Login

GoalGuardGoalGuard

Obwohl Alexander Nübel der Stammtorwart der deutschen U21-Nationalmannschaft ist, kannten ihn bisher eher nur Insider. Denn seit drei Jahren ist er bei Schalke 04 die Nummer zwei hinter Ralf Fährmann. Erst durch die Verletzung von Stammtorwart Fährmann vor einigen Wochen nahm Fußball-Deutschland wahr, welch großartiger Torhüter auf der Bank der Schalker sitzt. Ob bei seinen Einsätzen in der Bundesliga, der Champions League oder im DFB-Pokal, immer konnte Alexander Nübel absolut überzeugen. Nach der Genesung von Fährmann wird sein Platz aber wieder auf der Ersatzbank sein. Goalguard hat sich mit dem 22-jährigen Schlussmann über seine Erfahrungen bei seinen ersten Einsätzen, über sein Verhältnis zu seinen Schalke Torwartkollegen sowie über seine sportliche Zukunft unterhalten.

Artur Stopper Alexander, musst du dich manchmal kneifen, um sicherzugehen, dass die Ereignisse der letzten Tage und Wochen nicht nur geträumt sind?

Alexander Nübel Seit drei Jahren arbeitete ich auf Schalke jeden Tag hart darauf hin, irgendwann zum Einsatz zu kommen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, nun einmal eine Chance zu erhalten.

Artur Stopper Fußball-Deutschland hat über deine starken Leistungen gestaunt. Du auch?

Alexander Nübel Ich trainiere jeden Tag und weiß, was ich kann. Aber natürlich gehört auch im Spiel immer Glück dazu. Wenn man dieses nicht hat, wird es immer schwierig. Der Spielverlauf in unseren Spielen war immer positiv für mich.

Artur Stopper Durch die Verletzung von Stammtorwart Ralf Fährmann bist du ruckartig ins Rampenlicht der Bundesliga und sogar der Champions-League gerückt. Woher kommt deine mentale Stärke, trotz wenig Erfahrung auf diesem hohen sportlichen Niveau so souverän zu agieren?

Alexander Nübel Die mentale Stärke holt man sich vor allem durch intensives Training, indem in jeder Trainingseinheit alles abruft. Außerdem konnte ich in der U21-Nationalmannschaft bei den EM-Qualifikationsspielen auf hohem Niveau Spielerfahrung sammeln und so lernen, mit einer guten Nervosität, die dann zu Konzentration führt, in die Spiele zu gehen.

Artur Stopper Kann man diese Ruhe lernen oder entspricht sie deinem Naturell?

Alexander Nübel Ich bin von Haus aus eher ein ruhiger Typ, insofern entspricht sie meinem Naturell. Aber man kann Ruhe und Konzentration auch mit Hilfe von Mentaltrainern und Psychologen trainieren. Ich selbst brauche diese Hilfe aber nicht.

Artur Stopper Dein erstes Champions-League-Spiel in Istanbul musstest du unter dem ohrenbetäubenden Lärm von knapp 50.000 Fans von Galatasaray bestreiten. Wie hast du dich auf die „Hölle von Istanbul“ mental vorbereitet?

Alexander Nübel Wir hatten bereits zwei Tage zuvor mit Schalke diese Stimmung in der Veltins Arena simuliert. Die Atmosphäre in Istanbul war dann genauso mit brutal lauten Pfiffen und einem enorm hohen Geräuschpegel. Im Endeffekt war das Erlebnis geil. Wir konnten die Stimmung für uns ummünzen und machten ein sehr gutes Spiel. Das Wichtigste ist, einfach ruhig zu bleiben. Viele werden nervös oder unkonzentriert und schlagen dann einfach die Bälle nach vorne. Aber wenn man die Pfiffe ausblendet, kann man dort ein gutes Spiel machen.

Artur Stopper Seit der Saison 2015/16 trainiert du gemeinsam mit Ralf Fährmann, einem der Top-Torhüter in Deutschland. Was kannst du dir von Fährmann abschauen?

Alexander Nübel Vor allem seine Trainingseinstellung. Es gab in all den Jahren, in denen wir gemeinsam trainiert haben, nicht eine Trainingseinheit, in der er schlecht trainiert hat. Das kann ich nur anerkennen. Für mich gehört er auch schon seit Jahren zu den besten Torhütern in Deutschland und hätte nach meiner Meinung eigentlich in den vergangenen beiden Jahren zur Nationalmannschaft eingeladen werden müssen. Im Training gibt er immer Vollgas und holt sich dort seine mentale Stärke und seine Sicherheit. Seine Leistungen sind schon bemerkenswert!

Artur Stopper Für Schalkes Torwarttrainer Simon Henzler gibt es, was das Raumverteidigen, das Abfangen von Flanken und das Herauskommen angeht, in der Bundesliga "keinen Besseren" als Fährmann. Dir werden Vorteile vor allem im fußballerischen Bereich nachgesagt. Sind die Hauptunterschiede zwischen euch beiden so richtig beschrieben?

Alexander Nübel Der Ralf ist in der Raumverteidigung überragend. Europaweit gibt es nicht viele Torhüter, die den Strafraum so beherrschen. Auch Eins-gegen-Eins-Situationen sind durch seine Größe und seine Präsenz eine seiner großen Stärken. Ich selbst spiele gerne Fußball, da ich bis zur U14 noch Feldspieler war. Mir macht es Spaß, ein bisschen mit der Mannschaft zu kicken und Bälle zuzuspielen. Aber ansonsten will ich erst einmal Bälle halten, das ist meine erste Prämisse.

Artur Stopper Fährmann sagte im Juli dieses Jahres über dich: "Alex ist eines der besten Talente, die ich in meiner Karriere bislang gesehen habe“. Nicht viele Torhüter loben den Konkurrenten so überschwänglich. Das spricht für ein gutes Verhältnis untereinander, oder?

Alexander Nübel Auf jeden Fall! Bei uns in der Torwartgruppe stimmt es. Torwarttrainer Simon Henzler, Ralf und Michael Langer pushen uns gegenseitig in jedem Training. Aus diesem Grund können wir dann Top-Leistungen abliefern.

Artur Stopper Schon in Paderborn hast du mit deinem jetzigen Torwarttrainer Simon Henzler zusammengearbeitet. Er war maßgeblich an deinem Wechsel nach Schalke mit 18 Jahren beteiligt. Welche Eigenschaften schätzt du an Simon Henzler besonders?

Alexander Nübel Er ist sehr kommunikativ und offen. Er lernt, glaube ich, immer noch genauso viel dazu wie wir. Das schätze ich sehr an ihm. Er hat nicht ein Schema, das er durchzieht, sondern lernt immer neu dazu und bringt die neuen Ideen mit ein. So können wir als Gruppe das Torwartspiel ständig verbessern.

Artur Stopper Die Überschrift einer Zeitung lautete vor kurzem: „Nübel - eine Nummer eins im Wartestand“. Wie lange kannst du noch mit der Rolle des "jungen Herausforderers" (Henzler) leben?

Alexander Nübel Ich bin im Moment ganz klar die Nummer zwei. In den nächsten Monaten oder Jahren möchte ich aber auf jeden Fall einen Schritt nach vorne machen und irgendwo die Nummer eins werden. Wenn das nicht bei Schalke möglich ist, dann vielleicht irgendwo anders.

Artur Stopper Ralf Fährmann war in deinem Alter in der gleichen Situation wie du, als er nicht am späteren Welttorhüter Manuel Neuer vorbeikam. Deshalb wechselte er 2009 für zwei Jahre als Stammtorhüter zu Eintracht Frankfurt und kehrte dann zu S04 zurück. Wäre ein ähnlicher Wechsel auch für dich denkbar?

Alexander Nübel Auf jeden Fall. Man schaut sich immer um. Wenn ein passendes Angebot dabei wäre, bei dem der Konkurrenzkampf gut ist und es gute Chancen auf einen Platz als Nummer eins gäbe, muss man alles abwägen. In diesem Fall wäre jede Option gut.

Artur Stopper Welche Ziele hast du dir für deine nähere Zukunft gesetzt?

Alexander Nübel Zuerst einmal möchte ich gesund bleiben. Außerdem will ich mich weiterentwickeln und immer Vollgas geben, damit ich genauso gut vorbereitet bin wie zuletzt, wenn ich auf Schalke noch einmal spielen darf. Natürlich würde ich mich freuen, wenn es in der kommenden Saison eine Möglichkeit gäbe, dauerhaft zu spielen.

Artur Stopper Ich wünsche dir, dass du das notwendige Glück hast, deine Ziele umsetzen zu können, und bedanke mich recht herzlich dafür, dass du dir Zeit für uns genommen hast.

Interview1. BundesligaFC Schalke 04. Alexander Nübel

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

Ähnliche Inhalte