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Alljährlich wird in allen Teams zum Saisonbeginn ein neuer Mannschaftskapitän sowie sein Stellvertreter bestimmt oder gewählt. Für viele Spieler, Trainer und Experten ist es ein wichtiges Amt, weil damit eine Wertschätzung und Anerkennung verbunden ist. Der Gewählte oder Bestimmte nimmt eine wichtige Rolle in seiner Mannschaft ein. In 17 von 18 Bundesligavereinen bestimmte der Trainer den Mannschaftskapitän, nur Mike Frantz vom SC Freiburg wurde von seinem Teamkollegen zum Kapitän gewählt. Für Trainer Christian Streich ist diese Vorgehensweise selbstverständlich, weil für ihn der Spielführer „das Sprachrohr der Mannschaft“ ist. Andere Trainer begründen die Entscheidung, den Kapitän selbst zu bestimmen, damit, dass ein Kapitän mehr verkörpern müsse als nur die Sympathie innerhalb der Mannschaft. Von verlängertem Arm des Trainers auf dem Patz ist die Rede. Außerdem ist das Amt an Erwartungen des Trainers geknüpft. Auch zwei Torhüter füllen dieses Amt aus, nämlich Manuel Neuer beim deutschen Meister FC Bayern München und Alexander Nübel bei Schalke 04. Doch welche Qualitäten braucht ein Mannschaftskapitän überhaupt, um seine Rolle gut ausfüllen zu können?

Persönlichkeit

Ohne Zweifel sollte der Mannschaftskapitän eine Persönlichkeit sein, die sportlich herausragt und eine hohe Akzeptanz innerhalb der Mannschaft hat, sowohl bei seinen Mitspielern als auch im Trainerstab und den Verantwortlichen des Vereins. Er sollte außerdem sprachlich eloquent sein, um Anliegen der Mannschaft gegenüber den Verantwortlichen zum Ausdruck bringen zu können. Dieser Kategorie ist wohl Manuel Neuer vom deutschen Meister Bayern München zuzuordnen. Er ist kein Lautsprecher, sondern steht eher für Unaufgeregtheit. Wenn es etwas anzusprechen gilt, dann intern. Futter für mediales Aufbauschen liefert Neuer nicht. Das entspricht nicht seiner Art. Auch seine Leistungen auf dem Platz sind seit Jahren unumstritten. Diese Mischung aus sportlicher und persönlicher Stärke haben ihn bei seinem Verein Bayern München wie bei der deutschen Nationalmannschaft zu einem absoluten Leader gemacht.

Führungsqualitäten

Ein Spielführer braucht außerdem Führungsqualitäten. In schwierigen Momenten innerhalb eines Spiels oder einer erfolglosen Zeit muss er Verantwortung übernehmen können und vorangehen. Besonders für junge Spieler ist diese Eigenschaft zur Orientierung wichtig. Diesem Typ des Kapitäns entspricht sicherlich Dortmunds Kapitän Marco Reus, der diese Position von Marco Schmelzer übernommen hat. Der Fußballer des Jahres 2019 spielt seit zehn Jahren in der Bundesliga. Nach ersten erfolgreichen Jahren bei Borussia Mönchengladbach ist er bei Borussia Dortmund zu einem echten Führungsspieler gereift.Sportdirektor Michael Zorc findet, dass Reus genau der richtige Mann für den Job ist: "Marco ist als Mensch gereift. Er übernimmt mehr Verantwortung als zuvor, auf dem Feld und abseits des Platzes. Er hat eine natürliche Autorität." Sein Mitspieler Axel Witsel schwärmt sogar von seinem Kapitän: „Er ist fantastisch. Er ist sehr wichtig für uns, für den Klub, für die Fans.“ In der vergangenen Saison hatte 30-jährige Kapitän einen maßgeblichen Anteil an der hervorragenden Hinrunde der Dortmunder.

Soziale Kompetenz

Im Gegensatz zu früher müssen Spielführer heutzutage eine hohe Sozialkompetenz mitbringen. Das sind Fertigkeiten, die für die Gestaltung einer sozialen Interaktion innerhalb eines Teams nützlich sein können. So könnte ein Kapitän dazu beitragen, die Einstellungen seiner Mitspieler positiv zu beeinflussen und so intensiv zur Teamfähigkeit und Motivation in der Mannschaft beizutragen. Er sollte auch negative Strömungen oder Konflikte in einer Mannschaft erkennen und sie durch situationsangemessenes und kluges Verhalten zusammen mit dem Trainerteam in die richtige Richtung lenken. Diese Fähigkeiten schätzen die Spieler des SC Freiburg an Mike Frantz und wählten ihn bereits zum zweiten Mal zu ihrem Kapitän. Der 33-jährige gebürtige Saarländer gilt als echter Typ und unglaublich sympathisch. Auch wenn er in der vergangenen Saison wegen seiner langen Verletzungsphase keine tragende Rolle spielen konnte, war er als Mensch und Führungstyp eminent wichtig, denn er gilt auch jenseits des Spielfelds als eine absolute Leit- und Integrationsfigur.

Sprachliche Kompetenz

Viele Bundesligakader sind heute aus Spielern verschiedenster Nationen zusammengesetzt. Deshalb verläuft die Kommunikation untereinander nicht immer problemlos. In einem solchen Mannschaftsgefüge ist es überaus hilfreich, wenn es Spieler wie z.B. Diego Benaglio vor Jahren beim VfL Wolfsburg gibt, die mehrere Sprachen beherrschen. Der Schweizer sprach Deutsch, Englisch und Portugiesisch, weil er drei Jahre beim portugiesischen Verein National Funchal unter Vertrag stand. Außerdem konnte er noch etwas Spanisch und so wie alle Schweizer Französisch und Italienisch. Er brachte also in seiner Position als Mannschaftskapitän besondere Voraussetzungen mit, ein Ansprechpartner und verbindendes Element in seiner Mannschaft zu sein.

Immer wieder wird eine Diskussion darüber geführt, ob die Position des Torhüters überhaupt für das Amt des Mannschaftskapitäns geeignet sei. Für den langjährigen ehemaligen Bundesligatrainer Werner Lorant Laut käme ein Torhüter als Kapitän jedenfalls nicht in Frage. "Wie kann der Torwart der Mannschaft im Spiel helfen? Wenig!", meinte Lorant im Experten-Talk "Die Bayerische WM-Analyse": „Mit dem Torwart dort hinten kann ich doch nicht reden, wenn ich Stürmer bin", und hält deswegen einen Feldspieler für geeigneter. Für Manuel Neuer hingegen gibt es "gegen einen Torwart als Kapitän keine Argumente". DFB-Manager Oliver Bierhoff hält die Rolle des Kapitäns in der heutigen Zeit zum Teil für „überbewertet": „Im Fußball ist es wie bei Unternehmen nicht mehr wie vorher, dass der Kapitän über allem steht, der alleinige Chef ist und alles bestimmt.“ Sicherlich hat sich das Bild des Kapitäns als Leitwolf gegenüber früher verändert. Von einer flachen Hierarchie ist heutzutage die Rede, in der die Verantwortung auf dem Spielfeld auf mehrere Schultern verteilt ist. Trotz allem kann die richtige Wahl des Kapitäns nach wie vor entscheidend zur Atmosphäre innerhalb des Mannschaftsgefüges beitragen.

Torwartspiel

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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