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Vereinstreue ist im modernen Profi-Fußball nicht mehr alltäglich. Trotzdem gibt es immer noch Spieler, die ihren Ausbildungsverein nie verlassen haben. Einer dieser Raritäten ist Timo Horn. Bereits seit 20 Jahren spielt der inzwischen 29-jährige für den 1. FC Köln. 2002 vom SC Rondorf in die Jugendabteilung des 1. FC Köln gewechselt, gehört seit der Saison 2011/12 dem Profi-Kader des FC an. Nach dem Abstieg des Teams am Ende der Saison und den Abgängen von Rensing und Varvodić machte ihn die neue sportliche Leitung unter Cheftrainer Holger Stanislawski ab der Saison 2012/13 zur neuen Nummer eins. In der Folgezeit gab Horn diese Position fast zehn Jahre lang nicht mehr ab. Alle Angriffsversuche seiner Konkurrenten, auch der von Weltmeister Ron-Robert Zieler, wehrte er ab. Obwohl vor dieser Saison mit Martin Schwäbe vom dänischen Meister Bröndby Kopenhagen ein Konkurrent auf Augenhöhe nach Köln geholt wurde, konnte sich das Köln Urgestein auch gegen seinen neuen Kontrahenten zunächst wieder durchsetzen. Seit November des vergangenen Jahres muss sich Timo Horn aber mit der Rolle als Nummer zwei begnügen.

Verletzung führte zum Torwartwechsel

Als Nummer eins war Timo Horn in die Saison gestartet. Die Situation veränderte sich, als sich der Keeper bei einer Attacke von Mainz-Angreifer Karim Onisiwo Mitte November des Vorjahres so schwer am Knie verletzte, dass er wochenlang ausfiel. Das war die Chance für Martin Schwäbe, sein Können unter Beweis stellen. Die 24-jährige Schlussmann nutzte seine Chance mit ausgezeichneten Leistungen. Mittlerweile ist er nicht mehr aus dem Kölner Team wegzudenken. Noch mehr: Für das Fachmagazin kicker war der 26-jährige Keeper sogar der notenbeste Torhüter der vergangenen Bundesligasaison.

Horns Zukunftsperspektive

Schwäbes Position ist inzwischen so gefestigt, dass eine Rückkehr Horns als Nummer eins im Tor des 1. FC Köln als eher unwahrscheinlich erscheint. Auch Cheftrainer Steffen Baumgart machte ihm vor kurzem im Interview mit dem Kölner Express für die kommende Saison wenig Hoffnung auf Veränderung: „Wenn Timo bleibt, ist der Kampf um die Nummer eins gegeben. Aber nicht in der Form, dass ich sage, es sind beide auf Augenhöhe, das wäre nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass Marvin als Nummer eins ins Rennen geht und Timo als Nummer zwei.“ Im Falle des Verbleibs am Geißbockheim ist für Timo Horn also seine Rolle klar, er wird als Herausforderer in die Vorbereitung starten müssen. Weil der 29-Jährige bereits im Februar dieses Jahres durchaus Wechselansichten geäußert hatte, wurde in den vergangenen Wochen über einen Abschied Horns aus der Domstadt spekuliert.

Was spricht für einen Verbleib?

Im Moment scheint ein Wechsel – wenn er überhaupt stattfindet - eher auf das Jahr 2023 verschoben zu werden. Timo Horn bezieht im Moment ein Gehalt von 2,5 bis 3 Millionen Euro. Es wird für ihn nicht leicht werden, einen Verein zu finden, der zu einem ähnlichen finanziellen Einsatz bereit ist. Unwahrscheinlich erscheint auch, dass er bei einem Wechsel seinen sportlichen Status verbessern könnte, denn wohl kein Verein in der Bundesliga wird ihm aktuell den Status als Nummer eins garantieren. Mehr Spieleinsätze sind also nicht sicher. Ohne eine sportlich und finanziell bessere Zukunft macht aber eine Erfüllung seines Vertrages beim 1. FC Köln für ein weiteres Jahr durchaus Sinn.

Ein zweiter wichtiger Grund, der für einen Verbleib in der Domstadt spricht, ist die ganz besondere Verbundenheit zwischen Timo Horn und dem FC. Sicherlich waren es nicht nur immer hehre Gründe, die zu einer so langen Liason zwischen dem Torhüter und seinem Ausbildungsverein geführt haben. Trotz großer sportlicher Prognosen für den in jungen Jahren hoch gehandelten Torhüter musste er nie den Verlockungen großer internationale Top-Vereine widerstehen, diese Angebote gab es schlichtweg nicht. Insofern haben wohl auch fehlende Abwerbungsversuche und Alternativen nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass Horn in bisher 299 Spielen für die Kölner Farben auflief. Aufgrund dieser außergewöhnlichen Verbundenheit wird er sich gut überlegen, ob ihm der Abschied von seinem Herzensverein der Gang in eine ungewisse Zukunft wert sein wird.

Noch eines muss sich der Keeper gut überlegen. Bei einem Vereinswechsel würde er seinen außergewöhnlichen Status, den er nach wie vor in Köln hat, einbüßen. Dass der Kölner Keeper auch in schwierigen Zeiten, wie nach den Abstiegen 2012 und 2018, seinen Stammverein nie verlassen hat, haben die Kölner Verantwortlichen und Fans bis heute nicht vergessen. Auch wenn die zum Sparen gezwungenen Kölner bei einem vorzeitigen Abschied Horns ein Top-Gehalt einsparen könnten, den verdienten Keeper einfach vom Hof jagen würden sie nicht. Das machte auch Steffen Baumgart deutlich: „Was seine Zukunft angeht, da sind wir ganz klar: Es wird niemand zu Timo gehen und sagen: 'Du musst den Verein verlassen.' Er ist einer der verdientesten Spieler, die der FC hat. Einer, der mit Leib und Seele diesen Verein lebt. Timo ist ein Vollprofi und wird um die Nummer eins kämpfen.“ Zu lange war Timo Horn das Gesicht des Vereins und die Identifikationsfigur für die Fans. Klaglos und ohne Murren nahm er zudem die Entscheidung Steffen Baumgarts für Martin Schwäbe hin. Ganz im Gegenteil: Er unterstützte seinen Konkurrenten und die Mannschaft, wo und wie er konnte. Mit seiner Erfahrung und Führungsstärke trieb er sein Team mit an zu der Leistung, die sie in der abgelaufenen Saison abgeliefert hatte. Der Erfolg war ein Ergebnis des Teamgedankens und einer geschlossenen Mannschaftsleistung, zu der auch Timo Horn mit seinem Verhalten beigetragen hat. Nach wie vor identifiziert er sich stark mit dem Verein. Ohne Frage spricht zweifellos einiges für den Verbleib des langjährigen Stammkeepers in Köln.

BlickpunktTimo Horn1. Bundesliga1. FC Köln

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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