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Ungefähr eineinhalb Jahre ist es her, dass Hoffenheims Schlussmann Oliver Baumann im September 2020 vom damaligen Bundestrainer Joachim Löw erstmals für zwei Spiele in der UEFA Nations League in den Kader der deutschen Nationalmannschaft berufen wurde. Nun steht der Torwart der TSG Hoffenheim wieder im Aufgebot von Bundestrainer Hansi Flick für die Spiele in der Nations League. Warum eigentlich nicht Marvin Schwäbe, der mit tollen Leistungen maßgeblich am siebten Platz der Kölner beteiligt war, oder Stefan Ortega, der seit zwei Jahren zu den besten Keepern der Bundesliga gehört, oder der Bochumer Manuel Riemann, werden die Kritiker der Entscheidung für Baumann sagen. Eines vorweg: Zweifellos hätte die Entscheidung des Bundestrainers auch in Richtung eines anderen Keepers ausfallen können. Er hat sich mit seinem Trainerteam aber für Oliver Baumann entschieden, und dafür gibt es gute Gründe.

Absagen und Ausfälle führen zur Nominierung

2013 gehörte Oliver Baumann noch zum U21-Kader, dann verschwand er mehr oder weniger aus dem Fokus der Nationalmannschaft. Dass er noch so langer Zeit dort wieder auftaucht, hat er besonderen Umständen zu verdanken. Marc-Andre ter Stegen, die Nummer zwei im deutschen Tor hinter Kapitän Manuel Neuer, bat den Bundestrainer, aktuell von einer Einladung abzusehen. Er sei zwar "immer sehr gern bei der Nationalmannschaft" und freue sich über jede Nominierung, meinte der Barca-Keeper. Andererseits "bin ich nach drei intensiven Saisons jeweils ohne Sommerpause dazwischen froh, dass der Bundestrainer mit mir der Meinung ist, dass ich diese Pause brauche, und mich dabei unterstützt". Flick zeigte Verständnis für den Wunsch des Schlussmannes des FC Barcelona. Der 30-jährige Keeper solle nach der einen oder anderen Verletzung den Juni "gerade im Hinblick auf die anstehende WM in Katar" im Spätherbst für eine "normale Spiel- und Trainingsauszeit" nutzen, begründete er seine Entscheidung. Weil zudem Bernd Leno (FC Arsenal London) dem Bundestrainer aufgrund einer Verletzung eine Absage erteilen musste, nominierte der Bundestrainer neben Manuel Neuer (Bayern München) und Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) den 31-jährigen Hoffenheimer Schlussmann als Nummer drei für den Nations-League-Viererblock gegen Italien (4. Juni, Bologna), England (7. Juni, München), Ungarn (11. Juni, Budapest) und noch einmal Italien (14. Juni, Mönchengladbach).

Was spricht eigentlich für Oliver Baumann?

Erster Grund: Die Nominierung in den Nationalkader hat sich Hoffenheims Keeper redlich verdient. Bereits seit 12 Jahren steht Baumann in der Bundesliga im Tor, vier Jahre für seinen Ausbildungsverein SC Freiburg, acht Jahre für die TSG Hoffenheim. 385 Bundesligaeinsätze hat er inzwischen vorzuweisen und wird in Bundesliga nur noch von Manuel Neuer (466 Spiele) bei den Spieleinsätzen übertrumpft. In punkto Erfahrung können ihm nur wenige Torhüter das Wasser reichen. Insofern ist Einladung zur Nationalmannschaft eine Anerkennung seiner über viele Jahre hinweg guten Leistungen.

Ein zweiter Aspekt: Seit vielen Jahren steht Baumann in seiner Torwartspiel für Konstanz und Zuverlässigkeit. Er gehört zu den am meisten unterschätzten Torhüter in der Bundesliga, weil er mit seiner unspektakulären, aber überaus effektiven Spielweise den oberflächlichen Betrachtern seltener ins Auge fällt als manche seiner Kollegen. Taktisch sehr gut geschult, trifft er aber häufig richtige Entscheidungen und wird dadurch seltener zu spektakulären Paraden gezwungen. Der 31-jährige steht eher für den Torhütertyp Mister Zuverlässig, immer solide, selten schwächelnd, manchmal überragend. Seit Jahren ist er der große Rückhalt bei den Kraichgauern. Wenn einen guten Torhüter auszeichnet, dass er über Jahre konstant gut spielt, trifft diese Feststellung auf Hoffenheims Schlussmann sicher zu. Deshalb hat er die Einladung zur Nationalmannschaft schon unter diesem Aspekt verdient.

Noch ein weiterer Gesichtspunkt dürfte bei der Wahl des Hoffenheimers eine Rolle gespielt haben. Bereits unter seinem Vorgänger Joachim Löw wurde die Position des dritten Torhüters mit Keepern besetzt, die keine Unruhe oder Missstimmung innerhalb der Mannschaft verbreiten. Ein Bundestrainer muss bedenken, dass der dritte Torhüter in einem Turnier möglicherweise der einzige Spieler ist, der im Turnier ohne Spielzeiten bleibt. Noch nie kam der dritte Torhüter in einem großen Turnier für das deutsche Nationalteam zum Einsatz. Deshalb braucht ein Bundestrainer auf dieser Position einen Torhüter, der seine Rolle – auch bei Fehlern seiner Kontrahenten - akzeptiert und - oft mit Hilfe der Medien - keine Ansprüche auf Einsatzzeiten stellt. Daher ist eines klar: Keinen anderen Posten besetzt der Bundestrainer unter diesem speziellen Gesichtspunkt wie die Position als Nummer drei. Zweifellos bringt Baumann neben der sportlichen Klasse die charakterliche Integrität mit, diese Rolle gut auszufüllen.

Dass Oliver Baumann seinen Platz in der Nationalmannschaft abgeben muss, wenn Marc-Andre ter Stegen oder Bernd Leno wieder einsatzbereit sind, wird dem 29-Jährigen bewusst sein. Trotzdem ist die Einladung von Oliver Baumann zu den Spielen der Nations League eine späte Anerkennung des Bundestrainers für seine über Jahre konstant gute Leistungen, die seine Konkurrenten im Kampf um die Position als dritter Torhüter erst noch nachweisen müssen!

BlickpunktOliver Baumann1. BundesligaTSG 1899 Hoffenheim

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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