Die Anforderungen, die ein Jugendtorwarttrainer in der Ausbildung junger Torhüter leisten soll, sind hoch. Denn neben der Vermittlung der Grundtechniken (Fangen, Fallen, Ablenken) gehören heutzutage die Schulung von fußballerischen Fähigkeiten sowie einem taktischem Grundverständnis (Herauslaufen, Spieleröffnung, Entscheidungen) ebenso zum festen Bestandteil der Ausbildung wie die Schulung der Persönlichkeit. Doch wie vermittelt der Torwarttrainer diese Fähigkeiten am besten an einen Nachwuchstorhüter
Grundsätzlich gibt es verschiedene Wege und Konzepte zu diesem Ziel. Vor allem vier methodische Wege bieten sich dafür an. Es kann aber auch sinnvoll sein, sich nicht nur für eine Methode zu entscheiden, sondern verschiedene methodische Wege miteinander zu kombinieren. Egal, auf welche Methode die Wahl des Jugendtorwarttrainers fällt. Er muss immer im Auge behalten, dass nicht nur die Methodik zum Ziel führt, sondern ebenso das Begeisterung fürs Torwartspiel und die Umsetzung im Training. Deshalb muss das Training neben der Wahl der richtigen Methode altersgerecht und dem Können des Torhüters angepasst sein, um so Enttäuschungen und Frustrationen bei einem jungen Keeper zu vermeiden.
Die Wahl der richtigen Methode
Besonders ein unerfahrener Jugend-Torwarttrainer steht am Anfang seiner Tätigkeit vor der Frage, mit welcher Methodik er einem jungen Torhüter torwartspezifische Fähigkeiten vermitteln soll. Grundsätzlich stehen ihm vier methodische Wege zur Verfügung.
Methode 1: Technik Schritt für Schritt entwickeln
Eine Möglichkeit, Torhütern im Kindes- und Jugendalter eine Torwarttechnik zu vermitteln, ist die methodische Reihe. In unserem Angebot Lernwege für Jugendtrainer haben wir uns für diesen Lernweg entschieden. Die Vorgehensweise: Ein technischer Bewegungsablauf wird in Teilsegmente zerlegt, die zunächst isoliert trainiert und - Schritt für Schritt aufeinander aufbauend - letztendlich zur Zieltechnik zusammengefügt. So wird zum Beispiel ein Bewegungsablauf zunächst ohne Ball durchgeführt, damit der Torhüter sich ausschließlich auf die richtige Bewegungsausführung konzentrieren kann, indem einzelne Elemente (z.B. Fußarbeit, Handführung, Auftaktschritt) speziell herausgegriffen und geübt werden. Erst wenn die Einzelbewegungen korrekt beherrscht werden, wird – dann auch mit Ball – die Gesamtbewegung durchgeführt und der vollständige Bewegungsablauf trainiert. Außerdem muss im Lernweg der methodischen Reihe das Prinzip vom Leichten zum Schweren und vom Einfachen zum Komplexen beachtet werden.
Der Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass die Trainingsinhalte und Anforderungen an den jeweiligen Leistungsstand des Torhüters angepasst und an den jeweiligen Lernfortschritt ausgerichtet werden können.
Methode 2: Lernen am Vorbild
Diese Methode verfolgt ein anderes Ziel. Indem ein junger Torhüter die Bewegungsabläufe von Profitorhütern – insbesondere anhand von Videomaterial - genau beobachtet, macht er sich richtige Bewegungsabläufe bewusst und verinnerlicht sie. Er nimmt sich also einen Top-Torhüter, wie im folgenden Video Nationaltorhüter Oliver Baumann, zum Vorbild und versucht, dessen Verhalten im Anschluss als technisches Bewegungsideal zu kopieren, durch entsprechend hohe Wiederholungszahlen und Korrekten „einzuschleifen“ und sich so der Idealvorstellung anzunähern. So kann er z.B. in dem folgenden Video erkennen, in welchem Abstand Oliver Baumann den Schritt setzt, wie seine Handführung aussieht oder wie er sich zum Ball abdrückt.Durch viele Trainingsübungen nähert er sich der Zieltechnik immer mehr an.
Auch zu dieser Lernmethode stehen auf Goalguard geeignete Inhalte zur Verfügung. Unter der Rubrik Techniken bieten wir zu jeder Torwartechnik Videos mit Bewegungsabläufen verschiedener Profi-Torhütern an, weil jeder Torhüter trotz eines grundsätzlich ähnlichen Bewegungsmusters seine eigenen Bewegungsabläufe hat.
Methode 3: Individuelle Abläufe entwickeln
Wenn man Spitzentorhüter in ihrem Bewegungsablauf miteinander vergleicht, wird man von Torhüter zu Torhüter einige Unterschiede feststellen können. Es scheint also nicht nur die eine Bewegungsausführung zu geben, also auch keine falsche. Aus diesem Grund lässt dieses Konzept deshalb Unterschiede bewusst zu und betrachtet Abweichungen von der Norm nicht als technische Fehler. Klassische technische Vorbilder sind daher nicht vorgesehen. Der Grundgedanke hinter dieser Methode ist, dass Bewegungen individuell sind, denn je nach Größe, Körperbau und koordinativen Voraussetzungen bewegt sich jeder Mensch anders. Deshalb kann sich niemand auf die exakt gleiche Weise bewegen wie ein Anderer.
Allerdings muss der gewählte Bewegungsablauf Ähnlichkeiten mit der Zieltechnik aufweisen. Weil der Trainer kaum korrigiert und Hinweise auf eine falsche Lösung nicht vorgesehen sind, entwickelt der Torhüter die Fähigkeit, durch häufige Wiederholungen „seine“ adäquate Technik zu entwickeln, angepasst an seine körperlichen Voraussetzungen und Hebelverhältnisse.
Methode 4: Das spielgemäße Konzept: Spielen – Üben - Spielen
Das spielgemäße Konzept ist eine sportpädagogische Methode, die den Fokus von Anfang an auf das Spielen legt. Dieses Konzept orientiert sich am Spiel auf Bolzplätzen. Kinder lernen hier das Spiel, indem sie einfach nur spielen. Sie kämen nicht auf die Idee, zuerst technische Abläufe zu lernen, bevor sie mit dem Spielen beginnen. Auf dem Bolzplatz entwickeln die Kinder Techniken und Spielverständnis durch Spaß, Freude und Ausprobieren. Genau hier setzt das spielgemäße Konzept an.
Das Ziel des spielgemäßen Konzeptes ist also, die Vermittlung der Technik im richtigen Moment gezielt einzusetzen, anstatt sie schon von Anfang an zu trainieren. Bei dieser Vorgehensweise werden neben der Technik und einem besseren Spielverständnis auch sozialen Kompetenzen wie Teamarbeit und Kommunikation gefördert, weil Spieler und Torhüter von Anfang an zusammenspielen und Probleme gemeinsam lösen müssen. Der Denkansatz der spielgemäßen Kompetenz dreht den klassischen Ansatz der Sportvermittlung um. Nicht die Technik steht an erster Stelle, sondern der Lehrsatz lautet: „Erst das Spiel! Dann die Technik!“

