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Der FA Community Shield (früher bezeichnet als Charity Shield) ist eine Trophäe der englischen Football Association, die jährlich an den Sieger des Spiels zwischen dem Meister der englischen Premier League und dem Gewinner des FA Cups übergeben wird. Im Kampf um diesen Pokal standen sich in diesem Jahr der englische Meister Arsenal London und FA-Cup-Gewinner Manchester City gegenüber. Das Spiel wurde zu einer Machtdemonstration der Londoner, denn der Ligakonkurrent wurde mit 3:0 abgefertigt.

Auch City-Schlussmann Gianluigi Donnarumma, Italiens Nationaltorhüter und Welttorhüter im vergangenen Jahr, zeigte nicht seine beste Leistung, denn bei zwei der drei Gegentore muss man ihm zumindest eine Torbeteiligung vorwerfen, besonders beim ersten Gegentreffer. Warum? Goalguard erklärt es euch!

Spekulieren – Antizipieren – Reagieren?

Auf einen Schuss kann der Torhüter spekulieren, antizipieren oder reagieren. Die drei Verhaltensweisen unterscheiden sich im Zeitpunkt, wann der Torhüter seine Abwehraktion einleitet. Unter Spekulieren versteht man ein Torwartverhalten, bei dem sich der Keeper bereits vor der Aktion für eine Ecke entscheidet, um bei der Wahl der richtigen Ecke seine Abwehrchance zu erhöhen. Er reagiert also bereits vor der Schussabgabe, um sich einen zeitlichen Vorsprung zu verschaffen. Der Nachteil: Hat sich der Keeper für die falsche Ecke entschieden, ist er chancenlos.

Im Gegensatz zum Spekulieren ist das Antizipieren kein blindes Raten, sondern eher ein Vorausahnen. Besonders ein erfahrener Torhüter erkennt anhand der Körpersprache, der Schusshaltung oder der Spielsituation, was der Schütze vorhat. Aus verschiedenen Anzeichen liest er heraus, was der Schütze vorhat: Aus der Stellung des Standbeins, der Hüftstellung und dem Blick des Schützen vor dem Schuss. Schon vor der Aktion stellt sich der Torwart im Kopf gedanklich darauf ein, um mit einem gedanklichen Vorsprung schneller reagieren zu können.

Beim Reagieren handelt der Torhüter erst dann meist mit einem Reflex, wenn er die Flugbahn des Balles wahrgenommen hat. Er reagiert also erst nach der Schussabgabe.

Werfen wir einmal einen Blick darauf, welche dieser drei Optionen ManCity-Schlussmann Gianluigi Donnarumma in der Spielsituation, die zum 1:0 von Arsenal führte, gewählt hat.

Die Spielsituation zum 1:0 (1. Spielminute)

Nachdem Arsenal bereits vom Anstoß weg seine Qualität zeigte und mit hohem Tempo nach vorne kombinierte, wurde das Bemühen schon in der ersten Spielminute durch Riccardo Calafiori belohnt.

Mit Spielintelligenz eingeleitet

Der italienische Nationalspieler schaltet sich als Außenverteidiger auf der linken Seite in das Angriffsspiel ein und bringt der Ball von der Strafraumkante gefährlich ins Zentrum. Nachdem City die Situation nicht sauber geklärt bekommt, landet der Ball im Zentrum bei Myles Lewis-Skelly etwa 22 m vor dem Tor.

Calafiori hat sich währendddessen auf der Halbspur vor dem Strafraum von ManCity positioniert. Als er die Situation erkennt und im richtigen Moment in die Schnittstelle zwischen den City-Abwehrspielern startet, spielt Lewis-Skelly einen perfekten vertikalen Schnittstellenpass in die Tiefe auf den durchgestarteten italienischen Nationalspieler, der frei vor Gianluigi Donnarumma auftaucht und seinen italienischen Nationalmannschaftskameraden aus ungefähr 11 m nahezu unbedrängt mit seinem linken Fuß überwindet.

Wie verhält sich Donnarumma?

Bevor ich das Verhalten Donnarummas in dieser Spielsituation näher betrachte, möchte ich vorausschicken, dass es für jeden Torhüter äußerst schwierig ist, in dieser Spielszene die optimale Entscheidung zu treffen. Wie in der folgenden Grafik dargestellt, entscheidet sich Donnarumma zu spekulieren. Denn zum Zeitpunkt, als Calafiori noch in der Ausholbewegung zum Schuss war, war Donnarumma bereits in einer 45°-Seitposition (siehe Grafik) auf dem Weg in die lange Torwartecke.

Offensichtlich vertraute Donnarumma voll darauf, dass sein Kollege aus der italienischen Nationalmannschaft den Abschluss in die lange Torecke suchen würde. Möglicherweise hatte der City-Schlussmann aus gemeinsamen Zeiten bei der Nationalmannschaft abgespeichert, dass Calafiori bei Torabschlüssen häufig diese Torecke wählt. Eine gewagte Entscheidung, wie das Ergebnis zeigt. Denn mit seinem Spekulieren hatte Donnarumma die kurze Ecke ganz aufgegeben und war deshalb beim Einschuss ins kurze Toreck chancenlos.

Welches andere Verhalten wäre möglich gewesen?

Bei jeder Torwartentscheidung geht es zuerst darum, die richtige Position zum Schützen zu finden, um die Abwehrchance zu erhöhen. In der beschreibenen Spielszene musste sich der City-Keeper zunächst entscheiden, ob er im Moment des Steckpasses auf den Stürmer zuläuft, um so seine Abwehrfläche zu vergrößern, oder ob er eher eine tiefe Position einnimmt. Donnarumma entschied sich für die tiefe Positionierung, weil der Abstand zum Ball - ca. 11 m - zu weit gewesen wäre, um dem Ball entgegenzulaufen. Eine absolut eine richtige Entscheidung.

Deshalb musste er sich auf seine Reaktionsfähigkeit verlassen. Dabei stehen Donnarumma zur Abwehr des Schusses die bereits erwähnten drei Optionen zur Verfügung: Er kann spekulieren und sich dadurch einen zeitlichen Vorsprung verschaffen. Er kann aber auch auf die Schussabgabe warten erst dann reagieren, wenn er die Schussbahn wahrgenommen hat. Seine dritte Option: Er kann mit seiner Erfahrung und Beobachtung des Schützen die Schussrichtung antizipieren und dadurch schneller auf den Ball reagieren.

Dass seine Entscheidung, in dieser Szene zu spekulieren, falsch war, zeigt das Ergebnis. Sobald Donnarumma seinen Körper in Schräglage bringt, kann er nicht mehr zur anderen Seite oder nach oben reagieren. Er gibt in die Körperposition zu viel Fläche frei, die er nicht verteidigen kann.

Die wahrscheinlich bessere Entscheidung wäre gewesen, wenn er aus der Grundstellung heraus auf den Schuss reagiert hätte. Immerhin war der Schütze beim Schuss noch etwa 11 m vom Tor entfernt, so dass Donnarumma eine gewisse Reaktionszeit zur Verfügung stand, zumal der Calafiori von einem City-Verteidiger unter Druck gesetzt wurde.

Da heutzutage Bälle aufgrund ihrer Beschaffenheit sehr schnell fliegen, wäre wohl eine Mixtur aus Reaktion und Antizipation die beste Lösung gewesen, wenn der City-Schlussmann ein Vorwissen oder eine Vorahnung gehabt hätte. Denn oft reicht z.B. bei Schüssen aus kurzer Distanz die reine Reaktionszeit nicht aus, um den Ball abzuwehren. Deshalb muss manchmal die Torverteidigung durch gutes Antizipieren unterstützt werden. Durch sein reines Spekulieren hat es Donnarumma jedenfalls seinem Nationalmannschaftskollegen zu leicht gemacht.

Analysen

Artur Stopper

Artur Stopper

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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