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Der Patzer, der VfB-Torwart Ron-Robert Zieler am vergangenen Wochenende im Spiel gegen Werder Bremen unterlaufen ist, geht zweifellos in als eines der kuriosesten Eigentore in die Bundesliga-Geschichte ein. Ohne Zweifel hat Zielers Slapstick das Zeug zum Eigentor des Jahres und wird ganz sicher in jedem Jahresrückblick auftauchen.

Was war passiert?

In der 68. Spielminute schnappt sich Stuttgart-Verteidiger Sosa den Ball zum Einwurf. Nach einem angetäuschten Blick nach vorne wirft er den Ball zu Ron-Robert Zieler, der unbedrängt ungefähr 10 m vor dem Tor in Richtung Sosa steht. Der VfB-Schlussmann ist aber vollkommen abgelenkt, weil er gerade dabei ist, seine Stutzen zu richten und deshalb viel zu spät auf den Einwurf reagiert. So trudelt der Ball, von Zieler zunächst unbemerkt, in Richtung Tor. Erst Sosas verzweifelte Rufe wecken seinen Teamkollegen auf, aber zu spät. Zieler scheitert bei der versuchten Ballannahme, berührt den Ball allerdings noch leicht mit dem Fuß

Schuld und Unschuld Zielers

Einen Fehler muss Ron-Robert Zieler zweifellos auf seine Kappe nehmen. Eine Situation, in der sich der Ball in der Mitte der eigenen Spielspielhälfte relativ nah zum Tor befindet, ist sicherlich nicht dazu geeignet, seine Stutzen zu richten. Als möglicher Anspielpunkt bei einem Einwurf muss Zieler wach und konzentriert sein und darf in dieser Situation niemals den Ball aus den Augen lassen! Vorwürfe in diese Richtung sind also berechtigt. Für einen kurzen Moment hat er diese Grundregel missachtet, was ihm sofort zum Verhängnis wurde.

Mit einem zweiten Vorwurf, dass er den Ball überhaupt berührt hat, sollte man sich aber zurückhalten. Zwar ist in den „Spielregeln“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Situation auf Seite 90 unter „Regel 15 Einwurf“ klar formuliert: „Aus einem Einwurf kann nicht direkt ein Tor erzielt werden“, steht dort, und weiter: „Wenn der Ball ins Tor der einwerfenden Mannschaft geht, wird auf Eckstoß entschieden.“ In anderen Worten: Wäre der Ball, ohne dass ihn Zieler berührt hätte, ins Tor gekullert, hätte das Tor nicht gezählt, sondern der Schiedsrichter hätte auf Eckball entschieden. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Zieler diese Regel überhaupt kannte. Wenn doch ist es aber absolut verständlich, dass er in dieser für ihn überraschenden Situation, in der er in einem Bruchteil einer Sekunde eine Entscheidung treffen musste, nicht diese Regel vor Augen hatte und sich stattdessen entschloss, den Torerfolg mit dem Fuß zu verhindern. Im Nachhinein eine fatale Entscheidung!

Warum allerdings die ganze Verantwortung und Häme allein auf Ron-Robert Zieler übertragen werden, ist nicht ganz ersichtlich. Eine Grundregel, die man bereits in der Jugend lernt, lautet, dass ein Ball nur dann zu einem Mitspieler gespielt werden darf, wenn Blickkontakt zwischen den beiden Spielern besteht. Beim Einwurf richtete Sosa zunächst seinen Blick nur nach vorne, um den Gegner von seiner eigentlichen Absicht abzulenken. Erst im letzten Moment entschloss er sich zum Einwurf auf Zieler, ohne sich vorab vergewissert zu haben, ob Blickkontakt besteht. Insofern kann dem Ex-Nationaltorhüter nicht allein die Schuld für diese kuriose Szene zugewiesen werden.

Erwähnenswert ist das Mitgefühl von Werder-Trainer Florian Kohlfeldt, der selbst einmal Torhüter war, als er auf den Patzer von Zieler angesprochen wurde: „Es freut mich fast schon wieder für Zieler, dass sie dadurch keine Punkte verloren haben.“ Ein bemerkenswertes Einfühlungsvermögen in Zeiten, in denen solche Szenen von schadenfrohen Mitbürgern eher dazu verwendet werden, in nur wenigen Minuten im Netz Hohn und Spott zu verbreiten. Nicht auszudenken, wenn der Fehler statt des ersten Saisonsieges zur Niederlage des VfB geführt hätte. Insofern hat sich Ron-Robert Zieler den Patzer wenigstens zum richtigen Zeitpunkt erlaubt.

Blickpunkt1. BundesligaVfB StuttgartRon-Robert Zieler

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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