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Normalerweise gehört Marcel Binanzer dem Kader des baden-württembergischen Oberligisten TSG Balingen an. Mitte Juni war er aber als Sportstudent an der Universität Tübingen in anderer Mission unterwegs. Er reiste mit seiner Uni-Mannschaft zur inoffiziellen Weltmeisterschaft der Universitäten nach Peking. Das allein wäre schon ein Grund zu großer Freude gewesen. Es kam noch schöner, denn mit seinem Team gewann er das Turnier und darf sich nun inoffizieller Uni-Weltmeister nennen. Wir haben Marcel zu seinen Erlebnissen und Eindrücken in China befragt.

Artur Stopper Marcel, zunächst Gratulation zur Erringung der inoffiziellen Uni-Weltmeisterschaft in Peking. Was bedeutet dir dieser Titel?

Marcel Binanzer Vielen Dank. Natürlich klingt es toll, sich Weltmeister nennen zu dürfen, auch wenn es keine offizielle Weltmeisterschaft war. Die Medaille wird auf jeden Fall einen besonderen Platz erhalten. Da sich mein Studium allmählich dem Ende zuneigt, werde ich wohl nicht mehr oft für die Uni-Mannschaft spielen dürfen. Somit ist dieser Titel nochmals ein schöner Abschluss.

Artur Stopper Ihr wart mit der Universität Tübingen der Vertreter Deutschlands. Wie kam es überhaupt dazu?

Marcel Binanzer Das Turnier wurde bereits letztes Jahr in Peking ausgetragen, allerdings noch ohne deutsche Beteiligung. Dieses Jahr wollten die Veranstalter unbedingt auch eine (möglichst die beste) deutsche Universität im Teilnehmerfeld. Da wir im letzten Jahr deutscher Vize-Hochschulmeister wurden und die Universität Bochum als deutscher Hochschulmeister bereits nach Portugal zur „Europameisterschaft“ flog, ging die Einladung schließlich nach Tübingen.

Artur Stopper Wie viele Mannschaften waren in Peking anwesend und aus welchen Ländern waren Universitäts-Mannschaften vertreten?

Marcel Binanzer Insgesamt waren 12 Mannschaft dabei, aufgeteilt in vier 3-er Gruppen, von denen sich die ersten beiden für das Viertelfinale qualifizieren. Die Mannschaften reisten aus der ganzen Welt an: Australien, USA, Hongkong, England, Holland, Canada, China und Deutschland.

Artur Stopper Während hierzulande das Turnier medial kaum wahrgenommen wurde, war die Veranstaltung in China ein Medienereignis. Wie habt ihr das gespürt?

Marcel Binanzer Das war wirklich extrem. Alle Spiele wurden mit verschiedenen Kameras gefilmt und als Livestream im Internet gezeigt. So konnten sogar unsere Familien in Deutschland beim Frühstück die Spiele sehen. Das Finale wurde dann sogar mit einer Drohne von oben aufgenommen und anscheinend15 Minuten im Chinesischen Staatsfernsehen übertragen. Auch die chinesische Bevölkerung war völlig begeistert von unserem Auftreten. Sogar bei unseren Trainingseinheiten waren stets Zuschauer anwesend, die alles und jeden fotographisch festhielten. Nach den Spielen war man dann jeweils noch eine halbe Stunde damit beschäftigt, Fotos und Selfies mit Zuschauern zu machen. Das war schon beeindruckend und für uns alles etwas Neues.

Artur Stopper Hattet ihr überhaupt die Möglichkeit, euch als Mannschaft gemeinsam auf das Turnier vorzubereiten?

Marcel Binanzer Offiziell hatten wir zwei gemeinsame Trainingseinheiten in Deutschland und ein Testspiel gegen die U19 des SSV Reutlingen. Allerdings spielte der Großteil der Mannschaft bereits im letzten Jahr bei der Hochschulmeisterschaft zusammen. Daher kannte man sich untereinander zumindest ein bisschen und war sich nicht völlig fremd. In Peking hatten wir dann noch drei Trainingseinheiten vor unserem ersten Gruppenspiel, in denen wir taktische Feinheiten einstudieren konnten.

Artur Stopper Du musstest als Torhüter im ganzen Turnier nicht ein einziges Gegentor hinnehmen. Waren eure Gegner zu schwach und du zu stark?

Marcel Binanzer Unsere Mannschaft hatte von Beginn an das Ziel, hinten sicher zu stehen und möglichst wenige Torchancen zu zulassen. Wir wussten, dass bei den klimatischen Bedingungen mit 35 Grad und einer gefühlten Luftfeuchtigkeit von 100% es schwer werden würde, einem Rückstand hinterherzulaufen. Das ist uns durch das gesamte Turnier hinweg sehr gut gelungen und die Situationen, die doch gefährlich wurden, konnte ich glücklicherweise immer entschärfen.

Artur Stopper Was habt ihr besser gemacht als eure Gegner, dass ihr euch als Sieger im Turnier durchgesetzt habt?

Marcel Binanzer Der Schlüssel zum Erfolg war sicherlich, wie bereits erwähnt, unsere taktische Ausrichtung, die voll aufging. Zudem hatten wir in jedem Spiel den entscheidenden Vorteil, in Führung zu gehen. Damit konnten wir das Spiel kontrollieren und mit unserer guten Bank gegen Ende hin dann entscheiden. Der Teamgeist innerhalb der Truppe war sicherlich außergewöhnlich und in der Form bei diesem Turnier einzigartig.

Artur Stopper Dein sportlicher Arbeitsplatz ist ansonsten im Tor des baden-württembergischen Oberligisten TSG Balingen. Erreichte das Turnier Oberliga-Format, oder wie würdest du das Niveau des Turniers einordnen?

Marcel Binanzer Vom Niveau schätze ich die Oberliga da doch nochmal ein Stück stärker ein. Weitere Abstufungen finde ich schwierig, wobei ich das Niveau im Finale schon in Richtung Verbandsliga einstufen würde.

Artur Stopper Neben dem Turnier habt ihr auf Besichtigungstouren auch Eindrücke von Peking und der Umgebung gewonnen. Was hat dich am meisten in Peking und seiner Umgebung beeindruckt?

Marcel Binanzer Sicherlich werden einem die Sehenswürdigkeiten, wie die Chinesische Mauer oder der Besuch der verbotenen Stadt, noch lange im Gedächtnis bleiben. Aber auch Dinge, wie beispielsweise der chinesische Straßenverkehr oder das typisch chinesische Essen waren eine neue Erfahrung. Den berühmt-berüchtigten Smog gibt es tatsächlich und man lernt einen Sonntagsspaziergang im heimischen Wald wieder mehr zu schätzen.

Artur Stopper Wie viel Rückenwind nimmst du für die kommende Oberliga-Saison aus diesem Turnier mit?

Marcel Binanzer Natürlich versuche ich die positiven Erlebnisse aus China auf die nächste Saison zu übertragen. Allerdings ist so ein Oberliga-Alltag dann doch etwas völlig anderes als ein zweiwöchiges Uni-Turnier. Daher hoffe ich zuallererst, verletzungsfrei zu bleiben und meine Leistung in den Spielen abzurufen.

Artur Stopper Marcel, ich drücke dir die Daumen, dass deine Wünsche in Erfüllung gehen.

InterviewMarcel Binanzer

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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