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Noch einige Zeit nach dem Spiel feierten die Gladbacher Fans ihren Torhüter in die Münchener Allianz-Arena. „Yann Sommer, oho“ skandierten sie durch das Stadion und würdigten damit die Ausnahmeleistung des Gladbacher Schlussmanns. Denn wo die Abschlüsse des FC Bayern auch hinflogen, Yann Sommer war immer schon da. Dass sich die Bayern, die laut Trainer Nagelsmann ihr bestes Saisonspiel ablieferten, am Ende mit einem 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach begnügen mussten, lag weniger am Spiel der Bayern als am überragenden Borussia-Torwart. Trotz klarer Überlegenheit und einem Ballbesitz von 69 % gelang es dem deutschen Meister nicht, einen Sieg einzufahren, weil zum Torerfolg immer einer im Wege stand: Gladbachs Keeper Yann Sommer.

Bereits in der ersten Minute zeigte Yann Sommer seine erste Parade, als er einen Kopfball von Dayot Upamecano über die Latte lenkte. Und während dem ganzen Spiel hörte er mit den Paraden einfach nicht mehr auf. Insgesamt 19 Torschüsse wehrte der 33-jährige Schlussmann im Laufe des Spiels ab und stellte damit einen neuen Rekord in der Bundesliga auf. Noch nie zuvor gelangen einem Bundesliga-Torhüter seit der Erfassung solcher Daten, also seit 1992, so viele Paraden. Yann Sommer zeigte sein ganzes Repertoire an Fähigkeiten: Er hechtete, faustete, fing die Bälle, lenkte sie am Tor vorbei oder wehrte die Schüsse mit den Füßen ab. Nur gegen Leroy Sanés Ausgleichstor in der 83. Minute hatte er keine Chance. „Man kommt irgendwann bei viel Arbeit in einen Flow rein", fand der Schweizer eine Erklärung für seine Ausnahmeleistung. Noch einen weiteren Rekord knackte Yann Sommer mit diesem Spiel. Mit seinem 266. Liga-Spiel war er zum Rekordspieler seines Landes in Deutschlands höchster Spielklasse geworden.

Gladbachs Trainer Daniel Farke zeigte sich von der Leistung seines Keepers wenig überrascht: „Dass Yann Sommer zusammen mit Manuel Neuer der beste Torhüter in der Liga ist, da habe ich nie ein Geheimnis draus gemacht." Mit dieser Ansicht liegt Farke sicherlich nicht falsch. Bereits in der Vorsaison war der Schweizer Nationaltorwart mit 131 Paraden der Keeper mit den meisten abgewehrten Schüssen in der Bundesliga. Und zu welchen Großtaten der Schweizer Nationaltorhüter fähig ist, hat er in den 8 ½ Jahren, in denen er inzwischen das Tor der Borussia hütet, nicht zum ersten Mal unter Beweis gestellt. In nahezu allen seinen Bundesliga-Spielzeiten gehörte Sommer immer zu den besten Torhütern der Liga.

Er wäre nicht Yann Sommer, wenn er nach dieser Weltklasse-Leistung in München in gewohnter Zurückhaltung nicht auf den Faktor Glück und die gute Abwehrleistung seiner Mitspieler verweisen würde, die seine außergewöhnliche Leistung begünstigt hätten. Aber bei aller Bescheidenheit: Ohne ihren Hexer zwischen den Pfosten wäre Gladbach in der Münchener Allianz-Arena zweifelsohne leer ausgegangen. Auch einige Spieler der Bayern würdigten die bärenstarke Leistung des Gladbacher Torhüters. Bayern-Profi Joshua Kimmich ernannte ihn zum "besten Mann auf dem Platz". Und Thomas Müller stöhnte: "Das kennen wir ja nicht anders, dass der Yann Sommer gegen uns immer das beste Spiel des Jahres macht. Er war auch bei den großen Dingern immer zur Stelle."

Dass der Schweizer Nationalkeeper angesichts solcher Leistungen das Interesse von Vereinen aus Europas Top-Ligen weckt, ich durchaus verständlich. Deshalb werden wohl diverse Wechselgerüchte bis zum Ende der Transferperiode anhalten. Das Interesse vom OGC Nizza und dem englischen Renommierklub Manchester United ist abgewendet. Beide Klubs haben sich anderweitig orientiert. Aber Sommers Vertrag läuft nur noch bis 2023. Die Gespräche zwischen dem Verein und dem Keeper laufen schon seit einiger Zeit. Gladbach wird wohl bis an die finanzielle Schmerzgrenze gehen müssen, um Sommer für weitere Jahre im Verein zu halten. Der Keeper macht aber Gladbachs Verantwortlichen durchaus Hoffnung. „Ich bin acht Jahre hier bei Gladbach. Wenn das nicht gut zusammenpassen würde, wäre ich lange nicht mehr hier", äußerte er.

Einen Wunsch hatte der „Mann des Tages“ noch zum Schluss: „Ich hoffe, dass ich nicht in jedem Spiel so viel zu tun bekomme." Aus seiner Sicht durchaus verständlich. Wer sich hingegen speziell für das Torwartspiel interessiert, könnte sich noch öfter mit Vergnügen an den Wundertaten des Schweizer Teufelskerls erfreuen. Und die Diskussion über die Größe von Torhütern müsste man irgendwann auch ad acta legen können. Denn der 33-jährige Schlussmann beweist seit Jahren, dass ein Torhüter fehlende Länge mit außergewöhnlicher Reaktionsschnelligkeit, schneller Beinarbeit und ausgefeilter Torwarttechnik wettmachen kann.

Blickpunkt1. BundesligaYann SommerBorussia Mönchengladbach

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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