Wird geladen

Login

GoalGuardGoalGuard Steady Status

Jetzt Videolisten erstellen

Der SV Sandhausen hat einen neuen Torhüter gefunden. Nachdem der Zweitligist seinen Stammtorhüter Martin Fraisl Ende des Jahres nach einem heftigen Streit in der Kabine entlassen und sich auf die Suche nach einem gleichwertigen Ersatz begeben hatte, sind die Nordbadener nun fündig geworden. Ab sofort wird Stefanos Kapino, bisher Ersatztorhüter des Bundesligisten Werder Bremen, das Tor der Nordbadener hüten.

Nur Insidern dürfte der Name des 9-maligen griechischen Nationaltorhüters bekannt sein. Obwohl der 26-jährige Schlussmann bereits seit dem Sommer 2018 bei den Hanseaten unter Vertrag steht, kam er in zweieinhalb Jahren bei den Grün-Weißen nur auf zwei Bundesliga-Einsätze. Deutlich zu wenig für einen, der überaus ambitioniert in das Abenteuer Bundesliga gestartet war.

Kapinos Talent schon früh erkannt

Für Kapino gab es gute Gründe für die Hoffnung auf eine große Karriere. Ausgebildet wurde der 1,96 m große Schlussmann in der Jugendabteilung von Panathinaikos Athen. Als vierter Torhüter in die Saison gestartet, erhielt er durch die verletzungsbedingte Ausfälle der anderen Keeper bereits mit 17 Jahren seinem ersten Pflichtspieleinsatz für den griechischen Spitzenklub und wurde fortan der jüngste Stammtorhüter des Klubs in deren Vereinsgeschichte. 46-mal stand er fortan zwischen den Pfosten der Hauptstädter. Auch international lief es gut für den talentierten Hünen. 39-mal stand er für verschiedene U-Nationalmannschaften Griechenlands zwischen den Pfosten. Am 15. November 2011 debütierte Kapino mit 17 Jahren, 7 Monaten und 28 Tagen bei einem Freundschaftsspiel gegen Rumänien in der A-Nationalmannschaft Griechenlands. Er ist damit der jüngste Spieler, der je für die griechische Nationalmannschaft gespielt hat. Ein große Karriere schien nur eine Frage der Zeit.

Kapino wechselt zu Mainz 05

Der sportlich nächste Schritt sollte der Wechsel in die Bundesliga sein. Zur Saison 2014/15 verpflichtete ihn FSV Mainz 05. Von den Qualitäten des Griechen überzeugt, statteten ihn die Verantwortlichen mit einem Vierjahresvertrag aus. Aber das Talent, das mit den Hellenen mit nur 20 Jahren als dritter Keeper zur WM nach Brasilien gereist war, fristete von nun an mit nur zwei Einsätzen ein trauriges Dasein auf der Bank der Rheinhessen. Er kam an Loris Karius nicht vorbei. Dabei war er von Panathinaikos Athen mit dem Ziel in die Bundesliga gekommen, sich in Deutschlands Eliteliga durchzusetzen.

Natürlich war die Situation ohne Pflichtspieleinsätze nicht optimal für den jungen Schlussmann, denn die beste Entwicklung für einen jungen Torhüter ist zweifellos permanente Spielpraxis. Deshalb gab der inzwischen 21-Jährige am Ende der Saison frustriert in Mainz auf und kehrte nach nur einem Jahr in seine Heimat zurück. Er fand eine neue Anstellung beim Meister Olympiakos Piräus an. In den folgenden zwei Spielzeiten kam er auf 26 Einsätze für den vielfachen griechischen Meister.

Kein Vorbeikommen an Pavlenka

Noch eine weitere Zwischenstation lag auf seinem sportlichen Weg. Von Februar bis Juli 2018 hütete er beim englischen Zweitligisten Nottingham Forest das Tor, ehe sein Weg im Sommer 2018 wieder zurück in die Bundesliga führte. Werder Bremen hieß fortan sein Klub. Als Nummer zwei reihte er sich hinter dem Tschechen Jiri Pavlenka ein. „Stefanos hat bereits einen sehr interessanten Weg hinter sich. Mit seinen 24 Jahren hat er reichlich Erfahrungen sammeln können", beschrieb Werder-Geschäftsführer Frank Baumann den Neuzugang. "Zugleich ist seine Entwicklung aber noch nicht abgeschlossen." Der Hintergrund der Verpflichtung war klar. Schon seit Jahren stand im Raum, der Tscheche wolle den nächsten Schritt machen, sprich zu einem international spielenden Verein wechseln. Deshalb schien es für Kapino nur eine Frage der Zeit, wann er Pavlenka als Nummer eins beerben würde. Doch das Glück stand wieder nicht auf der Seite des Griechen. Pavlenka verließ der Verein nicht, wieder saß Kapino fast immer nur auf der Bank. Lediglich zwei Mal durfte er den Tschechen in einem Pflichtspiel vertreten. Deshalb liebäugelte der Grieche schon im vergangenen Sommer wieder mit einem Wechsel. Es ergaben sich aber keine passenden Alternativen.

Die Ausleihe - eine sinnvolle Lösung für beide Vereine

Nun scheint mit der Ausleihe nach Sandhausen eine gute Lösung für beide Seiten gefunden zu sein: „Wir haben immer noch eine sehr hohe Meinung von ihm. Die bestätigt er regelmäßig im Training, in den Testspielen und den wenigen Pflichtspieleinsätzen. Wir haben ihn damals geholt, um einen möglichen Nachfolger für Pavlenka in unseren Reihen zu haben. Und wir können uns weiterhin vorstellen, dass Kapi hier mal die Nummer eins wird.“ Um diese Einschätzung weiter zu verstärken, sei es gut, „dass wir ihn nun in Pflichtspielen unter Druck beobachten können“, äußerte sich Frank Baumann als Geschäftsführer Sport bei Werder Bremen zu den Gründen des Wechsels.

Diesen Druck hat er in Sandhausen zweifelsohne, denn die Sandhausener befinden sich aktuell auf dem 15. Tabellenplatz und sind damit stark abstiegsgefährdet. Deshalb ist die Ausleihe von Kapino bis zum Sommer zweifellos für beide Vereine ist eine Win-win-Situation. Die Nordbadener gewinnen nach der Suspendierung von Martin Fraisl einen Torhüter hinzu, der im Abstiegskampf zu einer großen Stütze für das Team werden kann. Für die Bremer wiederum bietet sich die Gelegenheit, Kapino zu überprüfen, ob er das Zeug dazu mitbringt, zur Nummer eins in Bremen aufzurücken. Auch finanziell ist für Werder Bremen diese Regelung in Coronazeiten nicht ganz uninteressant. Durch den Torhüter-Wechsel soll der Club eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich einsparen – inklusive der Verpflichtung eines Kapino-Ersatzes. Bis in einem halben Jahr werden beide Seiten wissen, ob die jeweilige Rechnung aufgegangen ist. Ein Versuch ist es in jedem Fall wert.

BlickpunktStefano KapinoSV Sandhausen2. Bundesliga

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

Ähnliche Inhalte