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Das 0:0 am vergangenen Sonntag im badischen Derby zwischen der TSG Hoffenheim und dem SC Freiburg geriet fast zur Nebensache. Im Mittelpunkt stand einer, der seit über zehn Jahren zum festen Inventar der Bundesliga gehört: Oliver Baumann, der seit seinem Wechsel 2014 vom SC Freiburg zur TSG Hoffenheim die klare Nummer eins im Kraichgau ist. Am vergangenen Spieltag stellte der 32-jährige Schlussmann ausgerechnet im Spiel gegen seinen Ausbildungsverein einen besonderen Rekord auf. Er absolvierte sein 400. Bundesliga-Spiel in seiner bisherigen sportlichen Laufbahn. 141 Spiele bestritt er davon für die Breisgauer (2009 – 2014), deren 268 für die TSG Hoffenheim. Eine andere Zahl verdeutlicht, dass er in dieser Zeit sein Tor meist zuverlässig bewacht hat. Das Spiel gegen Freiburg war sein 100. Spiel ohne Gegentor.

Nun ist Baumann also im Kreis der Vierhunderter angekommen. Aktuell rangiert er in der Liste der Rekordspieler der Bundesliga, die seit dem Bundesligastart zur Saison 1963/64 erfasst wird, zusammen mit Thomas Häßler, dem Weltmeister von 1990, auf Platz 69. Kommen bis Saisonende weitere 27 Spiele hinzu, wird er Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Berti Vogts überholt haben und bereits auf Rang 38 vorrücken. Und noch ein Wert unterstreicht seine außergewöhnliche Leistung. Aktuell gibt es nur zwei aktive Bundesligaspieler, die mehr Bundesliga-Einsätze haben als Hoffenheims Keeper: Die Bayern-Profis Manuel Neuer (472) und Thomas Müller (421).

Christian Streich lobt Oliver Baumann in höchsten Tönen

Es gibt also gute Gründe, Hoffenheims Schlussmann zu dieser Anlass zu würdigen. Besonders herzliche Worte kamen in der Pressekonferenz nach dem Spiel aus dem Munde von Freiburgs Trainer Christian Streich, der Oliver Baumann einige Jahre in seiner Freiburger Zeit erlebt hat, als er auf die außergewöhnlichen Leistungsdaten Baumanns angesprochen wurde. Der SC-Trainer holte erstmal tief Luft, bevor er sich mit leicht gebrochener Stimme sehr emotional zum Torhüter des Gegners äußerte. „Er ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Er hat sich null Komma null verändert – trotz seiner großen Erfolge. Er ist ein super Torwart, aber noch wichtiger ist, dass er so ein toller Mensch ist“, führte Streich aus. „Es ist immer wahnsinnig schön, ihn zu sehen, wenn wir gegeneinander spielen. Wir reden nicht viel. Das reicht, wenn wir uns anschauen und uns in den Arm nehmen. Das ist so warm und so gut. Wir müssen uns ja konzentrieren, ich kann ihn ja nicht vollschwätzen, wenn er das Tor verteidigen muss.“ In diese Liebeserklärung schloss er auch Baumanns Ehefrau ein: „Das ist ein besonders gutes Gefühl. Solchen Menschen immer wieder begegnen zu dürfen, das ist ein Geschenk.“ Auch Hoffenheims Trainer Andre Breitenreiter, der Baumann erst seit dem Sommer kennt, lobte seinen Kapitän: „Er ist einfach ein fantastischer Mensch, großartiger Torwart, super Typ.“

Wie geht sein Weg weiter?

Wohin der sportliche Weg Baumanns noch führen wird, bleibt offen. „Ich fühle mich gut, mal schauen, was der Körper hergibt. Ich habe schon noch Bock, eine Weile zu spielen. Außer es kommt irgendwann der Moment, wo ich das Wochenende frei haben will, weil ich das mein ganzes Leben lang nicht hatte", äußerte sich der 32-Jährige nach dem torlosen Remis. Planungssicherheit gibt es im Sport sowie nie. Zu oft schon hat eine Verletzung die Karriere eines Profis verkürzt oder hat ein Konkurrent diese Auszeit als seine Chance genutzt. Noch ist in Hoffenheim allerdings noch niemand in Sicht, der den Ausnahme-Keeper in nächster Zeit verdrängen könnte. Zu konstant sich Baumanns Leistungen, und das bereits seit Jahren.

Die Fahrkarte zur im November in Katar beginnenden Weltmeisterschaft scheint für Baumann hingegen außer Reichweite, denn Flick hat als dritte Kraft hinter den gesetzten Manuel Neuer (FC Bayern) und Marc-André ter Stegen (FC Barcelona) den Frankfurter Kevin Trapp nominiert. Noch im Mai dieses Jahres war Hoffenheims Keeper in den DFB-Kader berufen worden, nachdem Manuel Neuer nach seiner Champions-League-Gala von den DFB-Verantwortlichen eine wohl verdiente Pause erhalten hatte und der am Knie verletzte ter Stegen seine Teilnahme absagen musste. Nun muss Baumann erneut als Lückenbüßer fungieren. Weil sich Manuel Neuer vor den anstehenden Nation-Cup-Spielen am kommenden Freitag und Montag coranabedingt aus dem Mannschaftshotel verabschieden musste, griffen die DFB-Verantwortlichen erneut auf Oliver Baumann als Neuer-Ersatz zurück. So kann er die Atmosphäre im Kreise der Nationalmannschaft ein zweites Mal genießen. Hoffenheims Schlussmann ist aber erfahren genug zu wissen, dass für ihn kein Platz frei wäre, wenn nicht einer der drei Nominierten ausfällt. Falls die Hilfe Baumanns in diesem Fall aber erneut gefordert wäre, stünde er jedenfalls bereit: „Für mich bleibt es ein Traum, einmal mit dem Adler auf der Brust aufzulaufen.“ Nicht wenige würden ihm dieses Erlebnis als Anerkennung für seine seit Jahren konstant guten Leistungen zweifellos gönnen!