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Schon vor der WM 2026 war klar, dass das Turnier in Kanada, in der USA und Mexiko das torreichste der WM-Geschichte werden würde, da der Wettbewerb vor der WM auf 48 Teams aufgestockt worden war und dadurch statt 64 Spielen 104 Partien stattfanden. Insgesamt 308 Treffer waren die Folge. Damit war die Trefferquote weit höher als in den Turnieren zuvor in Russland (169) und Katar (172). Davon wurden 143 Tore und damit 46,4 % aller Tore nach Positionsangriffen erzielt, 93 Tore nach Ballgewinn (30,2 %) und 72 Tore nach Standardsituationen (23,4 ). Wirft man einen Blick speziell auf die Standards, stechen Tore nach Eckbällen (35 Treffer) mit einem Anteil von 48,6 % deutlich hervor. Doch welche Eckballvarianten waren von Erfolg gekrönt?

Markus Krauss, Torwarttrainer beim Drittligisten VfB Stuttgart II und Torwart-Koordinator im NLZ der Schwaben, hat die Eckbälle bei der WM 2026 näher unter die Lupe genommen. Im dritten Teil seiner Untersuchung nimmt er die Fragen ins Visier, aus welchen Bereichen am häufigsten ein Torabschluss erfolgte, mit welcher Abwehrtechnik der Torhüter auf die Torabschlüsse reagierte und aus welchen Zonen am häufigsten Tore nach Eckbällen eingenetzt wurden.

Bedeutung von Standards bei der WM

72 Tore wurden bei der WM 2026 nach Standardsituationen erzielt. Davon waren Eckbälle mit einem Anteil von 48,6 Prozent (35 Tore) besonders erfolgreich, gefolgt von Elfmetern (16 Tore, 22,2 %) und indirekten Freistößen (8 Tore, 11,1 %). Sieben Tore führten nach direkten Freistößen (9,7 %) und sechs Tore (8,3 %) nach Einwürfen zum Torerfolgen.

Torabschlüsse nach Eckbällen

Wie bereits im Teil 1 und Teil 2 der WM-Analyse von Eckbällen aufgezeigt, gibt es kein klares Muster, wie Eckbälle erfolgreich ausgeführt werden. Wie Markus Krauss aber herausgefunden hat, zeichnen sich Tendenzen ab, auf welche Weise Eckbälle erfolgsversprechender sind.

Wo entsteht am häufigsten ein Torabschluss?

Zunächst stellte sich Markus die Frage, aus welcher Zone die Angreifer nach dem Eckball am häufigsten zum Torabschluss kamen.

Eine Zone sticht bei Torabschlüssen besonders heraus. Es ist der Bereich hinter dem zweiten Pfosten. Der Grund: Während der zentrale Raum vor dem Tor von gegnerischen als auch eigenen Spielern oft stark überladen wird, positionieren sich Angriffsspieler seltener hinter dem zweiten Pfosten, weil der Abschlusswinkel aufs Tor deutlich ungünstiger ist. Wird der Ball aber in diesen Bereich gespielt, kommt ein Angreifer relativ leicht an den Ball, weil wenig Gegendruck vorhanden ist. Das erklärt die hohe Abschlussquote von 51 %, obwohl in absoluten Zahlen dieser Raum eher weniger angesteuert wird. Häufig wird der Ball aus diesem Raum von einem Angreifer nicht direkt aufs Tor, sondern zunächst quer auf einen Mitspieler gespielt, der dann aufs Tor abschließt.

Die Grafik zeigt auch, dass es bei Eckbällen, die in die Zonen hinter dem Zentrum gespielt werden, häufiger zu Torabschlüssen kommt als aus Zonen in vorderen Bereich. In Zahlen ausgedrückt: In nur 26,5 % (vor dem 1. Pfosten) bzw. 31,4 % (1. Pfosten) der Eckbälle kam ein Angreifer in den Zonen, die vor dem Zentrum liegen, an den Ball, während die Erfolgsquote am 2. Pfosten mit 39,8 % und hinter dem zweiten Pfosten mit 51,1 % deutlich höher ausfiel. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass Abwehrspieler, die aus der Vorwärtsbewegung kommen, den Ball im Zweikampf um den Ball leichter erreichen oder blockieren können als Abwehrspieler in der Rückwärtsbewegung.

Aus welcher Zone wurden die meisten Tore erzielt?

Weit bedeutender als die Frage, aus welchen Zonen ein Torabschluss erfolgte, ist die Erkenntnis, aus welcher Zone die meisten Tore erzielt wurden. Diese Frage beantwortet die folgende Grafik.

Insgesamt 32 Tore bei der WM 2026 resultierten aus Ecken. Dabei sticht eine Zone ins Auge, aus der Abschlüsse besonders erfolgreich waren. nämlich aus dem Zentrum vor dem Tor. Mit 16 von insgesamt 35 Toren nach Eckbällen erfolgten 46 Prozent der Tore und damit fast die Hälfte nach einem Eckstoß in diese Zone. Am zweithäufigsten führten Torabschlüsse am 1. Pfosten zu Toren.

Rechnet man aber nicht nur in absoluten Zahlen, sondern setzt die Torerfolge aus den verschiedenen Zonen ins Verhältnis zur Anzahl an Ecken, die in die jeweilige Zone geschlagen wurden, verändert sich das Ergebnis. Dann sind Eckbälle, die auf den ersten Pfosten geschlagen wurden (9 Tore bei 170 Eckbällen), mit einer Torquote von 5,3 % geringfügig erfolgreicher als Eckbälle, die im Zentrum landeten (5,0 %, 16 Tore bei 321 Ecken). Wenig von Erfolg gekrönt waren hingegen Eckbälle, die an den zweiten Pfosten geschlagen wurden (98 Eckbälle, kein Tor), sowie Eckbälle hinter den zweiten Pfosten (1 Tor bei 88 Eckbällen).

Wie reagierte der Torhüter bei den Torabschlüssen?

Interessant ist auch ein Blick darauf, wie die Torhüter auf die 275 Torabschlüsse nach Eckbällen, die nicht zu einem Tor führten, reagieren.

Wie die Grafik zeigt, kam in 141 Fällen der Ball bei einem Torabschluss gar nicht aufs Tor, sondern ging in 82 Fällen seitlich am Tor vorbei und in weiteren 59 Aktionen über das Tor. In anderen Worten: Etwas mehr als der Hälfte der Abschlüsse erreichte das Tor überhaupt nicht. Rechnet man die 58 Aktionen, bei denen die Verteidiger den Ball, bevor er aufs Tor kam, blocken konnten, und 32 Aktionen, bei denen der Ball von einem Abwehrspieler per Kopfball geklärt werden konnte, noch hinzu, bleiben nur noch 44 Torabschlüsse übrig, in denen der Torhüter eingreifen und den Ball abwehren musste. Das entspricht einem Anteil von nur 16 Prozent. Anders ausgedrückt: Der Torhüter musste nur etwa bei jeder sechsten Eckballsituation eingreifen.

Analysen

Artur Stopper

Artur Stopper

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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