Login

GoalGuardGoalGuard

Nils Körber ist ein Torwarttalent aus der Nachwuchsschule von Hertha BSC. In der U18 hatte der gebürtige Berliner erstmals Einsätze für die DFB-U18-Junioren. Momentan gehört er wieder zum Aufgebot der U21-Nationalmannschaft. Um Spielpraxis zu gewinnen, wurde der gerade erst 22 Jahre alt gewordene Keeper zur Saison 2018/19 an den Drittligisten VfL Osnabrück ausgeliehen, nachdem er in der Saison zuvor als Leihgabe beim Ligakonkurrenten Preußen Münster gespielt hatte. Im Moment fällt Nils Körber durch starke Leistungen bei den Niedersachsen auf. Goalguard hat sich mit dem talentierten Torhüter über seine sportliche Vergangenheit, seine aktuelle Situation beim Drittligisten VfL Osnabrück sowie über seine Zukunftsperspektiven unterhalten.

Artur Stopper Nils, du bist zusammen mit Alexander Nübel und Sven Brodersen für das Aufgebot der U21-Nationalmannschaft nominiert. Was macht für dich den Aufenthalt im Kreis der Nationalmannschaft so besonders?

Nils Körber In der U21-Nationalmannschaft gibt es eine große Qualität an Spielern und Torhütern, die alle ungefähr im selben Alter sind. Man kann sich an ihnen messen und schauen, wie weit man ist. Das hilft uns allen und macht Spaß.

Artur Stopper Ausgebildet in der Jugend von Hertha BSC, warst du vergangene Saison an den Drittligisten Preußen Münster und bist aktuell an den Ligakonkurrenten VfL Osnabrück ausgeliehen. Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Verlauf deiner Karriere?

Nils Körber Natürlich strebt man immer das Höchste an. Nachdem ich aus der Jugend von Hertha BSC kam, hatte ich eine gute Zeit bei den Profis. Mit 18 Jahren war das im ersten Jahr ein kleines Herantasten. Im zweiten Jahr ging es noch einen Schritt weiter, bis ich dann durch eine langwierige Verletzung von fast acht Monaten zurückgeworfen wurde. Daraufhin musste ich mich wieder hinten anstellen, hatte mich aber wieder gut nach vorne gekämpft. Deshalb stellte sich die Frage, wie es mit mir weitergehen sollte. Vor meiner Verletzung hatte ich den Vertrag um drei Jahre verlängert. Weil ich ein paar Probleme bei den Operationen hatte und es deshalb nicht sicher war, wie es bei mir weitergeht, hatten die Verantwortlichen von Hertha mit einem anderen Torhüter ebenfalls verlängert. Daraufhin war für mich klar, dass ich einen anderen Weg gehen musste, um mich auf hohem Niveau zu zeigen. Das versuchte ich beim Drittligisten Preußen Münster. Das klappte zunächst ganz gut, aber nach einer erneuten Verletzung und einer Trainerentlassung sah der neue Trainer keinen Notwendigkeit mehr, auf der Torhüterposition einen Wechsel vorzunehmen, weil es in der Mannschaft gut lief. Das war für mich natürlich bitter. Nach Gesprächen mit den Verantwortlichen von Hertha waren wir uns einig, dass ein weiteres Ausleihgeschäft noch einmal Sinn machen würde. So führte der Weg zum VfL Osnabrück. Ich bin mit dem bisherigen Weg ganz zufrieden, auch wenn ich längerfristig Höheres anstrebe, am liebsten bei Hertha BSC. Aber das kann man sich nicht immer heraussuchen.

Artur Stopper Mit dem VfL Osnabrück steht ihr momentan auf den 1. Platz, nachdem der VfL in der vergangenen Saison eher in der unteren Tabellenhälfte zu Hause war. Was macht euch im Moment so erfolgreich?

Nils Körber Wie angesprochen, spielen die Mannschaft und auch ich bisher eine gute Saison. Ich glaube, dass es vor allem die Mischung im Kader ausmacht. Das Team hat einen super Charakter. Wenn man die Spielverläufe verfolgt, war es nicht immer so, dass wir überlegen waren. Wir haben aber defensiv sehr gut gearbeitet, deshalb wenig Gegentreffer hinnehmen müssen und viele Spiele zu Null gespielt. Im Endeffekt haben wir oft durch Einzelaktionen oder durch den größeren Willen das Tor gemacht und so die drei Punkte geholt. Wir sind als Team gut zusammengewachsen und versuchen in jedem Spiel alles reinzuhauen. Das sind die paar Prozent, die oft spielentscheidend sind. Zusätzlich haben wir einige Spieler im Kader, die schon den Unterschied ausmachen können.

Artur Stopper Wie bereits angesprochen, warst du in der vergangenen Saison ein Jahr an Preußen Münster und bist nun an den VfL Osnabrück ausgeliehen. Wie schwierig ist es, sich immer wieder auf eine neue Mannschaft, neue Trainer und ein neues Spielsystem einstellen zu müssen?

Nils Körber Natürlich gibt es da Unterschiede, denn jeder Trainer will etwas Anderes. Aber nach meiner Meinung sollte man als Torhüter nicht komplett sein Torwartspiel umstellen, auch wenn es der Trainer möchte. Man sollte die Stärken, die man als Torwart hat, durchbringen und zeigen. Wenn z.B. der Trainer verlangt, dass ein Torhüter sehr offensiv spielen soll, obwohl er dafür gar nicht der Typ ist und das nicht sein Spiel ist, sollte sich der Torhüter selbst ein bisschen treu bleiben und für sich das richtige Mittelmaß finden, damit er seine Stärken einbringen kann.

Artur Stopper In der vergangenen Saison war dein Hertha-Mannschaftskamerad Marius Gersbeck an den VfL Osnabrück ausgeliehen, nun du. Warum ist speziell Osnabrück eine Anlaufstation für Ausleihgeschäfte mit jungen Hertha-Keepern?

Nils Körber Ich glaube, Osnabrück hatte sehr gute Erfahrungen mit Marius gemacht. Hinzu kommt, dass sich die Verantwortlichen beim VfL in der Saison zuvor zweimal in den Spielen gegen Preußen Münster einen sportlichen Eindruck von mir verschaffen konnten. Der VfL hat in der Vergangenheit oft mit Leihtorhütern gearbeitet. Der Verein sieht dies als Chance, mit jungen, talentierten Torhütern zu arbeiten, die noch hungrig sind. Wahrscheinlich hatten sie sich bei Marius auch erkundigt, was ich für ein Typ bin. Nach den guten Erfahrungen mit Marius und den guten Kontakten zu der Verantwortlichen bei Hertha entschied sich der VfL Osnabrück deshalb für die weitere Ausleihe eines Hertha-Keepers.

Artur Stopper An deiner letztjährigen Ausleihstation Preußen Münster hast du nach einer guten Hinrunde aufgrund einer Verletzung den Platz zwischen den Pfosten verloren. Hatte die Verletzung in der Rückschau auch etwas Gutes?

Nils Körber Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann, dass eine Verletzung etwas Gutes haben kann. Man möchte immer durchspielen. Aber natürlich ist sie lehrreich. Nachdem es bei mir in der Jugend immer sportlich bergauf ging und es nichts gab, was mich heruntergezogen hat, war die längerfristige Verletzung ein erster Einbruch. Nach dem ersten Frust lernt man aber mit der Situation umzugehen, indem man sich darüber Gedanken macht, warum das so ist und warum man nicht spielt. Man lernt immer positiv zu bleiben, weiterzumachen und an seine eigenen Stärken zu glauben.

Artur Stopper Wer den Traum vom Profifußball ernsthaft verfolgt, muss mit Entbehrungen leben. Welche Entbehrungen fallen dir besonders schwer?

Nils Körber Für mich war in meiner Jugend Fußball immer alles. Ich hatte immer das Ziel, in den Profi-Fußball zu kommen. Deshalb hatte ich kein Problem damit, nicht wie andere Jugendliche abends wegzugehen oder das ein oder andere Glas Bier mehr zu trinken. Das war eh nicht mein Ding. Auf diese Dinge muss man einfach verzichten. Weil viele meiner Freunde ebenfalls Sport betreiben, fiel es mir aber nie schwer, mein Leben dem Sport unterzuordnen. Ich hatte jedenfalls nie das Gefühl, etwas zu verpassen.

Artur Stopper Gleichzeitig mit der Ausleihe nach Osnabrück hast du im Juni 2018 deinen Vertrag bei Hertha BSC bis zum 30. Juni 2020 verlängert. Welche Überlegungen haben dich zu dieser Entscheidung bewogen?

Nils Körber Wie ich bereits vorher schon sagte, war es immer mein Traum, bei Hertha BSC in der Bundesliga zu spielen. Diesen Traum habe ich immer noch. Ich denke, dass auch der Verein auf mich setzt, weil sie nicht grundlos meinen Vertrag verlängern und mich ausleihen. Der Plan bei der Ausleihe ist, dass ich mein Leistungsvermögen unter professionellen Bedingungen zeigen kann. Am Ende wird der Verein gemeinsam mit mir entscheiden, was für mich zukünftig das Beste ist.

Artur Stopper Wenn du weiterhin so gute Leistungen ablieferst, wirst du sicherlich das Interesse anderer Klubs wecken. Trotz deiner starken Verbundenheit mit der Hertha: Ist für dich eine Zukunft auch außerhalb von Hertha BSC denkbar?

Nils Körber Ja klar. Wie bereits betont, will man als Sportler immer so hoch wie möglich spielen. Das ist immer das Ziel. Deshalb wäre auch ein Vereinswechsel eine Option, wenn einem der Verein nicht mehr zurückhaben wollte oder man in einem anderen Verein bessere Möglichkeiten sieht.

Artur Stopper Es gibt unterschiedliche Vorstellungen vom optimalen Torwartspiel. Welcher Torhüter auf der Welt entspricht am meisten deinem Torwartideal und warum?

Nils Körber Es gibt einige Torhüter auf der Welt, die ein hervorragendes Torwartspiel haben. Was das komplette Torwartspiel anbelangt, ist für mich schon seit einigen Jahren Marc-Andre ter Stegen vom FC Barcelona der Beste. Ich kenne keinen anderen Torhüter, der alle Facetten des Torwartspiels so gut beherrscht und sie unter höchstem Druck perfekt umsetzt. Das ist für mich höchst beeindruckend.

Artur Stopper Nils, ich drücke dir die Daumen, dass dir der Weg gelingt, den du einschlagen möchtest, und bedanke mich für die Zeit, die du dir für uns genommen hast.

Interview3. BundesligaVfL Osnabrück

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

Ähnliche Inhalte