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Den Älteren unter uns ist sicherlich die Szene noch in Erinnerung, als Oliver Kahn nach einem Fehler seines Mitspielers Andreas Herzog diesen, von hinten kommend, am Trikot packte und mehrmals kräftig durchschüttelte. Das war zweifellos auch eine Form der Kommunikation, aber eine für den Erfolg der Mannschaft sinnvolle? Xavi Ferrando, seit 11 Jahren in La Masia, der Jugendabteilung des FC Barcelona, tätig, setzte sich in seinem Vortrag „Torhüter-Kommunikation während des Spiels“ genau mit dieser Frage auseinander. Um es vorweg zu nehmen: Kahns Verhalten wäre nicht als beispielhaft dargestellt worden!/ the art of goalkeeping veranstaltet wurde.

Zunächst zeigte Ferrando aber anhand einer Grafik auf, wie die Torhüter-Ausbildung beim FC Barcelona strukturiert ist. Im Profibereich sind für das A- und B-Team sowie für die U19 drei Torwarttrainer hauptamtlich tätig, in der Jugend-Akademie La Masia von der U8 bis zur U16 vier. Das Thema von Ferrandos Vortrag war „Die Torhüter-Kommunikation während des Spiels“. Zunächst stellte er fest, dass jeder Mensch in seinem Alltag immer kommuniziert, egal, ob er etwas sagt oder nicht. So ist das auch bei einem Torhüter. Jeder Torwart kommuniziert zunächst mit sich selbst. Diese innere Kommunikation drückt sich in der Körperhaltung sowie in seinem Agieren aus. Hegt er Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit oder hat Versagensängste, strahlt er diese Unsicherheit auch aus. Umgekehrt hat der Torhüter eine selbstbewusste Ausstrahlung, wenn er von sich überzeugt ist. Wie wichtig der Körperausdruck eines Torhüters ist, machte er in einer Zahl anschaulich. Rund 50 % der Kommunikation bei einem Keeper mache die Körpersprache aus (Gesicht, Hände, Augen, Gesten, Körperhaltung …), war Ferrandos Aussage. Ebenso wichtig ist aber auch die Kommunikation zwischen dem Torhüter und seinen Mitspielern. Oft fallen nach Ferrandos Ansicht Tore wegen fehlender Kommunikation unter den Spielern. Deshalb müsse man besonders jungen Torhütern beibringen, dass sie überhaupt reden und sie dann dazu anleiten, wie man richtig miteinander kommuniziert. Denn dieselbe Information könne sprachlich völlig unterschiedlich ausgedrückt werden. Meist bestehe ein Unterschied zwischen dem, was ein Torhüter denkt, was er sagt und was der Mitspieler versteht. Im Training müsse deshalb ständig geübt werden, dass und wie die Informationen bei Mitspielern richtig ankommen.

Um die richtige Kommunikation führen zu können, sei zunächst die Grundvoraussetzung, dass der Torhüter selber das Spiel versteht, denn nur dann könne er die richtigen Anweisungen geben. Wie richtig kommuniziert wird, vermitteln die Torwarttrainer bei Barca zunächst innerhalb der Torhüter-Gruppe, dann in einer Kleingruppe zusammen mit Feldspielern und zuletzt im Spiel mit der gesamten Mannschaft. In Spielanalysen wird ermittelt, welche Anweisungen des Torhüters notwendig sind, und anschließend entschieden, wie man die Kommunikation im Training verbessern kann. Anhand von Videoszenen aus dem Jugendbereich machte er deutlich, wie bereits sehr junge Torhüter sich mit der gesamten Mannschaft je nach Spielsituation ohne Worte mitbewegen, weil sie die jeweilige Spielsituation innerlich reflektieren. Dieses Verhalten bezeichnete er als Kommunikation mit sich selbst. Mit einer Grafik machte er deutlich, welche Gedanken im Kopf eines Torhüters vorhanden sein können. Dazu zählen Anweisungen des Trainers, das Verhalten von Mitspielern, eventuell Gedanken zum Schiedsrichter oder auch zu den Zuschauern und der Umgebung. Die jungen Torhüter müssten zuerst erkennen, dass sie mit ihren Mitspielern sprechen müssen und warum. Zunächst sei es nicht wichtig, was sie sagen, sondern allein, dass sie anfangen zu reden. Wie die Barca-Trainer die sehr jungen Torhüter zum Sprechen bringen, verdeutlichte Ferrando anhand einer Videosequenz, in der ein junger Torhüter mit verbundenen Augen von einem anderen Torhüter von Reifen zu Reifen dirigiert wurde. Wichtig war dabei neben der Führung auch die Ermunterung des „Führenden“(z.B. „Mach dir keine Gedanken …). Manchmal machen sich die TW-Trainer bei Barca auch dazu Notizen, was der Torhüter während des Spiels in verschiedenen Situationen (Stellen der Mauer, Stellen der Spieler nach Spielunterbrechung usw.) gesagt hat. Diese Äußerungen dienen als Grundlage, um zu besprechen, welche Anweisungen gelungen und welche verbessert werden müssen. Mit weiteren Tipps zeigte er auf, wie z.B. ein junger Torhüter zum lauten Sprechen ermuntert oder hinter dem Tor vom TW-Trainer sinnvoll gecoacht werden kann. Manchmal bekommen die Torhüter der Akademie aber auch selbst die Aufgabe, jüngere Torhüter zu coachen.

Im letzten Teil seines Vortrags stellte Ferrando Beispiele „nicht effektiver“ und „effektiver Kommunikation“ vor. Zur nicht effektiven Kommunikation zählte er z.B. Verhaltensweisen wie Mitspieler anbrüllen, die falsche Wortwahl verwenden, zu schnelles oder zu langsames Reden, eine falsche Körpersprache oder ununterbrochen reden. Viel besser sind für ihn andere Kommunikationsformen: Hilfen in respektvollem Ton ausdrücken, Mitspieler loben, bei der Ansprache den Namen nennen oder eindeutige Anweisungen geben. Dazu zählt er konkrete Aufforderungen wie „näher ran, berühre den Gegner“ statt allgemeiner Formulierungen wie „auf geht´s“. Nach Ferrandos Meinung sollten alle Formen der Kommunikation stets den Respekt vor dem Mitspieler zum Ausdruck bringen. Doch woher weiß ein Torhüter, was er in der jeweiligen Situation sagen soll? Dazu hat Barca einen eigenen Sprachcode innerhalb des Vereins entwickelt. Egal, wer spielt oder in welchem Barca-Team ein Torhüter spielt, alle Spieler verwenden dieselben Wörter. Zu den vier Bereichen Torverteidigung, Raumverteidigung, Verarbeitung von Rückpässen und dem Angriffsspiel zeigte er mit Hilfe verschiedener Videosequenzen aus dem Jugendbereich mit eingeblendeten Sprechblasen auf, wie die bei Barca ausgebildeten Torhüter in der jeweiligen Spielsituation mit ihren Mitspielern kommunizieren. In seiner Zusammenfassung wies Ferrando noch einmal auf die Wichtigkeit der Kommunikation hin. Zum einen helfe der Torhüter damit seinen Mitspielern, zum anderen sei sie auch für den Torhüter selbst wichtig, weil er dadurch auch bei großer Überlegenheit seiner Mannschaft aufmerksam bleibt. Außerdem behalte der Torhüter bei ständiger Kommunikation die so wichtige Körpersprache bei. Selbstverständlich müssten die kommunikativen Anforderungen dem Alter der Torhüter angepasst werden.

VeranstaltungSeminar

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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