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Die Attraktivität des DFB-Pokals macht aus, dass unterklassige Mannschaften die Chance bekommen, höherklassige Teams in einem Duell herauszufordern. Bei den Zuschauern schwingt dabei immer die Hoffnung mit, dass ihre Mannschaft dem Favoriten ein Bein stellen könnte. Mit denselben Hoffnungen kamen am Montagabend die Magdeburger Fans zum Spiel gegen den Erstligisten Eintracht Frankfurt ins Stadion, das mit 28 000 Besuchern ausverkauft war. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Zweitliga-Aufsteiger Magdeburg spielte zwar mutig mit, agierte aber offensiv zu ungenau und leistete sich defensiv entscheidende Fehler. Deswegen zog der diesjährige Champions-League-Teilnehmer aus Frankfurt völlig verdient nach einem konzentrierten wie abgeklärten Auftritt mit 0:4 in die zweite Pokalrunde ein.

Das Spiel könnte man schnell abhaken und zur Tagesordnung übergehen, wenn bei Magdeburg nicht ein Torhüter zwischen den Pfosten gestanden hätte, dessen Spielweise das Interesse jedes am Torwartspiel interessierten Zuschauers geweckt haben muss. Insidern ist seit längerem bekannt, dass Magdeburgs Trainer Christian Titz wie wohl kein zweiter Coach im deutschen Profifußball auf einen spieleröffnenden Torhüter setzt. Bereits in seiner Zeit als Interims- und Cheftrainer beim Hamburger SV erregte er mit seiner Idee des Torwartspiel Aufsehen, fand bisher aber wenig Nachahmer. Beim FC Magdeburg hat er seine Spielvorstellung wieder aufgegriffen und mit Schlussmann Dominik Reimann einen Torhüter zwischen den Pfosten, der die Gedanken seines Trainers in Zusammenarbeit mit Magdeburgs Torwarttrainer Matthias Tischer außergewöhnlich umgesetzt.

Vom Bankdrücker zum großen Rückhalt

Bevor Dominik Reimann im vergangenen Sommer von Holstein Kiel zum FC Magdeburg gewechselt war, dürfte der inzwischen 25 Jahre alte Schlussmann nur wenigen Experten bekannt gewesen sein. Bereits als Siebenjähriger kam er ins Nachwuchsleistungszentrum von Borussia Dortmund. Mit Dortmunds U17 wurde er 2014 B-Junioren-Meister, ein Jahr später mit der U19 A-Jugend-Meister. Sein Leistungsvermögen war auch den DFB-Verantwortlichen nicht entgangen. Insgesamt 14-mal kam er in verschiedenen Junioren-Nationalmannschaften zum Einsatz. Ab der Regionalligasaison 2016/17 war Reimann als erster Torwart der zweiten Mannschaft eingeplant, verpasste jedoch den Großteil der Spielzeit aufgrund einer Schulterverletzung. In seiner letzten Saison beim BVB stand er 26-mal in der Regionalliga West im Tor und wurde hinter Roman Bürki und Roman Weidenfeller als dritter Torhüter der Profis geführt. So richtig voran kam er aber beim BVB nicht.

Deshalb wechselte er nach Ablauf seines Vertrages im Sommer 2018 ablösefrei zum Zweitligisten Holstein Kiel. Doch auch dort konnte er sich gegen Stammtorhüter Kenneth Kronholm und Timon Weiner zunächst nicht durchsetzen. Nach dem Abgang von Kronholm begann Reimann die Saison 2019/20 zwar als Nummer eins, verlor diese Position aber nach einem Fehlstart der Störche ab dem siebten Spieltag an Ioannis Gelios. Nach schweren Zeiten in Kiel entschloss er sich deshalb im Sommer 2021 zu einem Wechsel zum Drittligisten FC Magdeburg mit dem klaren Ziel, die Nummer eins zu werden. Dieser Entschluss entpuppte sich im Nachhinein als goldrichtig, denn beim 1. FC Magdeburg entwickelte er sich zum großen Rückhalt seines Teams.

Reimanns wichtige Rolle im Magdeburger Aufbauspiel

Welche wichtige Rolle der Schlussmann in der Taktik von Magdeburgs Trainer Christian Tietz als spieleröffnender Keeper spielt, zeigt ein Blick auf die Statistik. 99 Ballkontakte standen am Ende des DFB-Pokalspiels gegen Eintracht Frankfurt bei Reimann zu Buche. Um diesen Wert richtig einzuordnen, lohnt sich ein Vergleich mit den Top-Ballmagneten der Bundesliga in der vergangenen Saison, Stefan Ortega (Bielefeld) und Manuel Riemann (VfL Bochum). Beide kamen in den 34 Spielen der vergangenen Spielrunde im Durchschnitt auf etwa 56 Ballkontakte pro Spiel. Den höchsten Wert in einem Einzelspiel erreichte Ortega mit 79 Ballkontakten. Magdeburgs Reimann toppte diesen Wert noch einmal deutlich. Zudem übertraf er als Torhüter viele seine Mitspieler in der Anzahl an Ballkontakten teilweise um das Doppelte oder Dreifache. Der Wert verdeutlicht die Rolle Reimanns innerhalb seines Teams. Er übernimmt fast die Rolle des Spielgestalters.

Ebenso herausragend ist die Anzahl an gespielten Pässen. Während dieser Wert bei den meisten seiner Kollegen zwischen 30 und 40 Pässen liegt, hebt sich der FCM-Keeper mit 88 gespielten Pässen deutlich von den meisten seiner Mitspieler ab. Ebenso bemerkenswert: Von seinen Pässen kamen 76 beim Mitspieler an. Das entspricht einer Passquote von 86 %. Angesichts der Tatsache, dass vieler seiner Spieleröffnungen aus langen Pässen bestanden, ist dies ein überragender Wert. Die Anzahl an gespielten Pässen zeigt auch, dass Reimann im Spielsystem von Christian Tietz fest ins Aufbauspiel seiner Mannschaft eingebunden ist und als zusätzlicher Überzahlspieler agiert. „Wir sind im Spielaufbau quasi immer ein Mann mehr als der Gegner, weil ich eben dabei bin“, formulierte Reimann einmal die dahinterstehende Strategie. Zwei Dinge muss ein Torhüter für diese Rolle aber herausragend beherrschen: Ein sauberes Passspiel und eine hervorragende Spielübersicht! Diese Fähigkeiten besitzt Reimann im Übermaß. In der vergangenen Drittliga-Saison gehörte der 25-Jährige zu den zehn passsichersten Spieler der dritten Liga.

Um als zusätzlicher Überzahlspieler zu fungieren, wählt Reimann häufig eine extrem offensive Positionierung beim Spielaufbau. Wenn es der Gegner zulässt, rückt er teilweise fast bis zum Mittelkreis vor und bildet mit den beiden Innenverteidigern eine sogenannte Torwartkette. Was genau damit gemeint ist, wird euch Goalguard in einem Folgeartikel verdeutlichen und die Idee der Torwartkette mit ihren Chancen und Möglichkeiten, aber auch Risiken genauer unter die Lupe nehmen.

Für Torwarttrainer war die Partie zwischen dem FC Magdeburg und Eintracht Frankfurt zweifellos ein besonderer Leckerbissen. Man darf gespannt sein, ob Christian Tietz seine Spielidee auch in der zweiten Bundesliga erfolgreich umsetzen kann und welche Ideen und Mittel gegnerische Mannschaften entwickeln werden, auf die Spielanlage der Magdeburger zu reagieren.

Analyse2. BundesligaDominik ReimannFC Magdeburg

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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