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„Das Gehirn ist der Chef des Körpers“ lautet eine Überschrift im neu erschienenen Buch „Training beginnt im Kopf“ von Lars Lienhard, einem der führenden deutschen Experten auf dem Gebiet der Neuroathletik. In der Wissenschaft setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass das Gehirn und das Nervensystem sportliche Leistungen entscheidend bestimmen. Nichts passiert, ohne dass das Gehirn die Aktion veranlasst hat. Jede Aktion geht also vom Gehirn aus. Das Gehirn empfängt Signale von den Sinnesorganen (sensorischer Input), verarbeitet diese blitzschnell (Integration) und setzt sie dann in eine Bewegung um (motorischer Output). Je besser und hochwertiger das Gehirn Informationen aufnimmt und verarbeitet, umso schneller kann es die Informationen in eine präzise, dynamische und koordinierte Bewegung umsetzen. In anderen Worten: Je schneller die Verarbeitung von Informationen im Gehirn abläuft, umso besser und schneller kann der Torhüter die gestellte Aufgabe lösen!

Unser Mitarbeiter Simon Panter, Torwarttrainer beim Frauen-Bundesligisten SC Sand und unter Bundestrainerin Steffi Jones Torwarttrainer der Frauen-Nationalmannschaft, befasst sich bereits schon länger mit der Frage, wie man kognitives Training sinnvoll ins Torwarttraining einbauen kann. Besonderen Wert legt er bei seinen Übungen auf die Schulung der Wahrnehmung und Konzentrationsfähigkeit, der Augen-Hand-Koordination sowie der Gleichgewichtsfähigkeit. Anhand von acht Level zeigt er auf, wie die Anforderungen an den Torhüter durch veränderte Aufgabenstellungen immer angepasst oder erhöht werden können.

Die Übungen führte Simon mit der 116-fachen kanadischen Nationaltorhüterin Erin McLeod durch.

Die Torhüterin kniet auf je einem Balancepad und versucht, während der Übung den Körper so auszubalancieren, dass sie den Boden mit den Füßen möglichst nicht berührt. Der Trainer wirft einen Ball auf die rechte oder linke Körperhälfte der Torhüterin und ruft gleichzeitig eine Farbe auf (z.B. „rot“). Die Torhüterin muss den Ball mit der richtigen Hand fangen, d.h. mit der Hand auf der entsprechenden Körperhälfte. Anschließend legt sie den Ball im umgedrehten Markierungsteller mit der vom Trainer aufgerufenen Farbe ab.

Level 2 hat denselben Übungsablauf wie Level 1. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Torhüterin nur noch mit einem Knie auf dem Balancepad ist. Dadurch wird es für die Torhüterin schwieriger, die Körpermitte und die Balance aufrecht zu erhalten.

Bei Level 3 befindet sich die Torhüterin wieder auf zwei Balancepads. Die Aufgabe besteht wieder in der akustische Wahrnehmung. Der TR wirft den Ball auf eine Körperhälfte der Torhüterin. Der rechten Körperhälfte werden gerade, der linken ungerade Zahlen zugewiesen. Der Trainer ruft eine Zahl und eine Farbe, z.B. „3 rot“. Aufgabe der Torhüterin ist es, zunächst anhand der aufgerufenen Zahl (z.B. 3 > ungerade Zahl > linke Hand) zu erkennen, mit welcher Hand der Ball gefangen werden soll. Anschließend legt sie den Ball (z.B. „rot“) auf den roten Markierungsteller und hält dabei möglichst das Gleichgewicht.

Die Aufgabenstellung bei Level 4 ist dieselbe wie bei Level 3. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Torhüterin mit einem Knie auf dem Balancepad kniet und sich dadurch unter erschwerten Bedingungen ausbalancieren muss.

Bei dieser Übung mit Fitlights steht die Torhüterin in aufrechter Position, den Oberkörper leicht nach vorne gebeugt. Vor der Torhüterin stehen vier Stangen, an denen auf halber Höhe jeweils ein Fitlight angebracht ist. Der Trainer steht hinter den Stangen im Abstand von ca. 4 m zur Torhüterin. Wenn der Trainer der Torhüterin einen Ball zuwirft, ruft er gleichzeitig eine Farbe auf, z.B. „rot“. Die Torhüterin muss beim Fangen aus dem peripheren Blickfeld erkennen, welches Fitlight in diesem Moment die Farbe „rot“ anzeigt und den Ball zu Füßen dieser Stange im Feld ablegen. Da sich die Farbe der Fitlights an den Stangen ständig ändert, muss sich die Torhüterin also bei jedem Zuwurf neu orientieren.

Bei Level 6 geht es um die visuelle Wahrnehmung und Signalverarbeitung. Die Torhüterin steht wieder in aufrechter Position, der Oberkörper ist leicht nach vorne gebeugt. Vor dem Trainer liegen Markierungsteller in vier verschiedenen Farben. Während der Trainer der Torhüterin den Ball zuwirft, tritt er auf einen der Markierungsteller. Die Torhüterin nimmt die Farbe dieses angetippten Markierungstellers wahr und beobachtet zugleich im peripheren Blickfeld, welches Fitlight diese Farbe aufzeigt. In diesem Feld legt sie dann den Ball ab.

Die Torhüterin befindet sich wieder in derselben Ausgangssituation wie in den beiden Übungen zuvor. Der Unterschied bei Level 7 zu den anderen Übungen besteht darin, dass der Trainer mit einem kurzen Tritt auf den jeweiligen Markierungsteller (z.B. auf „grün“) anzeigt, in welches Feld der Tennisball abgelegt werden soll. Wo sich das grüne Feld gerade befindet, zeigt die Farbe der Fitlights an. Anders verhält es sich, wenn der Trainer im Anschluss an den Wurf die Hand hebt. Dieses Zeichen bedeutet, dass die Torhüterin in diesem Fall die Fitlights außer Acht lässt und den Ball (hier „grün“) im grünen Feld von Markierungstellern am Boden ablegen muss. Wenn der Trainer die Hand nicht anhebt, ist die Torhüterin auf die oberen Lichter fixiert. Wenn er die Hand hebt, orientiert sich die Torhüterin an der Farbe der Markierungsteller.

Der Level 8 hat denselben Übungsablauf wie Level 7. Die zusätzliche Aufgabe und Herausforderung besteht darin, dass die Torhüterin einen Schritt in Richtung des Feldes macht, wo sie den Ball ablegen will. Dadurch wird zusätzlich der richtige Auftaktschritt geschult.

Training

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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