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Seit Juli 2019 ist Simon Panter als Torwartkoordinator im Nachwuchsleistungszentrum des französischen Erstligisten Racing Straßburg tätig. Zuvor trainierte er ab der Saison 2012/13 die Torhüterinnen des Frauen-Bundesligisten SC Sand und die Torhüter des baden-württembergischen Oberligisten SV Oberachern. Unter Nationaltrainerin Steffi Jones war er außerdem in der Saison 2017/18 etwas mehr als ein Jahr für die Torhüterinnen der Frauenfußball-Nationalmannschaft verantwortlich.

Goalguard hat Simon zu seiner Arbeit, seinen Erfahrungen bei Racing Straßburg und zu Unterschieden im Torwarttraining zwischen Deutschland und Frankreich befragt.

Artur Stopper Simon, die Bundesliga hat den Spielbetrieb trotz Corona zu Ende gebracht. Wie sieht die Situation in Frankreich aus?

Simon Panter In Frankreich wurden alle Ligen am 30. April vollständig abgebrochen. Über die Quotientenregelung, also den Quotienten aus erzielten Gewinnpunkten und ausgetragenen Spielen, wurde dann die Platzierung der Mannschaften in der Abschlusstabelle ermittelt.

Artur Stopper Du hast nun ein Jahr bei Racing Straßburg hinter dir. Welche Eindrücke hast du in dieser Zeit gewonnen?

Simon Panter Meine Eindrücke sind bisher sehr gut. Straßburg ist ein Traditionsverein mit sehr erfolgreichen Zeiten, das spürt man Tag für Tag, wenn man das Sportgelände betritt. Ich bin froh und stolz, einen Beitrag in meinem Bereich für diesen Verein leisten zu können.

Artur Stopper Ihr habt euch vor kurzem auf eine Vertragsverlängerung geeinigt. Offensichtlich sind die Verantwortlichen mit deiner Arbeit zufrieden. Worin besteht deine Tätigkeit bei Racing genau?

Simon Panter Neben der täglichen Arbeit auf dem Platz stehen für mich noch weitere Aufgaben wie Scouting, Spielbeobachtungen und Videoanalyen auf der Wochenagenda. Bei den Spielbeobachtungen und dem Scouting werde ich von Albert Stoeckel unterstützt. Dies ist für mich eine enorme Unterstützung und ich bin sehr dankbar dafür.

Artur Stopper Beschränkt sich deine Arbeit auf den Jugendbereich oder hast du auch mit den Profi-Torhütern zu tun?

Simon Panter Meine Arbeit ist überwiegend auf die Arbeit im Nachwuchsbereich bis zur U23 beschränkt. Des Öfteren kommt es aber auch vor, dass ein Torhüter der Profimannschaft in die U23 eingebaut ist. Dann ist es meine Aufgabe, diesen beim Abschlusstraining und beim Spiel zu begleiten.

Simon Panter im Gespräch mit Claudio Filippi

Artur Stopper Ab welchem Alter beginnt ihr bei Racing mit spezifischem Torwart-Training?

Simon Panter In der U10 und U11 bieten wir Torwarttraining einmal pro Woche an. Von der U12 bis U15 steigern wir das Pensum auf 2-mal pro Woche, ab der U16 erhalten die Torhüter täglich Torwarttraining.

Artur Stopper Sicherlich erwarten die Verantwortlichen von Racing Straßburg von dir Impulse aus der deutschen Torwart-Philosophie. In welchen Aspekten konntest du bereits ihren Hoffnungen erfüllen?

Simon Panter Deutsche Torwart-Philosophie, das höre ich oft (lächelt). Für mich geht es nicht um eine deutsche, französische oder irgendeine andere Philosophie. Es geht grundsätzlich um die Frage, ob eine Arbeitsweise erfolgreich ist oder nicht. Die Benennung ist dabei unwichtig. Ist ein bestimmter Weg erfolgreich, muss man diesen Weg weiterverfolgen. Stellt sieht der Erfolg hingegen nicht ein, muss man andere Mittel und Lösungen finden. Am Ende des Tages ist immer entscheidend, ob der Torwart den Ball hält oder nicht und ob er zum mannschaftlichen Erfolg beitragen kann.

Artur Stopper Schon seit vielen Jahren arbeitest du mit Torhütern intensiv im kognitiven Bereich. Spielte dieser Sektor der Torwartausbildung bei Racing Straßburg schon vor deinem Amtsantritt eine Rolle oder hast du hier Neuland betreten?

Simon Panter Die Arbeitsweise im kognitiven Bereich, besonders mit der Strobobrille und Fitlight bzw. ROXs, war ziemliches Neuland für die Jungs. Allerdings haben sie schnell verstanden, welch große Bedeutung die Wahrnehmung hat, um schneller und gezielter auf die Spielsituation reagieren bzw. diese antizipieren zu können. Auch der Einsatz von AIR BODYs ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Training, um z.B. verdeckte Schüsse oder spielnahe Spielsituation herstellen zu können.

Artur Stopper Eine Arbeit außerhalb von Deutschland bietet immer auch die Chance, Neues hinzuzulernen und sich dadurch selbst weiter zu entwickeln. Was hat dich bisher beeindruckt?

Simon Panter Besonders beeindruckt war ich von den kurzen Bodenkontaktzeiten, die die Torhüter vorweisen. Sie sind unheimlich flink auf den Beinen und sehr explosiv im Abdruck.

Artur Stopper Hast du schon eine Erklärung dafür gefunden, warum die Torhüter besonders schnell auf den Füßen sind?

Simon Panter Die Erklärung ist einfach. Bereits von Jugend sind koordinative und reaktive Übungen, die immer mit maximalem Tempo durchgeführt werden, ein fester Bestandteil des Torwarttrainings in Frankreich. So sind diese Abläufe durch jahrelanges Training verinnerlicht.

Artur Stopper Was sind deine Ziele für die kommenden Jahre?

Simon Panter Ich sehe noch enormes Entwicklungspotenzial in der Torwartausbildung, die es step by step weiterzuentwickeln gilt. Zudem wollen wir jeden Torwart individuell weiterentwickeln und ihn auf die kommenden Aufgaben bestmöglich vorzubereiten.

Artur Stopper Simon, wir wünschen dir viel Erfolg bei deiner Arbeit in Frankreich! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast.

InterviewRacing StraßburgFrankreich Ligue 1Simon Panter

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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