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Es ist noch nicht lange her, dass sich die deutsche Sport-Medienlandschaft Gedanken darüber gemacht hatte, wie es um die Zukunft der großen deutschen Torhütertradition bestellt ist. Über Jahrzehnte hinweg hatte der deutsche Fußball Torhüter-Talente hervorgebracht, die sich „wie von selbst fortgepflanzt hatten“, wie die Süddeutsche Zeitung es formulierte. In den letzten sieben Jahrzehnten standen den Kindern immer große Vorbilder auf der Torhüterposition zur Verfügung: Erst Toni Turek, dann Hans Tilkowski, in weiteren Jahrzehnten Sepp Maier, Toni Schumacher, Andreas Köpke, Oliver Kahn oder aktuell Manuel Neuer. Selbst die Nachfolge des Bayern-Schlussmanns scheint bereits geregelt, denn die U-Nationalmannschaften spülten in den vergangenen Jahren weitere Talente wie Marc-Andre ter Stegen, Bernd Leno, Kevin Trapp oder Timo Horn nach oben. Doch zuletzt schien dieser Fluss versiegt. „Torhüter von Google“ überschrieb die Süddeutsche Zeitung im Januar dieses Jahres einen Artikel über die aktuellen Torhüter der U21-Nationalmannschaft. Alexander Nübel, Florian Müller, Nils Körber oder Sven Brodersen hießen die Keeper, die zuletzt in der U21 nominiert worden waren. Ihre Namen waren bis vor einen halben Jahr nur Insidern bekannt. Alle anderen mussten die Namen googeln, wenn sie wissen wollten, wer hinter diesen Namen steckt. Die fließbandartige Produktion neuer großer Torhüter schien unterbrochen.

Seit der Rückrunde der abgelaufenen Bundesliga-Saison weiß Fußball-Deutschland, dass wir uns auch zukünftig keine Gedanken machen müssen um die Qualität unserer Torhüter. Denn mit Alexander Nübel und Florian Müller haben sich zwei überaus talentierte Torhüter in ihren Vereinen Schalke 04 und Mainz 05 als Nummer eins durchgesetzt.

Alexander Nübel (FC Schalke 04)

Inzwischen ist Alexander Nübel fast so etwas wie das Gesicht von Schalke 04 geworden. Mit hervorragenden Leistungen stellte er unter Beweis, warum er im Januar vom damaligen Cheftrainer Domenico Tedesco den Vorzug erhalten hatte vor Schalkes langjährigem Stammtorhüter Ralf Fährmann, der die Jahre zuvor immer zu den besten Torhütern in der Bundesliga gehörte. Nübel zahlte Tedesco das Vertrauen prompt zurück. Bereits im ersten Spiel gegen den VfL Wolfsburg verhinderte er mit starken Reflexen einen frühzeitigen Rückstand und trug maßgeblich zum Erfolg seines Teams bei. Weitere starke Leistungen folgten. In den folgenden Wochen reifte er zum Leistungsträger und Liebling der Schalker Fans heran. Schalkes neuer Sportchef Jochen Schneider machte unlängst keinen Hehl daraus, dass Nübel als echte Säule für die Zukunft eingeplant ist: „Es ist unser Wunsch, Alex langfristig beim FC Schalke zu halten.“ Allerdings denkt der Torhüter offenbar darüber nach, ob Schalke auch weiterhin der richtige Verein für ihn ist. Immer wieder wird sein Name in Verbindung gebracht mit dem deutschen Meister FC Bayern München. Weitere prominente Interessenten stehen bereit. Neben den Bayern sollen sich auch Chelsea, Arsenal, Tottenham und Paris um den jungen Torhüter bemühen. Deshalb lässt der 22-jährige hoch Veranlagte die Schalke-Verantwortlichen weiter zappeln und will sich zu keiner vorschnellen Entscheidung drängen lassen. Bei weiteren guten Leistungen auf internationalem Parkett bei der in Kürze beginnenden EM könnte die große Fußballwelt für ihn offenstehen.

Florian Müller (FSV Mainz 05)

Zunächst muss sich Nübel aber im Zweikampf gegen Florian Müller um die Nummer eins im deutschen Tor durchsetzen. Der 21-jährige Saarländer spielte bei Mainz 05 eine ähnlich gute Saison wie der Schalker Schlussmann. Müller profitierte von der Verletzungsmisere von Ex-Nationaltorhüter Rene Adler, der als klare Nummer eins vom Hamburger SV verpflichtet worden war. Der junge Schlussmann nutzte seine Chance und stellte eindrucksvoll unter Beweis, warum er als einer der besten Nachwuchstorhüter Deutschlands gilt und von einigen Experten bereits als Nachfolger von Neuer gehandelt wird. Wie Nübel zeigte auch Florian Müller in seinem ersten Bundesliga-Einsatz am 3. März 2018 in Hamburger Volkspark-Stadion gegen den HSV mit gerade mal 20 Jahren und knapp vier Monaten einen spektakulären Auftritt. Neben einem gehaltenen Elfmeter hielt er mit mehreren spektakulären Paraden die Mainzer im Spiel. Die Klubverantwortlichen sahen sich jedenfalls in ihrem Vertrauen gegenüber Müller bestätigt und setzen für die weitere Zukunft auf Müller im Mainzer Tor.

Markus Schubert (Dynamo Dresden)

Markus Schubert von Zweitligist Dynamo Dresden dürfte die Nummer drei in der Torwart-Hierarchie bei der EM werden. Die Bundesliga-Erfahrenen Florian Müller und Alexander Nübel dürften die besseren Karten haben. Zudem ist Schubert mit 20 Jahren der jüngste unter den von DFB-Trainer Stefan Kuntz nominierten Torhütern und konnte sein Können bisher nur in der U20-Nationalmannschaft und der zweiten Bundesliga unter Beweis stellen. Aber allein schon die Nominierung dürfte dem jungen Schlussmann gut getan haben nach den Enttäuschungen der vergangenen Wochen. Denn seit der Leistungsträger der Dresdener bekannt gegeben hatte, dass er seinen Vertrag beim Zweitligisten nicht verlängern wird, verlor er nicht nur seinen Stammplatz im Dynamo-Kader, sondern er wurde sogar aus dem Kader gestrichen, um ihn vor den Reaktionen der eigenen Fans zu schützen. Diese pfiffen bei seiner Verabschiedung am vergangenen Sonntag lautstark. Auch die sportliche Zukunft von Markus Schubert ist noch ungeklärt und es ist noch nicht sicher, wohin der weitere Weg des talentierten Nachwuchstorhüters führen wird. Vom Interesse verschiedener Bundesligisten ist die Rede, aber auch Arsenal London soll ein Auge auf ihn geworfen haben.

Die zwischen dem 16. und 30. Juni in Italien und San Marino stattfindende Fußball-Europameisterschaft der U21-Junioren ist eine ideale Plattform für die talentierten deutschen Nachwuchs-Torhüter zu zeigen, welche Leistungen sie auch auf internationalem Parkett abrufen können und wo sie im Vergleich zu Torhütern anderer europäischen Nationen stehen. Eines ist jedoch gewiss: Um die Zukunft der großen deutschen Torhütertradition muss man sich wohl auch weiterhin keine Gedanken machen. Deutschland entwickelt weiterhin großartige Torhüter.

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Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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