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Man muss nicht unbedingt Mathematiker sein, um die Wahrscheinlichkeit eines Treffers beim Elfmeter berechnen zu können. Als Grundlage nimmt man zunächst die Größe eines Tores. Von der FIFA vorgeschrieben sind die Maße von 7,32 x 2,44 m. Multipliziert man die beiden Zahlen, um die Fläche zu berechnen, ergibt sich ein Wert von 17,86, also ungefähr 18 m². Nimmt man nun für einen Torhüter die Durchschnittsgröße aller Bundesliga-Torhüter (1,91 m) zur Grundlage und rechnet mit einer Spannweite von 2,50 m, wenn der Torhüter die Arme seitlich ausbreitet, ergibt sich eine Fläche von 4,77 m, also ca. 5 m².

Torhüter zu Torverhältnis

Teilt man nun diese fünf Quadratmeter durch die 18 Quadratmeter des Tores, kommt man auf einen Wert von 0,27 oder ca. 25 %. Das ist in etwa die Fläche eines Tores, die ein Torwart bei einem Elfmeter abdecken kann. Oder anders ausgedrückt: 75 Prozent des Tores sind demzufolge ungedeckt. Rein mathematisch liegt also die Trefferwahrscheinlichkeit beim Elfmeter bei 75 Prozent. Wie die unten aufgeführte Statistik der vergangenen 10 Spielzeiten zeigt, liegt die Erfolgsrate der Schützen aber in der Regel sogar um einige Prozentpunkte höher, denn in nur 23 % der Strafstöße konnte der Schütze den Elfmeter nicht verwandeln.

Untersuchung der Elfmeter in der Saison 2018/19

Legt man die Zahlen der abgelaufenen Saison zu Grunde, ergeben sich einige interessante Aspekte. Der wichtigste: Die Elfmeterschützen in dieser Saison waren erfolgreicher als in den drei Spielzeiten davor, und das, obwohl die Vorlieben der Schützen bei der Wahl der Torecke inzwischen alle statistisch erfasst und somit dem Torhüter bekannt sind.

Auch insgesamt waren die Stürmer erfolgreicher als sonst. Die zurückliegende Bundesliga-Saison war nämlich die torreichste in diesem Jahrtausend. Insgesamt fielen 973 Tore. Davon wurden 91 Tore nach Elfmetern erzielt. 74 Strafstöße wurden verwandelt, 17 hingegen vergeben. Achtmal konnten die Torhüter den Strafstoß parieren, die restlichen Elfmeter landeten am Pfosten oder neben dem Tor. Aus diesen Zahlen ergibt sich eine Trefferquote von 82 %, oder anders formuliert: Nur 18 % aller Elfmeter wurden verschossen.

In der vergangenen Saison 2018/19 gab es neun Mannschaften, deren Elfmeterschützen alle Strafstöße verwandeln konnten und die somit eine Erfolgsquote von 100 % aufwiesen. Am wenigsten erfolgreich waren die Schützen des Absteigers 1. FC Nürnberg, die von sechs Elfmetern nur zwei im Tor unterbringen konnten. Die zweit schlechteste Quote wies mit 57,1 % Borussia Mönchengladbach auf. Von sieben Elfmetern konnten deren Elfmeter-Spezialisten nur vier verwandeln.

Interessant ist auch ein Blick auf die Anzahl von Elfmetern, die den jeweiligen Vereinen der ersten Bundesliga zugesprochen wurden. Spitzenreiter Schalke 04 durfte 9-mal zu einem Strafstoß antreten, Absteiger VfB Stuttgart hingegen nur einmal.

Die Elfmeterstatistik 2018/19 im Vergleich mit früheren Spielzeiten

Aus der folgenden Tabelle wird ersichtlich, wie viele Elfmeter in einem Zeitraum von zehn Spielzeiten in der jeweiligen Saison in der ersten Bundesliga verhängt wurden und wie hoch die Erfolgsquote der Elfmeterschützen war.

Die Statistik zeigt, dass die Elfmeterschützen in der Saison 2018/19 erfolgreicher waren als sonst. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Spielzeiten waren die Schützen bei 77,04 % aller Strafstöße erfolgreich, in der abgelaufenen Saison hingegen bei 82,7 %. Im Durchschnitt wurden in der Zeit von 2008/09 bis 2018/19 81,8 Elfmeter pro Saison verhängt. Auffallend ist, dass alle Spielzeiten mit mehr als 90 Strafstöße in einer Saison in den vergangenen drei Jahren liegen.

Fazit

Die untersuchten Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Chance des Torhüters, einen Elfmeter abzuwehren, mit einem durchschnittlichen Wert von ca. 23 % weiterhin relativ gering ist. Obwohl heutzutage die bevorzugten Ecken jedes Schützen statistisch erfasst werden und ein Torhüter daher bestens auf einen Schützen vorbereitet sein müsste, hat sich bei der Erfolgsquote von Torhütern wenig verändert.

Analyse

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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