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In sportwissenschaftlichen Zeitschriften gibt es inzwischen eine Vielzahl an Studien, die die besondere Bedeutung der Verbindung zwischen Wahrnehmungsfähigkeit und der Reaktions- bzw. Handlungsfähigkeit unterstreichen. Trotzdem sind viele Ergebnisse bisher noch wenig in die Praxis übertragen worden. Trainer und Vereine müssen daher dafür sensibilisiert werden, dass gerade Antizipation, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und die schnelle Informationsverarbeitung hervorragend geschult werden können.

Warum ist die Aufmerksamkeit für Torhüter wichtig?

In einem Spiel gibt es viele Anreize, die den Torhüter von seiner Aufgabe ablenken können. Er muss z.B. das „Pfeifkonzert“ des gegnerischen Publikums vor dem Ausführen eines Eckballs ignorieren, darf sich nicht von Entscheidungen des Schiedsrichters oder dem Erwartungsdruck in seiner Konzentration stören lassen. Alle diese Stör- und Ablenkungsversuche muss er im Spiel ausblenden können.

Sein Fokus auf das Spiel ist nicht immer gleich. In einigen Spielsituationen ist es wichtig und notwendig, die Aufmerksamkeit gezielt und selektiv auf ein Objekt zu richten, andere Situationen hingegen fordern einen breiteren Aufmerksamkeitsfokus. Beispiel: Beim Abstoß muss der Torhüter z.B. seine Aufmerksamkeit weit streuen. Um einen Mitspieler zielgenau zu erreichen, scannt er die Zielräume für Mitspieler und behält gleichzeitig die Gegenspieler im Blick. Er muss sich also auf mehrere Informationsquellen konzentrieren. Man spricht in der Sportwissenschaft von geteilter Aufmerksamkeit.

In der Elfmetersituation oder vor Torabschlüssen des Gegners hingegen grenzt der Torhüter seine Aufmerksamkeit stark ein und richtet seinen Fokus nur auf diese Szene. Er achtet auf Bewegungen des Angreifers und konzentriert sich auf den Zeitpunkt des Torabschlusses, um für die Abwehraktion bereit zu sein. Sein Verhalten lässt sich am besten mit dem Lichtstrahl eines Scheinwerfers beschreiben, der auf eine bestimmte Sache gerichtet ist. Im Scheinwerferlicht wird nur dieser Aspekt näher betrachtet, alles andere bleibt im Dunkeln und wird ausgeblendet. Dieses Verhalten wird in der Sportwissenschaft als selektive Aufmerksamkeit bezeichnet.

Die Brain Wall – So funktioniert sie!

Die selektive Aufmerksamkeit ist in der Sportwissenschaft wohl die bislang am meisten erforschte Komponente des kognitiven Trainings. Sie hat das Ziel, aus einer Vielfalt an Informationen diese heraus zu selektieren, die für die richtige Entscheidungsfindung wichtig sind. Genau diese Fähigkeit wird vom Torhüter in starkem Maße gefordert. Doch wie kann man diese Fähigkeit im Trainingsalltag trainieren?

Michael Rechner, Torwarttrainer beim Bundesligisten TSG Hoffenheim und Gründer von Goalkeeping Development, hat sich dazu Gedanken gemacht und mit der Brain Wall ein Hilfsmittel für das Torwarttraining entwickelt, mit dessen Hilfe genau die selektive Aufmerksamkeit, die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung des Keepers geschult werden können. Das Ziel ist, auf diese Weise die Handlungsschnelligkeit der Torhüter im Kopf zu verbessern. Der Torhüter soll aus einer Vielzahl an Informationen, die auf der Brain Wall als Zahlen, Buchstaben, Farben oder geometrischen Formen dargestellt sind, die vom Trainer geforderte erkennen und selektieren.

Michael Rechner hat dafür zwei unterschiedliche Brain Walls mit unterschiedlichen Motiven entwickelt. Sie bestehen beides aus einer 97 x 97 großen, einrollbaren und witterungsbeständigen Plane, die auf einen Rebounder, an einen Zaun oder an die Bande befestigt oder auf den Boden gelegt werden kann. Den Grundgedanken der Brain Wall sowie einige Optionen, wie dieses Trainingsgerät eingesetzt werden kann, zeigen wir euch im Folgenden an einigen Beispielen.

Brain Wall 1: Diese Wall besteht aus vier verschiedenfarbigen Quadraten, um die herum Zahlen, Farbkreise, Buchstaben und geometrische Formen angeordnet sind. Wie die Arbeit mit dieser Brain Wall aussieht, veranschaulichen folgende Beispiele: Der Trainer ruft einen Buchstaben auf (X). Der Torhüter soll schnellstmöglich erkennen, in welchem Quadrat der Buchstabe zu finden ist und benennt anschließend die Hintergrundfarbe des entsprechenden Quadrates (ROT). Im Abschluss erfolgt eine Anschlussaktion. Dies kann z.B. ein Abdruck, ein Pass oder eine Reaktion sein. Mögliche Variationen desselben Prinzips: Die niedrigste Zahl im aufgerufenen Quadrat GELB finden (6), den aufgerufenen kleinen Farbkreis BLAU dem richtigen Farbquadrat (GELB) zuordnen. Gesteigert werden kann die Aufgabe zur Informationsverarbeitung, wenn der Trainer 3x4 (12) ruft und der TH die errechnete Zahl in Farbquadrat finden muss, in dem die Zahl steht (BLAU).

Brain Wall 2: Ähnlich funktioniert auch der Einsatz von Brain Wall 2. Allerdings erhält dieses Quadrat im Inneren der Abbildung neben Zahlen auch Abbildungen von Torwarttechniken. Um diese herum sind wiederum Zahlen, Farbkreise, Buchstaben und geometrische Formen angeordnet. Die Arbeit mit dieser Wand funktioniert folgendermaßen: Der Trainer ruft beispielsweise „X – höchste Zahl“. Der Torhüter hat die Aufgabe, die größte Zahl in der Spalte unterhalb des genannten Buchstabens zu erkennen, also die Zahl 34. Noch ein Beispiel gefällig? Der Trainer ruft eine Zahl (z.B. 14), während der Torhüter die Farbe der Zahl nennen muss (PINK). Auch diese Brain Wall funktioniert also ähnlich wie die zuerst beschriebene, unterscheidet sich aber in der Darstellung und der Aufgabenstellung.

Alle Übungen auf beiden Brain Walls haben zwei Aspekte gemeinsam: Zum einen soll die Aufmerksamkeit und schnelle Informationsverarbeitung des Torhüters geschult werden. Er soll aus einer Vielzahl an Informationen diese herausfinden, die vom Trainer gefordert wird. Zum anderen ist jeder torwartspezifischen Aufgabe ist immer eine kognitive Aufgabe vorgeschaltet.

Das Gehirn ist das zentrale Steuerungsorgan unseres Körpers. Dort entstehen alle Entscheidungen und Bewegungen. Insofern werden Verbesserungen in der Schaltzentrale jedes Menschen automatisch schnelleres Handeln und schnelleres Erkennen von Situationen nach sich ziehen. Deshalb stellen effiziente visuelle Aufmerksamkeitsprozesse eine wesentliche kognitive Voraussetzung für erfolgreiche Leistungen im Sport dar.

Wenn du dich weiter über das Produkt und die Arbeitsweise mit der Brain Wall informieren willst, kannst du dir alle weiteren Informationen direkt bei Goalkeeping Development einholen.

Trainingshilfen

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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