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Wenn man die Entwicklung des Torwartspiels in den letzten Jahren betrachtet, ist zu erkennen, dass die Anforderungen an die Torhüter deutlich zugenommen haben. Durch verbesserte Trainingsmethoden und eine Erhöhung des Trainingsumfangs wurden das Tempo und die Dynamik des Spiels um ein Vielfaches gesteigert. Veränderungen des Regelwerks wie z.B. die Rückpassregel verlangten außerdem Techniken, die von Torhütern früherer Generationen weniger oder gar nicht gefordert waren. Trotz all dieser Veränderungen gibt es einige grundsätzliche Regeln, die meiner Meinung nach die Grundlage für ein erfolgreiches Torwartspiel sind.

Erste Regel: Den Winkel verkürzen

Der Torwart muss, sobald Gefahr im Verzug ist, sein Stellungsspiel so einrichten, dass er sofort den Winkel zum Schützen verkürzt, um das Tor für den Schützen möglichst klein zu machen. Warum dieses Verhalten wichtig ist und welche Vorteile es bringt, den Winkel zu verkürzen, erklärt euch Goalguard.de anhand der folgenden Bilder. Bei Bild 1 liegt der Torhüter in gestreckter Haltung parallel zur Torlinie im Tor. Seine Füße befinden sich genau in der Tormitte. Misst man die Entfernung zwischen den Fingerspitzen und dem Torpfosten, so beträgt diese 1,31 m.

In Bild 2 rückte der Torhüter ca. 3 m vor die Torlinie und legte sich wieder von der Tormitte aus parallel zur Torlinie quer auf den Boden. Misst man nun den Abstand zwischen seinen Fingerspitzen und dem Baustellenband, so beträgt der Abstand nur noch 0,48 m, d.h. durch das Vorrücken des Torhüters um ca. 3 m muss der Torhüter 83 cm weniger an Zwischenraum abdecken. Fällt der Torhüter noch leicht schräg nach vorne im 90 ° Winkel zum Band und nicht nur parallel zur Torlinie einfach zur Seite, so kann er den Abstand noch einmal zum ca. 6 cm verringern. Diese Werte zeigen anschaulich, wie wichtig es bei einem Torhüter ist, dass er nicht auf der Torlinie stehen bleibt, sondern den Winkel verkürzt, solange der Schütze noch nicht schießt. Denn bleibt er auf der Torlinie stehen, kann er sein Tor nur schwerer verteidigen.

Ebenso wichtig ist es für ihn, dass er den Ball angreift, also leicht nach vorne und nicht nur zur Seite oder nach hinten fällt. Dasselbe Prinzip gilt auch für hohe Bälle. Wie Abb. 3 zeigt, hat der Torhüter keine Chance, einen Ball Richtung Torwinkel zu erreichen, wenn er auf der Torlinie stehen bleibt und von dort abspringt.

Rückt er aber wie bei Abb. 4 wieder ca. 3 m nach vorne, verkürzt er den Zwischenraum zum Baustellenband beträchtlich und hat die Möglichkeit, den ansteigenden Ball schon im Steigen zu erreichen und damit den Ball abzuwehren, bevor der Ball den Torwinkel erreicht. Daher gilt auch in diesem Fall die Forderung, den Ball anzugreifen und schräg nach vorne zu fallen. Natürlich birgt das Vorrücken des Torhüters die Gefahr in sich, dass der Raum über ihm ungedeckt bleibt. Aber es gehört ein großes technisches Vermögen des Schützen dazu, die vorgerückte Position des Torhüters durch einen Heber auszunützen, zumal er beim Torschuss von Gegenspielern bedrängt und gestört wird. Dieses Risiko muss der Torhüter aber eingehen, weil er sich in weitaus mehr Situationen durch sein offensives Verhalten Vorteile verschafft.

Zweite Regel: Beim Schuss ruhig im Gleichgewicht stehen

Der Torwart sollte immer ruhig im Gleichgewicht stehen. Tut er das nicht, passiert es ihm, dass er auf dem „falschen“ Fuß erwischt wird. In dieser Situation hat er keine Möglichkeit mehr, auf die andere Torseite zu reagieren, da der Schwerpunkt des Körpers auf die andere Seite verlagert ist. Daher ist der Zustand des Gleichgewichts eine wichtige Voraussetzung, um optimal auf einen Schuss reagieren zu können. Manchmal sind Torhüter noch in der Vorwärtsbewegung, wenn der Schütze schießt. In dieser Schrittstellung haben sie aber keine Möglichkeit, explosiv zum Ball zu springen. Richtig im Gleichgewicht stehen bedeutet aber auch, dass sich der Torhüter nicht in Rücklage befindet, sondern den Körperschwerpunkt mit dem Oberkörper nach vorne gebeugt auf die Fußballen verlagert hat. Nur so gelingt es ihm, sich mit dem Vorderfuß des ballnahen Beines explosiv zum Ball abzudrücken.

Dritte Regel: Beim Schuss des Gegners nicht mehr in Bewegung sein

Sicherlich ist es, wie bereits oben erwähnt, wichtig, möglichst nahe an den Gegner heranzukommen, solange der Schuss noch nicht erfolgt, um das Tor zu „verkleinern“. Dabei besteht die Gefahr, dass der Torhüter zu lange bestrebt ist, den Winkel zu verkürzen, und deshalb im Moment des Schusses noch im Laufen ist. Aus dieser Position heraus kann er aber nicht reagieren, da er nicht im Gleichgewicht steht. Deshalb sollte der Torhüter nur so lange den Winkel verkürzen, solange der Schütze den Ball noch treibt oder sich den Ball zu weit vorgelegt hat, so dass er möglicherweise den Ball direkt klären kann. Im Moment des Schusses darf der Torwart aber nicht mehr in Bewegung sein und muss im Gleichgewicht stehen.

Torwartspiel

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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