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Noch vor rund eineinhalb Jahren kannte kaum einer den Namen Jiri Pavlenka. Und selbst Experten wunderten sich, warum die Verantwortlichen von Werder Bremen im Sommer 2017 hartnäckig versuchten, diesen in Deutschland bislang unbekannten Torhüter unter Vertrag zu nehmen und stattdessen den in der Werder-Jugend ausgebildeten Felix Wiedwald abzugeben. Beobachter rieben sich verwundert die Augen, als Werder sogar bereit war, für den 1,96 m großen unbekannten Hünen kolportierte drei Millionen Euro an den tschechischen Meister Slavia Prag zu überweisen.

Aus Skepsis wächst Begeisterung

Aber bereits nach kurzer Zeit erkannten auch die letzten Kritiker, welches Talent die Werderaner mit dem fünffachen tschechischen Nationalspieler an Land gezogen hatten. Schnell war die anfängliche Skepsis beseitigt. Mit überragenden Leistungen entwickelte sich Pavlenka zu einem Top-Torhüter in der Bundesliga und war einer der Garanten für die erfolgreiche Werder-Spielzeit 2018/19. Bereits in der Winter-Rangliste 2017 des „Kicker“ befand er sich zusammen mit Gulasci, Hradecky, Ulreich und Baumann in der Kategorie „Internationale Klasse“. Am Saisonende belegte er hinter Casteels (VfL Wolfsburg) Rang zwei zusammen mit Timo Horn (1.FC Köln). Der Vergleich mit allen Bundesligaspielern macht seine Klasse noch deutlicher. Mit einem Notendurchschnitt von 2,76 schloss er die Saison auf Platz sieben unter 215 benoteten Bundesligaspielern ab. Deutlicher lassen sich die Leistungen des 26-jährigen Tschechen nicht aufzeigen. Sein Marktwert ist inzwischen auf 10 Millionen Euro gestiegen.

Momentane Torflut schürt Misstrauen

In den vergangenen Wochen war Jiri Pavlenka aber bei den Werder-Fans nicht mehr unumstritten. Elf Gegentreffer in drei Spielen, das war selbst den zuletzt erfolgsverwöhnten Bremer Fans zu viel. Bei einer solch unbefriedigenden Bilanz kam unweigerlich die Frage nach der Rolle des Torhüters bei den vielen Gegentoren auf. Und tatsächlich waren Pavlenkas Leistungen nicht so konstant wie in der vergangenen Saison. Aber als Schuldigen an der Misere konnte man ihn nun wirklich nicht auszumachen. „In den letzten Spielen haben wir als Mannschaft einfach schlechter verteidigt, und das macht sich bei der Zahl der Gegentore bemerkbar“, erklärt Werder-Torwarttrainer Christian Vander die Torflut, und wehrte sich gegen die gestiegenen Erwartungen an Pavlenka: „Ich glaube, dass die Erwartungen an Pavlas aufgrund des letzten Jahres, wo er Woche für Woche herausragende Leistung gezeigt hat, zu hoch sind. Deshalb wird seine immer noch starke Leistung jetzt häufig als Selbstverständlichkeit gesehen.“

Der 25-jährige Tscheche erlebt gerade eine für viele Sportlerlaufbahnen typische Erfahrung. Mit guten Leistungen steigen auch die Erwartungen der Fans. Hervorragende Leistungen werden mit der Zeit als selbstverständlich vorausgesetzt. Aber auch Jiri Pavlenka ist keine Maschine und nicht in der Lage, dauerhaft nur Höchstleistungen abzurufen, zumal es nachvollziehbare Gründe für seine Leistungsschwankung gibt.

Gründe für seine Leistungsschwankungen

Bereits in der Sommervorbereitung musste Pavlenka wegen Rückenbeschwerden zehn Tage lang eine Trainingspause einlegen. Dadurch war ein optimaler Trainingsaufbau nicht möglich. Weitere Fehltage folgten. Nach dem Schalke-Spiel war er eine Woche krank. Zwei Abstellungen zur tschechischen Nationalmannschaft verhinderten zudem regelmäßiges Training. Vor dem Gladbach-Spiel am 9. November war die erste komplette Trainingswoche seit Anfang September möglich. Deshalb stellte der Werder-Torwart-Coach zu Recht fest: „Er kann die Konstanz in seinen Top-Leistungen in diesem Jahr nicht so erbringen wie im letzten, weil ihm das Training fehlt.“ Nicht außer Acht lassen darf man auch die schwere Verletzung, die sich Pavlenka Anfang September beim Spiel in Frankfurt bei einem Zusammenstoß mit dem Eintracht-Profi Mihat Gacinovic zugezogen hatte. Nach minutenlanger Behandlung musste er mit einer Trage vom Platz gebracht und in ein Frankfurter Krankenhaus gebracht werden. Die Ärzte diagnostizierten eine Gehirnerschütterung, eine weitere Woche Pause war die Folge. Schwere Verletzungen gehen aber in der Regel nicht spurlos an Spitzensportlern vorbei.

Spätestens beim 1:1 im Auswärtsspiel am vergangenen Wochenende gegen den SC Freiburg dürfte Jiri Pavlenka aber leise Zweifel an seinem Können wieder beseitigt haben. Der späte Ausgleich in der 92. Minute wäre ohne die mehreren starken Paraden, die der Tscheche zuvor zeigte, nicht möglich gewesen. Ohne ihn hätten die Werderaner den Punkt im Breisgau nicht entführt. Mitspieler Ludwig Augustinsson nannte Pavlenka nicht zu Unrecht „unseren Superman“. Vom Kicker erhielt er die Note 1,5 und war am 18. Spieltag der Bundesliga damit der am besten bewertete Torhüter. Man sieht: Ein bisschen Geduld zahlt sich meistens aus!

Blickpunkt1. BundesligaSV Werder BremenJiri Pavlenka

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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