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In vielen Sportarten ist die schnelle Beinarbeit der Schlüssel zum Erfolg. Auch im Fußballsport und speziell für Torhüter ist sie in vielen Aktionen enorm wichtig. Deshalb sind Trainer und Wissenschaftler immer auf der Suche nach Methoden und Techniken, um diesen Bereich zu optimieren. Ein relativ neues Hilfsmittel, mit dem die Schnelligkeit und die schnelle Beinarbeit verbessern werden können, ist der SpeedCourt. Seit 2010 ist dieses Aktionsfeld auf dem Markt. Mit seiner Hilfe kann der Athlet mittels einer Software die Antrittsschnelligkeit durch schnelle Richtungswechsel und explosive Antritte trainieren und auch messen, und das nicht nur im körperlichen Bereich (Koordination, Reaktion, Schnelligkeitsausdauer), sondern auch im kognitiven (z.B. Wahrnehmung, Entscheidung, räumliche Orientierung). Mit Hilfe von Sensoren kann außerdem auf bestimmten dafür installierten Feldern die Sprungkraft gemessen werden. Für viele europäische Spitzenklubs ist deshalb inzwischen die Arbeit auf dem SpeedCourt ein fester Bestandteil ihres Schnelligkeitstrainings.

Was ist ein SpeedCourt?

Wir haben für euch den SpeedCourt im Körperbau in Balingen besucht. Diese Anlage besteht aus einer Fläche von sieben x sieben Metern, es gibt aber auch kleinere Courts, z.B. mit einer Größe von 5 x 5 m. Der Speedcourt ist aus kunststoffähnlichen Quadraten zusammengesetzt. Auf diesen sind neun weiße Felder verteilt, unter denen hochempfindliche Sensoren Werte messen. Das mittlere der neun Felder ist zudem noch in Viertel unterteilt. Der Monitor neben dem SpeedCourt zeigt deshalb zwölf Ziffern an.

Welche Vorteile bietet das Training im SpeedCourt?

Zunächst hat der SpeedCourt für den Sportler einen sehr großen Aufforderungscharakter, weil er Ergebnisse messbar und vergleichbar macht. In einer Übung kann beispielsweise gemessen werden, wie viele Felder der Akteur in einer bestimmten Zeit anlaufen kann. Die erfassten Werte zeigen seine Schnelligkeit im Vergleich mit anderen Probanden. Diese Werte, gepaart mit einer Rangliste, sind eine wichtige Rückmeldung für den Athleten, wo er im Schnelligkeitsbereich mit seiner Leistung im Vergleich zu anderen steht.

Sich mit anderen zu messen, ist für Sportler eine wichtige Motivation. Wenn seine Leistungsdaten im Vergleich mit anderen verbesserungswürdig sind, wird er daran arbeiten und so besser werden. Dadurch wird das Leistungsniveau jedes Teilnehmers mit der Zeit angehoben, wovon alle profitieren.

Aber auch ohne den Vergleich mit anderen kann der Sportler ständig individuell überprüfen, ob sich seine Schnelligkeitswerte nach mehreren Übungseinheiten verbessert haben. Weil jeder Sportler das Ziel hat, in den Folgeversuchen noch schneller zu sein, arbeitet er immer mit maximalem Tempo. Dies ist die Grundlage dafür, sich auf Dauer im Schnelligkeitsbereich zu verbessern.

Echte Schnelligkeit beginnt im Kopf. Im SpeedCourt muss der Athlet die Information am Bildschirm möglichst schnell aufnehmen, verarbeiten und darauf reagieren. Auf diese Weise werden die motorischen (z.B. Koordination, Kraft, Ausdauer) und kognitiven Fähigkeiten (z.B. Wahrnehmung, Entscheidung, räumliche Orientierung) gleichermaßen effektiv trainiert. Die dadurch verbesserte Handlungsschnelligkeit ist bei Torhütern eine entscheidende Grundlage für den Erfolg.

Verschiedene Möglichkeiten des Trainings im SpeedCourt

Um zu sehen, welche Möglichkeiten die Arbeit im SpeedCourt speziell für Torhüter bietet, haben wir uns auf der Speedcourt-Anlage im Körperbau Balingen umgesehen. Im Folgenden stellen wir euch Möglichkeiten vor, wie mit geeigneten Programmen und Übungen die Beinarbeit und die Handlungsschnelligkeit bei Torhütern auf dem SpeedCourt verbessert werden können.

A) Chase-Programm

In diesem Programm geht es darum, die verschiedenen weißen Felder in möglichst kurzer Zeit abzulaufen. Es leuchten also ausschließlich die weißen Felder auf. Der Spieler / Torhüter berührt das Feld kurz mit dem Fuß. Sobald er das Feld berührt hat, leuchtet auf der Anzeigetafel das nächste Feld auf, das er ansteuern soll. Der Durchführende weiß also im Vorhinein nicht, welches Feld er als nächstes anlaufen muss. Innerhalb von 20 – 30 Sekunden (je nach Vorgabe) soll der Akteur möglichst viele Felder berühren.

B) Chase Next

Bei diesem Programm leuchten ein weißes und ein grünes Felder auf. Der Akteur muss immer das vorgegebene weiße Feld anlaufen und mit dem Fuß kurz berühren. Während der Aktion bekommt er aber bereits in grüner Farbe das Feld angezeigt, welches er anschließend anlaufen muss. Bei dieser Aktion muss der Akteur also bereits während des Laufes wahrnehmen, in welche Richtung er sich in der nächsten Aktion abdrücken muss, um sein Laufprogramm möglichst schnell durchzuführen. Dieses Programm verbindet also die Wahrnehmung mit schnellen Richtungswechseln.

C) Chase Colour

Bei diesem Programm leuchten neben der Farbe weiß drei weitere Farben auf, nämlich grün, rot und blau. Die weiße Farbe gibt wieder an, in welches Feld der Durchführende als nächstes laufen muss. Wenn ein Feld mit der Farbe grün aufleuchtend, muss der Akteur immer zum mittleren Feld laufen. Wenn die Farbe blau aufleuchtet, muss er das Feld zweimal berühren. Wenn hingegen ein Feld mit der Farbe rot angezeigt wird, muss der Durchführende immer das gegenüberliegende Feld anlaufen. Neben der schnellen Beinarbeit wird bei diesem Programm zusätzlich der kognitive Bereich stark gefordert und trainiert. Der Akteur muss nämlich die Information aufnehmen, sie schnell verarbeiten und in richtiges Handeln umsetzen. Bei diesem Programm liegt der Schwerpunkt neben der schnellen Beinarbeit vor allem auf der Verbesserung der Wahrnehmung und der Handlungsschnelligkeit. Die Abläufe im Kopf sollen so maximiert werden.

D) Memory

Beim Memory-Programm leuchten nur für einen kurzen Moment (3 Millisekunden) drei Felder gleichzeitig auf, die sich der Akteur merken, dann schnellstmöglich anlaufen und kurz mit dem Fuß berühren muss. Dabei ist es möglich, die aufgezeigten Felder mit oder ohne Zahlen anzuzeigen. Sind z.B. die Felder zusätzlich mit den Zahlen 1,2,3 aufgezeigt, muss der Durchführende die drei Felder genau in der vorgegebenen Reihenfolge anlaufen und berühren. Seine Aufgabe wird also dadurch erschwert.

E) Sternenlauf

Beim Sternenlauf startet der Akteur immer aus der Mitte und läuft von dort aus nach außen die an der Anzeigetafel aufgerufenen Felder an. Nach einer kurzen Berührung des Feldes mit dem Fuß kehrt er immer wieder zum mittleren Feld zurück und beginnt von dort aus mit der nächsten Aktion. Mit diesem Programm werden vor allem schnelle Richtungswechsel geschult, verbunden mit der Schulung der Technik, wie man sich richtig zum Rückwärtsbewegung abdrückt.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass im SpeedCourt vor allem die schnelle Beinarbeit in Verbindung mit der richtigen Lauftechnik, die Wahrnehmung und schnelle Erfassung von Situationen sowie die Handlungsschnelligkeit gleichzeitig optimal geschult werden können. Insofern ist der SpeedCourt ein überaus geeignetes Mittel, um die Fähigkeiten beim Torhüter auszubilden.

Trainingshilfen

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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