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Etwas überraschend war die Nachricht schon, als bekannt wurde, dass Ramazan Özcan vom FC Ingolstadt zum Ligakonkurrenten Bayer Leverkusen wechselt. Immerhin war er noch vertraglich bis 2019 an die Bayern gebunden und absolvierte in der vergangenen Saison 28 Spiele für die Schanzer, war also Stammtorwart. Zum FC Ingolstadt war er 2011 nach den Stationen RB Salzburg, TSG Hoffenheim und Besiktas Istanbul gewechselt, absolvierte 147 Spiele für diesen Verein und war Publikumsliebling. Nun hat er sich bis 2019 an Bayer Leverkusen gebunden. Goalguard sprach mit Ramazan über die Gründe seines Wechsels zu Bayer 04 sowie seine zukünftige Rolle beim Werksklub.

Artur Stopper Ramazan, du warst in den vergangenen 5 Jahren beim FC Ingolstadt Aufstiegsheld, Leistungsträger und Liebling der Fans. Wie schwer fiel es dir, nach so vielen erfolgreichen Jahren und großer Wertschätzung Ingolstadt zu verlassen?

Ramazan Özcan Jeder Transfer hat natürlich ein weinendes und ein lachendes Auge. Ich hatte fünf schöne und intensive Jahre in Ingolstadt und habe mit dem Verein viel erlebt. Es war eine wunderbare Zeit für mich. Aber jetzt ist es schön für mich, ein Teil des großartigen Vereins Bayer Leverkusen zu sein.

Artur Stopper Einigermaßen überraschend ist für viele der Zeitpunkt des Abschieds, denn du hattest erst vor kurzem deinen Vertrag bis 2019 verlängert. Warum hast du dich trotz bestehendem Vertrag kurzfristig für einen Wechsel nach Leverkusen entschieden?

Ramazan Özcan Zu einem normalen anderen Bundesligisten wäre ich nicht gewechselt. Aber es ist sicherlich der Traum jedes Profifußballers, einmal die Champions-League-Hymne zu hören, egal ob auf dem Platz oder auf der Ersatzbank. Außerdem habe ich schon als Kind den Verein Bayer Leverkusen wegen Hansjörg Butt verfolgt. Deshalb ist es für mich eine Ehre, bei diesem Klub dabei zu sein.

Artur Stopper Du bist bei Bayer hinter der unumstrittenen Nummer eins Bernd Leno erst einmal nur als Nummer zwei eingeplant, ziehst als die Ersatzbank bei Leverkusen einem Stammplatz beim FC Ingolstadt vor. Hast du trotz meist starker Leistungen zuletzt nicht mehr das Vertrauen der Verantwortlichen gespürt?

Ramazan Özcan Nein, das war sicherlich nicht der Grund. Der Verein hat mir in den Gesprächen klargemacht, dass ich eine Führungsperson sei, sie mich auf jeden Fall gerne behalten möchten und ich in der kommenden Saison als Nummer Eins in die Liga gegangen wäre. Mein ausdrücklicher Wunsch war es aber, die Chance zu einem Wechsel nach Leverkusen nutzen zu können.

Artur Stopper Rotation bei Feldspielern ist in der Bundesliga inzwischen gang und gäbe. Am Beginn der vergangenen Saison hatte sich der letztjährige Ingolstädter Trainer Ralph Hasenhüttl auch auf der Torwartposition für die Rotation entschieden. Hältst du diese nach deinen Erfahrungen für eine sinnvoll?

Ramazan Özcan Ich möchte keinem Trainer widersprechen, aber aus meiner Sicht ist sie wenig sinnvoll. Trainer haben eine große Verantwortung und müssen ständig ungefähr 25 Spielern gerecht werden. Nach meiner Meinung gibt es aber Positionen auf dem Spielfeld, die ständige Spielpraxis brauchen, um Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit zu bekommen. Dazu zählt für mich auch der Torhüter. Deshalb würde ich als Verantwortlicher keine Torwart-Rotation durchführen.

Ramazan Özcan in der Vorbereitung auf die Saison 2016/2017

Artur Stopper Dein neuer Verein Bayer Leverkusen spielt mit dem offensiven Pressing und dem frühen Ballerobern ein für dich neues Spielsystem. Wie schwer ist für einen Torhüter die Umstellung auf ein neues Spielsystem?

Ramazan Özcan Wir haben auch schon in Ingolstadt sehr hoch verteidigt. Aber es ist kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die spielerische Qualität und das Spieltempo im Bayer-Kader brutal hoch sind. Natürlich braucht es ein bisschen Zeit, sich in das Spielsystem einzufügen. Man muss höher stehen und den Raum hinter der Viererkette schließen, die fast im Bereich der Mittellinie positioniert ist. Aber das entsprechend taktisch richtige Verhalten lernt man peu a peu im Training.

Artur Stopper Wo siehst du deine Rolle bei Bayer Leverkusen in der kommenden Spielzeit?

Ramazan Özcan Ich weiß, woher ich komme, habe manches in meiner Karriere durchgemacht und musste mir vieles hart erarbeiten. Deshalb macht es mich stolz, allein ein Teil dieses großartigen Vereins zu sein. Ich hatte viele offene und ehrliche Gespräche mit der Vereinsführung und dem Trainer und weiß deshalb, was meine Rolle ist. Das Wichtigste ist immer der Erfolg des Vereins, denn wir tragen alle das gleiche Vereinswappen auf der Brust.

Artur Stopper Du hast schon viele Torwarttrainer erlebt. In Leverkusen trainierst du nun unter David Thiel. Was macht er anders als seine Vorgänger?

Ramazan Özcan Es wäre jetzt verkehrt, verschiedene Torwarttrainer miteinander zu vergleichen, denn ich möchte keinem zu nahe treten. Torhüter können von jedem Trainer etwas mitzunehmen, denn jeder Torwarttrainer hat seine eigenen Ideen und Übungen. Zu David kann ich aber schon jetzt sagen, dass er ein äußerst motivierter und moderner Torwarttrainer ist. Wir haben in den letzten beiden Wochen kaum eine Übung wiederholt. Sein Training ist sehr variabel und abwechslungsreich. Das finde ich gut. Uns Torhütern bei Bayer wird es sicherlich nicht langweilig werden.

Artur Stopper Du hast beim Werksklub einen Dreijahresvertrag bis 2019 unterschrieben. Worauf freust du dich bei deiner neuen Aufgabe am meisten?

Ramazan Özcan Ich freue mich einfach auf alles. Ich glaube man sieht mir diese Freude schon auf dem Trainingsplatz an. Bayer Leverkusen ist ein Verein, der sehr professionell geführt ist und alles für seine Spieler tut. Ich freue mich auch schon auf die Heimspiele in dem geilen Stadion, ich freue mich darauf, bei der Champions-League-Hymne mit dabei zu sein, ich freue mich, einfach ein Teil von diesem Großen zu sein. Ich hoffe, dass wir mit dieser jungen, tollen Truppe die meisten unserer gesteckten Ziele erreichen werden.

Artur Stopper Ich wünsche dir, dass du dir diese Freude möglichst lange erhältst und wünsche dir alles Gute für deine Zukunft. Ramazan, vielen Dank für das Interview.

InterviewRamazan Özcan

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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