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Vor der Saison hätten wohl die wenigsten mit dieser Entwicklung gerechnet. Denn eigentlich war Heuer Fernandes beim Hamburger SV schon abgeschrieben. Doch seit dieser Saison zeigt der Stammtorhüter des Zweitligisten Hamburger SV Leistungen, die ihm viele nicht zugetraut hatten. Spätestens nach dem Nord-Derby gegen Werder Bremen Mitte September war er zum Liebling der Fans aufgestiegen, die seinen glanzvollen Auftritt nach dem Abpfiff immer wieder mit Sprechchören feierten. Diese Ehre hatte sich der 29-jährige HSV-Schlussmann mehr als verdient. Obwohl das Torschussverhältnis am Ende 17:6 für Werder lautete, an Heuer Fernandes kamen sie an diesem Abend nicht vorbei. Kein Zweifel, der 0:2-Auswärtssieg war vor allem dem 29-Jährigen zuzuschreiben. Aber nicht nur in diesem Spiel zeigte der Deutsch-Portugiese, dass er in dieser Saison zu den besten Keepern der zweiten Bundesliga gehört. In der Rangliste des „Kicker“ belegt er nicht von ungefähr aktuell Platz eins mit einem Notendurchschnitt von 2,63.

Nicht immer einfache Zeit für Daniel Heuer Fernandes beim HSV

Dabei hatte Heuer Fernandes seit seinem Wechsel zur Saison 2019/20 - für 1,3 Millionen Euro vom SV Darmstadt zum Ligakonkurrenten Hamburger SV - nicht immer einfache Zeiten hinter sich. Im Rahmen der Saisonvorbereitung konnte er zu Beginn seiner Zeit bei HSV den bisherigen Stammtorhüter Julian Pollersbeck zwar als Nummer eins verdrängen, wirklich überzeugen konnte er allerdings im weiteren Verlauf der Saison zu selten. Deshalb wurde er am 29. Spieltag von Pollersbeck im HSV-Tor wieder abgelöst.

Zur Saison 2020/21 übernahm Daniel Thioune die Mannschaft. Unter ihm wurde Heuer Fernandes vorerst wieder zum Stammtorwart, woraufhin Pollersbeck enttäuscht zu Olympique Lyon wechselte. Lange hielt aber seine Freude nicht an. Nach nur zwei Meisterschaftsspielen verpflichteten die HSV-Verantwortlichen den erfahrenen Sven Ulreich vom deutschen Meister Bayern München. Mit diesem Transfercoup war beim HSV der Kampf um den Stammplatz entschieden. Denn eines war klar: Ulreich war nicht zum HSV gekommen, um wie in München die Ersatzbank zu belegen, sondern um zu spielen. HSV-Trainer Daniel Thioune war sich durchaus bewusst, dass die Verpflichtung des 29-jährigen Bayern-Ersatztorhüters „eine ganz harte Entscheidung“ für Heuer Fernandes war. Mit der Verpflichtung von Ulreich verband er aber die Hoffnung, dass der erfahrene Schlussmann „unsere Qualitäten erhöht“ und das Ziel Wiederaufstieg so eher angesteuert werden konnte. Auch HSV-Sportchef Jonas Boldt war sicher: „Mit ihm haben wir eine weitere Säule im Team, die uns hilft, unsere Ziele zu verfolgen, die jungen Spieler zu entwickeln und ein hohes Maß an Professionalität in der Kabine auszustrahlen.“ Bei Heuer Fernandes hingegen „war die Enttäuschung so groß“, dass er sich durchaus mit Abwanderungsgedanken beschäftigte, aber „nichts Passendes“ fand. Die beiden Einsätze zu Beginn der Saison sollten für Heuer Fernandes die einzigen bleiben. Deshalb wackelte seine Zukunft in der Hansestadt gehörig. Möglicherweise hätte er sich nach einem anderen Verein umgeschaut, wenn Sven Ulreich über die Saison hinaus in Hamburg geblieben wäre. Doch der Routinier erwies sich nicht als die gewünschte Verstärkung und ging zurück zum FC Bayern. Heuer Fernandes konnte aufatmen, seine Wechselabsichten hat er mittlerweile verworfen. Ganz im Gegenteil: Seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag hat er vor kurzem vorzeitig um weitere zwei Jahre verlängert.

Tim Walters Spielsystem fordert fußballerische Fähigkeiten des Torhüters

Unter dem neuen HSV-Trainer Tim Walter ist Daniel Heuer Fernandes seit dieser Saison beim Hamburger SV wieder gefragt. Das hat vor allem damit zu tun, dass die fußballerischen Fähigkeiten des Deutsch-Portugiese optimal zu der Spielvorstellung von Tim Walter passen, der den Torhüter stark ins Aufbauspiel integriert und auf eine riskante Spieleröffnung des Torhüters setzt. Kiels ehemaliger Stammtorhüter Kenneth Kronholm, der eine Saison lang in Kiel mit Walter zusammenarbeitete, erklärte dessen Vorstellungen bezüglich des Torwartspiels einmal so: „Tim Walter hat in der modernen Torwart-Zeit mit seiner Idee noch einen drauf gesetzt. Man muss als Torwart dafür bereit sein. Viele Torhüter denken immer, sie dürfen keinen Fehler machen und gehen auf Nummer sicher. Da bist du bei Tim Walter falsch. Wenn du als Torwart dreimal den Ball ins Aus haust, gibt es schon mal Probleme in der Kabine.“ Die Entscheidung soll meistens der Kurzpass sein.“ Im Prinzip sei das Konzept einfach: „Spiel einfach den freien Mann an. Und das möglichst flach.“ Dass dieses Spiel mit Risiken verbunden sein kann, wurde bereits in einigen Spielszenen der aktuellen Saison deutlich. Aber Tim Walter fordert diese Spielweise und schützt seine Keeper, denn Fehler gehören dazu, wenn man Risiko spielt.

Dass Heuer Fernandes in der Spielidee von Tim Walter eine wichtige Rolle spielt, verdeutlicht ein Blick auf die Anzahl seiner Ballkontakte pro Spiel. In den meisten seiner bisherigen 13 Spieleinsätze in der laufenden Saison – in den anderen sieben Spielen fehlte er verletzt – kommt er auf über 60 Ballkontakte. Am zweiten Spieltag erreichte er im Heimspiel gegen Dynamo Dresden seinen bisherigen Höchstwert von 81 Ballkontakten. Es ist der bisherige Rekord in den beiden höchsten Spielklassen des Profifußballs in dieser Saison.

Die Gründe für seine Leistungssteigerung

Nach den Gründen für seine Leistungssteigerung gefragt, nennt er zwei Gründe. Zum einen hilft ihm das uneingeschränkte Vertrauen, das ihm Tim Walter entgegenbringt. „Für mich waren die Begleitumstände sehr förderlich. Der Trainer hat mir vom ersten Gespräch an totale Wertschätzung entgegengebracht. Er hat voll auf mich gesetzt und das hat sich auch in den Leistungen widergespiegelt“, äußerte er im Vereinsmagazin „HSVlive“. In den Jahren zuvor hat er dieses Vertrauen nicht gespürt.

Zum anderen nennt er den Namen seines neuen Torwart-Trainer Sven Höh, der „ein großes Lob verdient“ habe. „Er macht richtig gute Arbeit. Wir haben uns im Trainerteam allesamt nochmals weiterentwickelt. Er fordert sehr viel von uns, gibt uns viele neue Ansätze mit auf den Weg und bringt unser Torwartspiel so auf eine andere Ebene“.

Tim Walter ist es in Zusammenarbeit mit Torwarttrainer Sven Höh offensichtlich gelungen, dem seit seiner Ankunft in Hamburg oft umstrittenen Heuer Fernandes durch „totale Wertschätzung“, „uneingeschränktes Vertrauen“ und gute Trainingsarbeit das Selbstvertrauen und die Sicherheit wieder zu geben, die die Voraussetzung für sportliche Erfolge sind. Sie haben es geschafft, in einem positiven, motivierenden Trainingsumfeld wieder die Stärken und das Können von Heuer Fernandes zu erwecken, die zwischenzeitlich verschollen waren. Heuer Fernandes ist wieder ein typisches Beispiel dafür, dass ein Torhüter – wie im Übrigen jeder Mensch – die Unterstützung und das Vertrauen des Trainerteams spüren muss, um gute Leistungen abzurufen. Dies ist dem HSV-Trainerteam offensichtlich gelungen. Im Moment zahlt der 29-jährige Schlussmann dieses Vertrauen mit starken Leistungen zurück.

Blickpunkt

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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