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Eine Fußball-Weltmeisterschaft bietet immer die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit Neuerungen und taktische Entwicklungen aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten zu beobachten und möglicherweise zukünftig für seine eigene Spielphilosophie zu nutzen. Um die Entwicklungen und Veränderungen im Torwartspiel bei der WM 2018 in Russland unter die Lupe zu nehmen, hatte der DFB ein 12-köpfiges Analyseteam zusammengestellt, das zu großen Teilen aus Torwarttrainern der U-Nationalmannschaften bestand. Neben mehreren anderen Aspekten hatten das Analyseteam auch speziell einen Blick auf die Raumverteidigung geworfen.

Anteil der Raumverteidigung in einem Spiel eher gering

Unterteilt man das gesamte Torwartspiel ganz grundsätzlich in die Bereiche Defensiv- und Offensivspiel, so ist seit vielen Jahren bekannt, dass spätestens seit der Einführung der Rückpassregel und den damit verbundenen Veränderungen in Spielsystemen das Offensivspiel gegenüber dem Defensivspiel einen weit größeren Anteil im modernen Torwartspiel einnimmt als früher. Diese Erkenntnis wurde bei der WM 2018 wieder bestätigt, wie die folgende Grafik zeigt:

Wie die Analyse des DFB bei der WM 2018 in Russland ergab, sind knapp 75 Prozent der kompletten Torhüter-Aktionen dem Offensivspiel mit Fuß oder mit Hand zuzuordnen. Die restlichen 25 Prozent verteilen sich fast zu gleichen Teilen auf die klassischen Torwart-Aufgaben der Ziel- und Raumverteidigung.

Raumverteidigung trotzdem von großer Bedeutung

Obwohl der Anteil der Raumverteidigung laut der Untersuchung des DFB mit durchschnittlich zwölf Prozent pro Spiel relativ unbedeutend erscheint, ist die Beherrschung des Strafraumes für einen Torhüter trotzdem enorm wichtig. Denn bei einer guten Raumverteidigung kann der Torhüter viele gefährliche Ballaktionen des Gegners bereits vorzeitig unterbinden. Denn Flanken, Freistößen, Eckbälle, Pässe hinter die Abwehrkette sowie Querpässe oder Rückpässe von der Grundlinie sind allesamt Spielsituationen, die nicht direkt zu einem Tor führen, sondern zumeist der Vorbereitung eines Tores dienen. Gelingt es dem Torhüter, diese Gefahrenherde schon im Vorhinein auszuschalten, leistet er einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Mannschaft.

Fehler liegen oft im taktischen Bereich

Wie oben beschrieben, sind die Aufgaben in der Raumverteidigung vielfältig, komplex und anspruchsvoll. Aus diesem Grund ist die Raumverteidigung eine häufige Fehlerquelle im Torwartspiel. Die Analyseteam des DFB untersuchte auch, wo die Fehlerquellen bei der Raumverteidigung vor allem zu suchen sind. Das Ergebnis ist eindeutig:

Die Grafik zeigt, dass bei der Raumverteidigung die meisten Fehler nicht im technischen Bereich (nur 13 %), sondern in der Entscheidungsfindung, also im taktischen Verhalten (87 %) passieren. Technische Abläufe kann der Torhüter durch häufiges Üben lernen. Schwieriger hingegen ist für ihn, in der Raumverteidigung die richtige Entscheidung zu treffen: Greife ich den Ball aktiv an oder bleibe ich im Tor? Kann ich oder einer meiner Mitspieler den Ball besser klären? Wie muss ich mich am besten positionieren, um einen Querpass abtauchen zu können? Wie weit kann ich vorrücken, um einen in die Tiefe gespielten Ball ablaufen zu können, oder laufe ich Gefahr, vom Gegner überlobt zu werden? Welches Kommando muss ich meinen Mitspielern geben? Bei so vielen verschiedenen Entscheidungen, die ein Torhüter in kürzester Zeit treffen muss, sind Fehlentscheidungen vorprogrammiert.

Aufgrund dieser Erkenntnisse ist es eigentlich unumgänglich, die Raumverteidigung des Torhüters Woche für Woche zu trainieren. Das Problem dabei ist, dass die nötigen Abläufe im separaten Torwarttraining nur wenig „spielnah“ trainiert werden können. Dazu fehlen schlichtweg die gegnerischen Spieler und die eigenen Mitspieler. Im Spiel mehr richtige Entscheidungen zu treffen, kann man aber nur im Verbund mit Mitspielern und spielnahen Situationen lernen. Insofern sind die entscheidenden Fortschritte beim Torhüter in der Raumverteidigung vor allem über Spiel- und Übungsformen mit der gesamten Mannschaft möglich.

Trotzdem macht es Sinn, die Raumverteidigung auch isoliert zu trainieren. Denn das Gefühl für den Raum und die Sicherheit beim Abfangen von Bällen lässt sich besser ohne Gegenspieler schulen. Dies ist insbesondere bei Torhütern wichtig, die die technischen Abläufe beim Abfangen von Flanken - wie die Fangtechnik, den Laufbeweg oder die Schrittfolge zum Ball - noch nicht sicher beherrschen.

Wir zeigen euch im Folgenden geeignete Übungen, wie ihr den Torhüter in den Raumverteidigung auch ohne Mannschaft mit Hilfsmitteln wie Airbodys, dem Filippi-Schild oder dem Filippi-Push sinnvoll trainieren könnt.

  • Sicherung des 5-m-Raumes
  • Trainer kommt entgegen
  • TR lenkt vor oder hinter Airbody ab
  • Ball weiterverlängert mit Schild
  • Flanke gegen Widerstand sichern
  • Flankenball in hintere Torecke
  • Bälle aus Halbfeld verteidigen
  • Zuspiele über eine Biertischrampe
  • Raumverteidigung nach Zuwurf

Weitere Übungen findet ihr in der Rubrik Raumverteidigung.

Torwartspiel

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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