurde über außen eingeleitet und die über die Flügel eingeleitete Treffer stiegen um 83 Prozent. In modernen Spielsystemen wird das Zentrum derart gut verteidigt, dass die massive Abwehr fast nur mit schnellen Flügelspielern, die scharfe Flanken im Rücken der Abwehr flach oder hoch nach innen schlagen können, geknackt werden kann oder sich die Stürmer im 1gegen1 durchsetzen können. Ein gutes Beispiel dafür ist Titelverteidiger Frankreich, der immer wieder das Spiel über seine überaus schnellen Außen Kylian Mbappé, Ousmane Dembele oder Kingsley Coman forcierte.

Fazit: Ohne Zweifel hat die Raumverteidigung durch die WM wieder einen höheren Stellenwert bekommen, wie der hohe Wert bei erzielten Toren nach Flanken oder Zuspielen zeigt. Auf diese Entwicklung muss der Torhüter im Torwarttraining wieder verstärkt vorbereitet werden.

Analyse

Artur Stopper

Artur Stopper

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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