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Christophe Lollichon vom englischen Spitzenklub Chelsea London ist einer der Top-Torwarttrainer Europas. In seiner neunjährigen Zusammenarbeit mit Petr Cech, dem Welttorhüter von 2005, 124-maligen tschechischen Nationaltorwart und heutigen Stammtorhüter von Arsenal London sowie einigen anderen hochkarätigen Torhütern sammelte er viel Erfahrung im Training von Torhütern. An dieser Erfahrung ließ er seine Zuhörer beim Torwarttrainer-Seminar in Bregenz, das von Safehands the art auf goalkeeping veranstaltet wurde, in seinem Vortrag anhand von Videosequenzen teilhaben.

Zunächst stellte der 54-jährige Franzose kurz seine grundsätzliche Sichtweise des modernen Torwartspiels dar. Für ihn ist der Torhüter ein weiterer Feldspieler, der zusätzlich aber noch die Hände verwenden darf. Auf dieser Ausgangsthese baut er sein Torwartspiel auf. Seine Denkweise sieht er im Torwartspiel von Welttorhüter Manuel Neuer verkörpert. Nach Lollichons Meinung war Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola für die sportliche Weiterentwicklung von Manuel Neuer ein Glücksfall. Bedingt durch die Spielphilosophie des Spaniers habe Neuer die neuen Impulse erhalten, die sein heutiges Torwartspiel bestimmen, nämlich nicht nur ein guter Torhüter auf der Linie zu sein, sondern als eine Art Libero den Raum hinter der hoch stehenden Abwehr abzusichern und Bälle in die Schnittstellen der Abwehr abzulaufen.

Der Titel seines Vortrags „Tactical Role oft the Goalkeeper in the Management oft the Depth“ bezog sich genau auf diese Spielsituation, die aus dem veränderten Rollenverständnis des Torhüters entstanden ist: Er muss nicht mehr nur das Tor oder den Raum innerhalb des Strafraumes verteidigen, sondern muss Bälle, die in „die Tiefe“ des Raumes gespielt werden, erahnen und klären. Mit dieser Spielweise können aus Lollichons Sicht viele Bälle vom Torhüter abgefangen werden, bevor sie zur Gefahr werden. Deshalb ist für ihn das wichtigste Wort im Torwartspiel nicht Timing, Technik, Organisation oder Aufmerksamkeit, wie es einige Teilnehmer der Veranstaltung vorgeschlagen hatten, sondern der Begriff Antizipation. Ein guter Torhüter muss für ihn Situationen richtig einschätzen können und Aktionen des Gegners kommen sehen. Besonders wichtig sei dies in Spielen gegen Gegner, die sehr tief stehen und mit schnellen Angriffsspielern auf Konter lauern. Anhand von Videosequenzen aus Spielen seines Klubs Chelsea London diskutierte er mit den Zuhörern darüber, welche Position des Torhüters in der jeweiligen Situation nach seiner Meinung richtig gewesen wäre, um die Tiefe des Raumes zu kontrollieren. Mit Hilfe von Video-Animationen zeigte er den Teilnehmern zusätzlich, wie sich die Position des Torhüters je nach Spielsituation verändert.

Dass diese Spielweise durchaus auch Risiken beinhaltet, machte er an einer Szene deutlich, in der Thibaut Courtois 2015 gegen Stoke City ein Tor aus einer Entfernung von 63 m hinnehmen musste. Ausschließlich auf die schnellen Stoke City-Stürmer konzentriert, beachtete Courtois nicht andere mögliche Gefahrenquellen, in diesem Fall Weitschüsse. Deshalb hält es Lollichon für wichtig, diesen „Doppelfokus“ zu schulen. Wichtig in seiner Arbeit ist ihm außerdem eine intensive Videoanalyse, mit deren Hilfe sich neben der Analyse des eigenen Torhüters auch das Verhalten der gegnerischen Spieler erkennen lässt. Mit Hilfe dieser Videoanalysen könne man den eigenen Torhüter besser auf die Besonderheiten bestimmter Spieler vorbereiten und somit die Antizipation für bestimmte Spielsituationen verbessern. Für ihn notwendig ist auch, dass der Cheftrainer die Philosophie, durch ein offensives Torwartspiel einen Spieler mehr auf dem Feld zu haben, gleichzeitig dafür aber ein höheres Risiko einzugehen, mitträgt.

Als weiterer Aspekt stand die Frage im Raum, wie sich Reflexe verbessern lassen. Lollichon plädierte dafür, von Jugend an so viele Sportarten als möglich in die Ausbildung der Torhüter einzubauen. Viele unterschiedliche Bewegungsabläufe verbessern nach seiner Meinung die Koordination sowie die Körperkontrolle, eine wichtige Grundlage für das Torwartspiel. Besonders hob er die Bedeutung von Gymnastik sowie den Einsatz eines Trampolins (kein Gartentrampolin!!) hervor. Mit diesem Gerät könne vor allem die Körperkontrolle des Torhüters verbessert werden, eine wichtige Voraussetzung in vielen Torwartaktionen. Außerdem sei das Trampolin auch für das Präventivtraining hervorragend geeignet.

Abschließend ging Lollichon noch ausgiebig auf die Frage ein, wie der Torhüter bei Freistößen aus dem Halbfeld und hoch stehender Abwehr positioniert sein sollte. Entscheidend sei in diesem Fall, dass es eine Absprache mit dem Cheftrainer gebe. Wenn der Trainer eine hoch stehende Abwehr bevorzuge (außerhalb des Strafraumes), solle der Torhüter nachrücken, um den Raum zwischen Tor und 16-m-Linie besser zu schützen. Er müsse seine Position also der Position der Abwehr anpassen. Wiederum machte Lollichon an verschiedenen Videosequenzen und Animationen deutlich, wo er die richtige Position des Torhüters in der jeweiligen Situation sieht.

VeranstaltungChristophe LollichonFC Chelsea

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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