Login

GoalGuardGoalGuard

Seit 2008 spielt Alexander Schwolow schon beim SC Freiburg. Mit 16 Jahren wechselte er aus seiner Heimatstadt Wiesbaden ins Fußballinternat der Freiburger. Über die Jugend, über die Regionalligamannschaft der Breisgauer und einem Jahr Ausleihe bei Arminia Bielefeld entwickelte sich Alexander Schwolow zu dem, was er heute ist: Stammtorhüter des Bundesligisten SC Freiburg und einer der besten Torhüter der Bundesliga. Mit inzwischen 26 Jahren ist er noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. Das sehen wohl auch Verantwortliche mehrerer europäischer Top-Klubs so, denn das Interesse an dem Freiburger Keeper scheint groß zu sein. Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund, RB Leipzig, AS Rom, AC Florenz und sogar Thomas Tuchel von Paris St. Germain sollen nach Medienberichten bereits ein Auge auf den 26-jährigen Keeper geworfen haben.

Goalguard hat sich mit Alexander Schwolow über seine besondere Bindung zum SC Freiburg, seine Vorbereitung auf die in Kürze beginnende Bundesliga-Saison 2018/19, die Chancen seines Klubs in der kommenden Spielzeit sowie seine persönliche sportliche Zukunft unterhalten.

Artur Stopper Alexander, fast vier Wochen harter Trainingsarbeit liegen hinter dir. Bei wie viel Prozent deiner Leistungsfähigkeit bist du gefühlt schon angekommen?

Alexander Schwolow Ich fühle mich schon ziemlich gut. Natürlich fehlt noch die letzte Spritzigkeit, weil die Trainingsumfänge momentan höher sind als in einer normalen Trainingswoche. So ist der ein oder andere Ball dabei, den ich normalerweise halte, wenn das letzte Prozentpünktchen vorhanden ist. Ansonsten fühle ich mich aber topfit, weil ich mich gut vorbereitet habe. Von mir aus könnte es losgehen.

Artur Stopper Seit 2008 spielst du nun, abgesehen von einer Ausleihe an Arminia Bielefeld in der Saison 2014/15, für den SC Freiburg und hast vor nicht langer Zeit deinen Vertrag bis 2020 verlängert. Was macht den Standort Freiburg so besonders für dich?

Alexander Schwolow Wie du bereits erwähnt hast, bin ich seit 2008 in Freiburg. Ich habe dort mein Abitur gemacht und die meisten meiner Teenagerjahre verbracht. Das prägt einen natürlich. Ich fühle mich in Freiburg zu Hause. Außerdem schätze ich den Standort sehr, weil der gesamte Verein sympathisch und bodenständig ist. Man kann dort in Ruhe arbeiten, weil nicht jeden Tag mehrere Zeitungen versuchen, irgendwelche Storys zu machen. Das ist alles sehr positiv für uns. Zudem sind um uns herum tolle Leute am Werk. Es macht im Moment jedenfalls sehr viel Spaß, Teil dieses Vereins und dieses Projekts zu sein.

Artur Stopper Deine Enttäuschung in der Saison 2014/15 war groß, als der SC Freiburg Roman Bürki als Nummer eins verpflichtete, anstatt auf dich als Torhüter aus der eigenen Jugend zu vertrauen. Stattdessen wurdest du für ein Jahr an den damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld verliehen. War diese Entscheidung im Nachhinein genau die richtige für dich?

Alexander Schwolow Ich denke schon. Ich hätte damals natürlich am liebsten die Chance bekommen, und es wäre sicherlich interessant gewesen, was passiert wäre, wenn ich sie erhalten hätte. Es hätte funktionieren können, weil ich mich gut gefühlt hatte. Nichtsdestotrotz war das Jahr in Bielefeld für mich Gold wert, da ich so Schritt für Schritt ein stabiles Fundament aufbauen konnte. Damals wurde mir gesagt, dass man mit der Torwartposition sensibel umgehen müsse, was ich natürlich nicht hören wollte. Der Versuch hätte auch schief gehen können. Im Nachhinein war es aber die richtige Entscheidung, diesen Weg zu gehen. Das Jahr in Bielefeld war überragend für mich, ich habe viele Freunde gefunden und möchte diese Zeit nicht missen.

Artur Stopper Freiburgs Torwarttrainer Andreas Kronenberg gilt als ausgemachter Fachmann seines Bereichs. Wie entscheidend ist die Qualität des Torwarttrainings auf dem Weg zu einem guten Torhüter?

Alexander Schwolow Die Qualität des Trainings ist das A und O, besonders für einen jungen Torhüter. Bei uns sieht der Trainingsalltag immer so aus, dass wir zunächst bei unserem Torwarttrainer Andreas Kronenberg torwartspezifische Übungen zu unseren Stärken und Schwächen machen, um uns zu verbessern. Man kann nur besser werden, wenn man ins Detail geht und auf die genauen technischen Abläufe achtet.

Artur Stopper Neben deinen fußballerischen Fähigkeiten wird immer wieder auch deine enorme Sprung- und Schnellkraft gelobt. Wie viel regelmäßiges Krafttraining ist für einen Torhüter notwendig?

Alexander Schwolow Da bin ich mir auch nicht ganz sicher. Ich führe eher Sprünge durch, als im Kraftraum Gewichte zu stemmen. Krafttraining selbst setze ich vor allem zur Prävention ein, um die Grundlagen für meine Kraftfähigkeit zu legen und das Gesamtkörpersystem zu stabilisieren. In meiner Jugendzeit in Wiesbaden absolvierte ich enorm viele Sprünge unter meinem damaligen Torwarttrainer Steffen Vogler. Nach meiner Meinung werden viele Grundlagen in der Jugend gelegt. Natürlich sollte man damit nicht zu früh beginnen und Wachstumsphasen mitberücksichtigen. Aber diese Intensität an Sprüngen kommt mir wohl bis heute zu Gute.

Artur Stopper Trotz 56 Gegentoren in der vergangenen Saison und damit der zweischlechtesten Defensive der Bundesliga hast du wiederum eine überzeugende Saison gespielt. Das ist offensichtlich auch ausländischen Spitzenklubs wie dem AS Rom oder Paris St. Germain sowie dem AC Florenz nicht entgangen. Auch einige englische Erstligisten sollen schon die Fühler nach dir ausgestreckt haben. Kann ein junger Mensch wie du angesichts der vielen, wohl klingenden Namen überhaupt noch ruhig schlafen?

Alexander Schwolow Es ist schon verrückt, was man so liest. Das gibt mir das tolle Gefühl, dass ich nicht so viel verkehrt mache. Zudem fällt den Leuten, die etwas genauer hinschauen, wohl auf, was ich kann. Das Interesse an meiner Person zeigt auch, dass unsere Arbeit Früchte trägt. Selbstverständlich freue ich mich darüber, wenn ich im Urlaub von dem Interesse verschiedener Vereine lese. Direkt angerufen hat mich aber keiner. Deshalb beschäftige ich mich nicht weiter damit. Wenn mich ein Verein wirklich haben will, werden sie mich direkt anrufen. Als freundlicher Mensch gehe ich auch ans Telefon (lacht).

Artur Stopper Du bist inzwischen 26 Jahre alt. Wann wäre nach deiner Meinung der richtige Zeitpunkt für den großen Karrieresprung?

Alexander Schwolow Ich finde, dass die Bundesliga schon die große Fußballwelt ist. Wenn man überlegt, wie viele Jungs den Traum träumen, einmal in der Bundesliga zu spielen, und wie wenige es letztendlich schaffen, sollte man nie vergessen, was man schon erreicht hat. Weil ich alle Schritte von der Regionalliga über die dritte und zweite Bundesliga bis hin zur Bundesliga gemacht habe, weiß ich zu schätzen, was ich dem Verein durch eine gute Ausbildung zu verdanken habe. Ob der nächste Schritt irgendwann kommt, wird man sehen. Es muss immer auch alles passen, wenn man ins Ausland geht. Fakt ist, dass ich im Moment sehr zufrieden bin und Stand jetzt sich nichts verändern wird. Aber man wird sehen.

Artur Stopper Du hast vorher das mediale Interesse und die Aufarbeitung bestimmter Informationen in Teilen der Presse bei Großvereinen und dem gegenüber die Ruhe in Freiburg angesprochen. Macht dich das Beispiel Loris Karius manchmal nachdenklich, den Sprung in die große Fußballwelt zu vollziehen?

Alexander Schwolow Nachdenklich macht mich das nicht. Ich finde es nur krass, welch großen Karriereknick zwei Patzer bedeuten können. Als Torwart geht das sehr schnell. Deshalb sollte man nie vergessen, wo man herkommt und bodenständig bleiben. Die Situation für Karius ist schwierig. Ich hoffe, er lässt die Situation nicht zu nahe an sich herankommen. Er muss einfach weitermachen, Fehler passieren. Der Worst Case für ihn ist, dass diese Fehler im Finale passiert sind. Das ist der Alptraum jedes Torhüters oder Sportlers.

Artur Stopper Sicherlich hast du auch die WM in Russland aufmerksam verfolgt. Welcher Torhüter hat dir besonders imponiert? Von wem konntest du dir etwas abschauen?

Alexander Schwolow Courtois hat mir sehr gut gefallen. Er ist nicht der gleiche Spielertyp wie ich, denn mit einer Größe von 1,99 m ist er einer der größten Torhüter in europäischen Top-Ligen und hat aufgrund seiner Größe andere technische Abläufe. Auch David de Gea ist ein super Rückhalt, auch wenn es nicht sein Turnier war und er sich nur wenig auszeichnen konnte. Außerdem schaue ist Marc-Andre ter Stegen, den ich von U-Nationalmannschaften her persönlich kenne, gerne zu.

Artur Stopper Gibt es Aspekte, an denen du zukünftig noch besonders arbeiten möchtest?

Alexander Schwolow Ich möchte weiterhin konstant spielen und noch mehr Ausreißer nach oben haben. Außerdem möchte ich zusammen mit dem Defensivverbund erreichen, dass wir weniger Gegentore hinnehmen müssen. Das beginnt mit einem guten Coaching von mir, damit wir eine bessere Abstimmung haben und stabiler sind. Ich möchte noch weiter an meinem linken Fuß arbeiten und in der Luft präsent sein.

Artur Stopper Du hast insgesamt 12 Länderspiele in den Nachwuchsmannschaften des DFB absolviert. In der Nationalmannschaft steht möglicherweise ein großer Umbruch bevor. Könnte dabei der Name Schwolow auch eine Rolle spielen?

Alexander Schwolow Natürlich würde ich mich darüber freuen und bei einem Anruf sofort parat stehen. Aber wir haben viele gute Torhüter in Deutschland. Außerdem hat die Vergangenheit gezeigt, dass die meisten Torhüter, die für die Nationalmannschaft nominiert wurden, europäisch spielen mussten. Deshalb stellt sich die Frage, ob ich in dieses Auswahlraster überhaupt hineinpasse.

Artur Stopper Im Trainingslager konntest du dir einen Einblick in die Qualität des neuen Kaders verschaffen. Können die Fans beruhigt in die Zukunft schauen?

Alexander Schwolow (schmunzelt) Ganz beruhigt kann man beim SC nie sein, wir machen es leider immer ein bisschen spannend. Trotzdem denke ich, dass wir super Jungs dazubekommen haben. Schade ist, dass wir mir mit Yoric Ravet und Caglar Söyüncü schon die ersten Ausfälle beklagen müssen. Verletzte können wir nicht brauchen, weil wir keinen Kader haben, mit dem wir fünf verletzte Spieler gleichwertig ersetzen können. Wenn aber alle fit sind, stehen wir meiner Meinung nach gut da und können eine gute Saison spielen. Oberstes Ziel bleibt natürlich der Klassenerhalt. Die Basis für den Erfolg ist vorhanden, denn wir verstehen uns gut untereinander und haben einen guten Teamgeist, weil die meisten schon lange im Verein sind.

Artur Stopper Alexander, wir wünschen dir weiterhin eine gute sportliche Entwicklung und drücken dir die Daumen für die künftige Saison 2018/19.

Interview1. BundesligaSC FreiburgAlexander Schwolow

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

Ähnliche Inhalte