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Zu den Lautsprechern der Liga gehört Hoffenheims Stammtorhüter Oliver Baumann nicht, und seine Spielweise ist eher von Konstanz als von spektakulären Aktion geprägt. Weil er viele Situationen schon im Vorhinein antizipiert und deshalb in seiner Positionierung oft richtige Entscheidungen trifft, kann er nämlich zumeist auf spektakuläre Paraden verzichten. Möglicherweise sind diese beiden Charakteristiken Baumanns Gründe dafür, dass er in der öffentlichen Aufmerksamkeit weniger wahrgenommen wird als einige seiner Kollegen in der Bundesliga. Umso überraschter ist man deshalb, wenn man vernimmt, dass der 29-jährige Schlussmann der Kraichgauer am vergangenen Wochenende im Spiel gegen Eintracht Frankfurt sein 300. Bundesligaspiel absolviert hat. Eine stattliche Anzahl, zumal wenn man weiß, dass nur 14 Torhüter in über 50 Jahren Bundesligageschichte diese Marke überschritten haben.

Nur vier Torhüter zuvor in diesem Alter

In der Bundesliga gibt es aktuell nur einen Torhüter, der noch aktiv ist und noch mehr als 300 Bundesligaspiele hinter sich hat: Nationaltorhüter Manuel Neuer vom deutschen Meister Bayern München, der bereits die Anzahl von 373 Ligaspielen erreicht hat. Insofern befindet sich Baumann in besonderer Gesellschaft.

Bemerkenswert ist aber noch eine andere Zahl. Baumann absolvierte sein 300. Ligaspiel mit exakt 29 Jahren und 77 Tagen. Zuvor gab es nur vier Torhüter, die die Marke von 300 Spielen in diesem Alter überschritten hatten. Die Namen klingen wie das Who is Who der deutschen Torwartgilde. Alle vier Torhüter waren absolute Größen in der deutschen Torwartvergangenheit und allesamt ehemalige Nationaltorhüter. Als bisher jüngster Torhüter erreichte Eike Immel diese Marke im Alter von 28 Jahren und 116 Tagen, gefolgt von Norbert Nigbur (28 Jahre/175 Tagen), Bodo Illgner (28/210) und Harald Schumacher (29/62).

In den elitären Kreis der Nationaltorhüter konnte Oliver Baumann, der immerhin von der U18 bis U21 insgesamt 20 Mal im Tor der deutschen Junioren-Nationalmannschaft stand, noch nicht vordringen. Angesichts der aktuellen Situation in der deutschen Nationalmannschaft mit außergewöhnlichen Torhütern wie Neuer, ter Stegen, Trapp oder Leno wird dies wohl auch so bleiben. Umso höher ist aber sein bisheriger Karriereverlauf einzuschätzen, weil ihm der Stempel Nationaltorhüter keinen zusätzlichen Schutz im Kampf um die Nummer eins in seinen Vereinen geboten hatte.

Früh angefangen und wenig verletzt

Wie kommt eine so hohe Anzahl an Bundesligaeinsätze zustande? Ein Grund ist sicherlich, dass Baumann schon mit 19 Jahren zur Nummer eins beim SC Freiburg aufstieg. Nicht viele Torhüter starten ihre Karriere in so jungen Jahren. Nach vier Jahren als Stammtorhüter in Freiburg geht er nun in seine sechste Saison als Nummer eins bei der TSG Hoffenheim. Insgesamt hat er also mit erst 29 Jahren beinahe 10 Jahre als Stammtorhüter hinter sich.

Hinzu kommt, dass Baumann außergewöhnlich selten verletzt ist. In seinen ersten fünf Jahren verpasste er lediglich zwei Ligaspiele. In seinen letzten neun kompletten Spielzeiten fehlte Baumann insgesamt nur neunmal im Ligabetrieb. Neben dem Glück, das man braucht, um gesund über die Runden zu kommen, könnten diese Zahlen aber zum einen ein Hinweis auf eine gute athletische Ausbildung und eine gute Belastungssteuerung im Training sein. Zum anderen könnte aber auch sein intelligentes Torwartspiel eine Erklärung dafür sein. Im Gegensatz zu manchen seiner Kollegen löst er nämlich bestimmte Spielsituationen nicht im Rambo-Stil, sondern mit Köpfchen und damit der richtigen Entscheidung.

Die Bestenliste der Torhüter in der Bundesliga-Historie

Um allerdings in der Liste der Spieler mit den meisten Bundesligaspielen ganz nach oben zu klettern, hat er noch einen weiten Weg vor sich. Rekordspieler der Bundesliga ist der ehemalige Frankfurter Karl-Heinz Körbel mit 602 Bundesligaeinsätzen. Bei den Torhütern führt Oliver Kahn, der mit 557 Einsätzen den dritten Rang in der ewigen Bestenliste der Bundesliga belegt, die Rangliste an. Noch 14 weitere Torhüter liegen vor dem Hoffenheimer Schlussmann, allesamt illustre Namen: Kahn (557), Immel (534), Stein (512), Burdenski (478), Maier (473), Reck (471), Schumacher (464), Nigbur (456), Golz (453), Kleff (433), Rost (426), Kargus (408), Vollborn (401), Neuer (373). Mit 29 Jahren hat Baumann aber noch lange nicht das Ende seiner Leistungsgrenze erreicht. Noch einige sportlich guten Jahre könnten vor ihm liegen, sollte er weiterhin verletzungsfrei bleiben und konstant gute Leistungen abliefern. Wenn ihm dies gelingt, könnte er zweifellos zumindest bis in die Top Ten der Liga-Historie unter den Torhütern vordringen, die derzeit der Ex-Gladbacher Wolfgang Kleff mit 433 Spielen belegt. Goalguard wünscht Oliver Baumann jedenfalls, dass er noch einige weitere Jahre die Bundesliga in gewohnter Weise bereichert.

BlickpunktTSG 1899 Hoffenheim1. BundesligaOliver Baumann

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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