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Am kommenden Wochenende will der FC Augsburg endgültig den Klassenerhalt perfekt machen. Beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach soll der letzte benötigte Punkt eingefahren werden, um sich ans rettende Ufer abzusetzen. Bereits jetzt laufen aber schon die Planungen für die kommende Saison. Auf der Torhüterposition ist seit vergangener Woche eine Entscheidung gefallen. Rafal Gikiewicz wird Augsburg nach drei Jahren verlassen. Der 35-jährige Keeper wurde bereits am vergangenen Wochenende vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund vom Augsburger Publikum verabschiedet.

Verletzung verhindert Automatismus

Lange Zeit sah es nach einem längerfristigen Verbleib des Polen in der Fuggerstadt aus. Gikiewicz war die unumstrittene Nummer eins im Team und klar gesetzt. Sein Vertrag schien eine längerfristige Zusammenarbeit zu garantieren. Er beinhaltete nämlich eine Klausel, nach der sich der Vertrag des Schlussmanns mit dem 25. Ligaeinsatz automatisch um ein weiteres Jahr verlängerte. Nachdem Gikiewicz am 28. Spieltag schon 23 Spiele absolvierte hatte, schien es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Automatik dieser Klausel in Kraft trat. Doch es kam anders. Weil sich der Keeper im Training an der Schulter verletzte, fiel er mehrere Wochen aus. Deshalb kam der 35-jährige Pole in der Folgezeit nicht mehr auf die benötigte Anzahl an Bundesligaspielen, die eine automatische Verlängerung um ein Jahr zur Folge gehabt hätte. Zwei weitere Einsätze fehlten, damit die Option auf ein weiteres Vertragsjahr gegriffen hätte. „Nachdem die Option nicht mehr erreicht werden kann, haben wir entschieden, den Vertrag nicht zu verlängern und dies Rafal in einem persönlichen Gespräch extra noch vor dem letzten Heimspiel mitgeteilt, damit auch er die Möglichkeit bekommt, sich von den Fans am Sonntag im Stadion verabschieden zu können“, äußerte FCA-Manager Stefan Reuter.

Hat er sich verzockt?

Doch nicht nur das persönliche Pech des Keepers gab den Ausschlag zum Abschied, schon vor seiner Verletzung hatte vieles auf eine Trennung hingedeutet. Denn bereits vor seiner Verletzung hatte hinter den Kulissen der Kampf um Änderungen in den Vertragsinhalten begonnen. Der Torwart wollte plötzlich nicht mehr nur eine Verlängerung um ein Jahr, wie es der Vertrag beinhaltete, sondern für zwei weitere Spielzeiten unterschreiben. Der Wechsel zu einer neuen Berater-Agentur sollte diese Ansprüche unterstreichen. Doch die FCA-Verantwortlichen gingen nicht auf seine Forderungen ein, stattdessen überdachten sie die weitere Zusammenarbeit mit Gikiewicz. Wieder einmal hatte der Pole mit seiner fordernden und extrovertierten Wesensart Verantwortliche des FC Augsburg gegen sich aufgebracht. Der 35-Jährige hat sich schlichtweg verzockt.

Die Person Rafal Gikiewicz polarisiert

Auch in der Kabine soll Gikiewicz mit seinem lauten und selbstbewussten Auftreten nicht nur einmal für Unruhe gesorgt haben, zumal es bei seinen Äußerungen meist wohl mehr um eigene Anliegen anstatt um die der Mannschaft gegangen war.

Zudem gab das Verhalten des Torwart-Heißsporns auf dem Platz des Öfteren Anlass zur Kritik. Immer wieder fiel er auch durch provokantes Verhalten gegenüber gegnerischen Spielern und Fans auf. Für Ärger hatte Gikiewicz zuletzt im Spiel gegen Werder Bremen gesorgt, als er die Werder-Anhänger im Block schräg hinter seinem Tor mit ausladenden Gesten provozierte und gegen sich aufbrachte. Das Spannungsverhältnis zwischen den Bremern und Gikiewicz bestand seit dem Hinspiel. Beim Augsburger 1:0 hatte der Torwart damals einen Elfmeter gehalten, davor aber unsportlich den Strafstoßpunkt mit dem Fuß bearbeitet. Anschließend legte er sich mit den Werder-Fans an. Beinahe wäre es zu einem Platzsturm gekommen. Einen „Tick drüber“, nannte Werders sportlichen Leiter Clemens Fritz die Aktionen von Augsburgs Keeper. „Es ist ja nicht so, dass es keiner mitbekommt, wenn dann noch auf dem Elfmeterpunkt rumgetreten wird. Er tut sich da am wenigsten einen Gefallen und kann da selbst nochmal drüber nachdenken.“ Beim Wiedersehen in Augsburg gab es natürlich Pfiffe der Werder-Anhänger gegen Gikiewicz. „Es war die gleiche Leier wie im Hinspiel“, bemerkte Bremens Kapitän Marco Friedl genervt. Er bezeichnete das Verhalten von Gikiewicz als kindisch. „Die Show macht er gerne“, meinte auch Teamkollege Mitchell Weiser.

Einige Freunde hatte er bereits an seiner früheren Station Union Berlin, wo er zwei Jahre lang Publikumsliebling war, verloren, als er nach seinem Abgang vollmundig erklärte, eines seiner Saisonziele sei, gegen den 1. FC Union zweimal drei Punkte zu holen.

Seine extrovertierte Art hat auch Spuren im Netz hinterlassen. Denn im Corona-Lockdown unterhielt er die Fans mit selbstgedrehten lustigen Videos von erfundenen „Sportarten im Homeoffice“, die er in den sozialen Netzwerken verbreitete. Auch mit dieser Aktion stieß er auf geteilte Zuneigung bei seinen Teamkameraden. Gikiewicz hat mit seinem lauten und auf Aufmerksamkeit gerichteten Verhalten nicht bei allen die Bewunderung erreicht, die er sich wohl erhofft hatte.

Nun ist das Kapitel FC Augsburg nach 96 Spielen im grün-roten Dress für Rafal Gikiewicz beendet. Nicht alle Mitspieler werden ihn in der kommenden Saison vermissen. Der FC Augsburg ist bereits auf der Suche nach einer neuen Nummer. Ein Kandidat für diese Rolle soll der Mainzer ehemalige U21-Nationaltorhüter Finn Dahmen sein, dem allerdings noch Angebote von Schalke 04 und Hertha BSC vorliegen sollen. Die Frage, wer Rafal Gikiewicz zukünftig ersetzen wird und wohin der Weg des 35-jährigen Polen führen wird, wird in Bälde beantwortet sein. Die einen werden bedauern, dass ein weiterer „Typ“ mit Ecken und Kanten vielleicht der Bundesliga zukünftig fehlen wird. Die anderen werden bereits das Ende des Provokateurs mit einer extrovertierten Wesensart herbeigesehnt haben.

Blickpunkt

Artur Stopper

Artur Stopper

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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