Fußball wird auf dem Feld immer jünger, schneller und athletischer. Doch wirft man einen Blick zwischen die Pfosten dieser WM, werden die Torhüter immer älter. Fünf Torhüter sind bei der WM 2026 schon über 40 Jahre alt.
Bereits in der Vergangenheit gab es Torhüter, die in diesem fortgeschrittenen Alter noch an einer WM teilnahmen, aber nur vereinzelt. Der ehemalige russische Welttorhüter Lew Jaschin fuhr mit 40 noch mit zur WM 1970, wurde allerdings nicht eingesetzt. Pat Jennings, Nordirlands Torhüter-Ikone, bestritt an seinem 41. Geburtstag das letzte von 119 Länderspielen bei der WM 1986 gegen Brasilien. Englands nimmermüder Nationaltorwart Peter Shilton überzeugte noch bei der WM 1990 mit knapp 41 Jahren. Der Italiener Dino Zoff ist bis heute mit 40 Jahren ältester Weltmeister (1982). Bei der WM 2014 anvancierte der Kolumbianer Faryd Mondragon, der zwischen 2007 und 2010 für den 1. FC Köln aktiv war, 43-jährig zwischenzeitlich zum ältesten Spieler der WM-Geschichte. Überholt wurde er vier Jahre später vom Ägypter Essam El-Hadary, der als 45-jähriger beim Turnier 2018 den Kolumbianer als ältester WM-Spieler überholte.Doch wie sieht die Altersstruktur bei der WM 2026 aus? Überwiegt der Anteil an älteren Torhüter auf der Stammposition oder bekommen viele junge Keeper eine Chance?
Die ältesten WM-Torhüter 2026
Der älteste Teilnehmer bei der WM 2026 ist mit 43 Jahren der schottische Schlussmann Craig Gordon ist mit 43 Jahren. Damit ist er zugleich auch der älteste Torhüter dieses Turniers und bei dieser Endrunde zum ersten Mal überhaupt dabei, weil Schottland sich seit 1998 nicht mehr qualifizieren konnte. Sollte Gordon bei dieser WM das Tor hüten, wäre er der zweitälteste Spieler der WM-Geschichte, hinter dem bereits erwähnten Ägypter Essam El-Hadary, der 2018 mit 45 Jahren spielte. Dieser Rekord kann bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada also nicht gebrochen werden.
Auf den Schotten folgt mit 40 Jahren der mexikanische Torhüter Guillermo Ochoa, der zudem mit sechs Teilnahmen an WM-Turnieren auf einer Ebene steht mit Messi und Ronaldo. Neben diesen beiden Torhütern, die noch zum Kader ihres Landes gehören, aber nicht mehr die Nummer eins im Team sind, gehören noch drei Stammtorhüter zum erlauchten Kreis der über 40-jährigen Torhüter bei dieser WM: Vozinha (Kap Verde), Fernando Muslera (Uruguay) und Manuel Neuer (Deutschland). Der 124-fache deutsche Nationaltorhüter ist zugleich der älteste deutsche Nationalspieler im aktuellen Kader und der älteste jemals bei einer WM eingesetzte DFB-Akteur.
Alter der Stammtorhüter
Interessant ist ein Blick auf die Altersverteilung der 48 Stammtorhüter bei der WM 2026, wie die folgende Grafik veranschaulicht.
Insgesamt liegt der Altersdurchschnitt unter den Stammtorhüter bei dieser WM bei 31,08 %. Dieser Wert macht bereits deutlich, dass Alter und Erfahrung bei der Auswahl der Nummer eins bei der WM eine wesentliche Rolle spielen. Ein noch genauerer Blick unterstreicht diese Feststellung. 30 der 48 Mannschaften, die an dem Turnier teilnehmen, setzen auf einen Torhüter zwischen den Pfosten, der 30 Jahre und älter ist. Das entspricht einem prozentualen Anteil von 62,5 %. Betrachtet man hingegen den Anteil an Torhüter unter 25 Jahren, ist deren Zahl mit nur drei Torhüter sehr gering. Bart Verbruggen (Niederlande), Zion Suzuki (Japan) und Patrick Beach (Australien) sind allesamt 23 Jahre alt und damit die jüngsten Stammtorhüter der WM 2026.
Gründe für hohen Altersdurchschnitt
Dass sich Torhüter immer länger zwischen den Pfosten halten, ist gewiss kein Zufall. Ein Grund: Die athletische Ausbildung ist seit vielen Jahren deutlich besser geworden und damit auch die Verletzungsprophylaxe. Hinzu kommt, dass das Torwartspiel nicht mehr auf die Torverteidigung reduziert ist, sondern Torhüter durch zusätzliche Aufgaben viele Entscheidungen treffen müssen, besonders in der Raumverteidigung und beim Spiel mit dem Fuß. Mit der zunehmenden Erfahrung, das sich über Tausende von Stunden auf dem Rasen angehäuft haben, gewinnt der Torhüter an Sicherheit bei der Entscheidungsfindung. So entwickelt er beispielsweise ein besseres Gefühl dafür, wann er bei Flanken herauskommen oder besser bleiben soll, gewinnt an Ruhe im Passspiel und erkennt an der Körpersprache, was der Schütze vorhat. Aufgaben, die ein 25-Jähriger mit Explosivkraft kompensiert, löst er mit guter Positionierung. Alter und Erfahrung geben dem Torhüter Sicherheit.

