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Das Spiel des Torhüters ist ein ewiges Duell zwischen den beiden Extremen, Euphorie und Tragik. Diese Einschätzung beschreibt den einzigartigen Arbeitsplatz des Torhüters zwar auf abstrakte, aber dennoch zutreffende Art und Weise. Die Aussagekraft ist unwiderruflich. Ein Fehlverhalten des Torhüters wird fast immer mit einem Gegentor bestraft. Weitergehend ist zu erwähnen, dass sich das Torwartspiel in den letzten Jahren dahingehend verändert hat, dass es für die Person zwischen den Pfosten immer komplexer geworden ist. Der Torhüter soll dirigieren, mitspielen, Bälle abfangen, Bälle ablaufen, mit beiden Füßen den Ball spielen können, immer körperlich angespannt und präsent sein und ganz nebenbei soll er auch Bälle halten. Um diesen Anforderungen nachkommen zu können, ist es unabdinglich, dass der Torhüter eine Fachperson mit theoretischen und praktischen Kenntnissen ist. Begründet aus diesen elementaren Faktoren, beschäftigten sich die Autoren dieser Ausarbeitung mit der Frage: Wie kann der Torhüter durch ein gezieltes sowie durchdachtes Steuern seiner Defensivspieler Gegentore verhindern?

Wissenschaftliche Datenerhebung

Um analysieren zu können, aus welchen Positionen die Tore erzielt wurden, habe die Autoren insgesamt 308 Spiele sowie 896 Tore (Bundesliga Deutschland, Lique 1, Eredivisie, La Liga, Bundesliga Österreich, Premier League und Serie A) detailliert aufgearbeitet. Im Fokus der Auswertung stand die prozentuale Zuteilung der Tore zu den jeweiligen Zonen (die Definition folgt im nächsten Kapitel). Daher wurde für eine exakte Analyse der Torraum in 15 Abschnitte eingeteilt (siehe Schaubild).

Torzonen

Um das Defensivverhalten tiefgründiger schulen zu können, war es auch von Bedeutung, aus welcher Distanz die Tore erzielt wurden. Hier wurde eine Einteilung von insgesamt sieben Kategorien, welchen eine bestimmte Wertspanne zugeteilt wurde, vorgenommen. Die analysierten Ligen wurden randomisiert ausgewählt.

Torwartspiel - Aufbau der Zonen

Insgesamt wird der Torraum in drei unterschiedliche Zonen (Stand-, Abkipp- und Abdruckzone) unterteilt. Für alle drei Zonen sollte der jeweilige Torhüter unterschiedliche torwartspezifische Techniken beherrschen. Der größte Unterschied besteht darin, dass im Vergleich zu den anderen zwei Zonen in der Standzone alle Abwehrtechniken im Stehen (ähnlich einem Handballtorhüter) ausgeführt werden. Darauf aufbauend kann den Zonen eine unterschiedliche Trefferwahrscheinlichkeit, aufgrund der jeweiligen Trefferflächen, zugeschrieben werden. Dies ist der nachfolgenden Datenanalyse zu entnehmen.

Datenanalyse - Ergebnisse

Wie schon erwähnt, standen bei der Datenanalyse zwei Schwerpunkte im Vordergrund. Zum einen wollten die Autoren herausfinden, in welcher Zone die meisten Tore erzielt werden, und zum anderen sollte hervorgehen, aus welcher Distanz die Torschützen zum Erfolg kommen.

Torzonen

In dem oben dargestellten Schaubild wurden alle analysierten Tore nach ihrer Anzahl sowie der prozentualen Häufigkeit in den jeweiligen Zonen festgehalten. Auffällig ist hierbei, dass insgesamt 85,6% der Tore innerhalb des Strafraumes erzielt werden. Dies bedeutet, dass der Torhüter 737 Tore aus einer Distanz zwischen 0 und 16 Metern nicht verhindern konnte. Weitergehend wurden sogar 24,5% (221 Tore) der Tore aus einer Distanz zwischen 0 und 5 Metern erzielt. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass innerhalb der Standzone lediglich 5,5% (53 Tore) der Angreifer erfolgreich sind. Um die Zielstellung der Ausarbeitung tiefgründiger eruieren zu können, werden in der nachfolgenden Tabelle alle Tore in die jeweiligen Distanzen, aus denen diese erzielt wurden, eingeteilt.

Entfernung (Distanz) Anzahl (Prozent / Tore)
0 bis 5m 24,5% (211 Tore)
6 bis 11m 49,5% (444 Tore)
12 bis 16m 11,5% (100 Tore)
17 bis 20m 10,7% (96 Tore)
21 bis 15m 2,5% (23 Tore)
26 bis 30m 1,0% (9 Tore)
30m und mehr 0,3% (3 Tore)

Der Tabelle ist eindeutig zu entnehmen, dass der Torhüter zum größten Anteil mit Torschüssen aus der Nahdistanz konfrontiert ist. Nur zu einem geringen Prozentsatz werden Tore aus der Entfernung erzielt. Welche Bedeutung diese Ergebnisse auf das Zusammenspiel zwischen dem Torhüter und seine Defensivspieler haben, wird im folgenden Kapitel thematisiert.

Bedeutung des Abwehrverhaltens

Unter der Hinzunahme der dargelegten Datenanalyse und der daraus resultierenden Ergebnisse sind zwei elementare Faktoren festzuhalten. Die meisten Tore werden aus einer Distanz zwischen 0 und 16 Metern erzielt, und die höchste Wahrscheinlichkeit, einen Torschuss abzuwehren, hat der Torhüter in der Standzone. Werden diese zwei fundamentalen Elemente berücksichtigt, hat dies einen enormen Einfluss auf das Zusammenspiel zwischen dem Torhüter und dem Defensivverbund. Im Grunde müsste der Torhüter seine Defensivspieler so steuern, dass diese die Gegenspieler so abschirmen, dass diese nicht in den Strafraum gelangen, und wenn doch, sollten diese lediglich in der Standzone zum Torabschluss kommen. Zielführend ist aus diesen Erkenntnissen abzuleiten, dass dem Zusammenspiel zwischen dem Torhüter und seinen Defensivspielern eine sehr hohe Bedeutung zugeschrieben werden muss, was sich auch in der täglichen Trainingsarbeit widerspiegeln sollte.

Bedeutung für das Torwarttraining

In der aktuellen Praxis wird das Torwarttraining sehr umfang- und detailreich sowie spielnah aufgebaut. Dies hat zur Folge, dass der Torwarttrainer sein Training so steuert, dass Wiedererkennungswerte im Wettkampf erzielt werden (Schulung von Automatismen). Dementsprechend müssten aus den erörterten Ergebnissen zwei Trainingsschwerpunkte in die Trainingsarbeit mit einfließen. Im fachgebundenen torwartspezifischen Training sollten Übungen so konzipiert sein, dass die Torschüsse aus einer Distanz zwischen 0 bis 16 Metern erfolgen. Im Mannschaftstraining sollte der Torwarttrainer in Verbindung mit seinem Chef und Co-Trainer noch tiefgründiger darauf achten, dass das Zusammenspiel zwischen dem Torhüter und den Abwehrspielern perfektioniert wird. Hierbei ist es von großer Bedeutung, dass durch richtiges Coachen die Protagonisten immer wieder an die Schaubilder bzw. die theoretischen Inhalte erinnert werden. Wird dieser Automatismus im Training manifestiert, werden die Abwehrspieler in Verbindung mit dem Torhüter im Wettkampf in Bruchteilen von Sekunden die richtige Entscheidung treffen. Abschließend ist zu erwähnen, dass sich diese Vorgehensweise positiv auf das gesamte Abwehrverhalten auswirken wird.

Analyse

Dennis Tiano

Dennis Tiano

Über den Autor

Dennis Tiano ist aktuell Torwarttrainer des SV Waldhof Mannheim 07 und zeitgleich ist er auch geschäftsführender Gesellschafter der Pantera Sports GmbH. Dennis baute sich zusätzlich zu seinem akademischen (Sozialpädagogik Bachelor of Arts, Prävention und Gesundheitsmanagement Master of Arts) auch einen sportlichen Werdegang auf. Besondere Ereignisse in seiner aktiven Zeit als Torhüter waren vor allem die Länderspiele (u.a. gegen England, Frankreich, Griechenlandund Belgien) für die deutsche Nationalmannschaft (DKFV) im Kleinfeldfußball, die Berufung in die Südwestauswahl im Futsal (Teilnahmean der deutschen Meisterschaft) sowie einige Spiele für den SV Darm- stadt 98 Futsal (Bundesliga). Als Torwarttrainer war Dennis Tiano für die Offenbacher Kickers, den 1. FC Kaiserslautern (Nachwuchsleistungszentrum) und den SC 1919 Hauenstein aktiv. In seiner Laufbahn als Torwarttrainer arbeitet er u.a. mit Trainern wie Jürgen Kohler, Bernhard Trares, Gerd Dais und Michael Fink zusammen.

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