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Eine gute Vororientierung ist nicht nur für Feldspieler, sondern auch für Torhüter eine wichtige Voraussetzung, um bestimmte Spielsituationen frühzeitig zu erkennen und somit richtig zu agieren. Schon bevor eine bestimmte Spielsituation eintritt, soll der Torhüter bereits verschiedene Informationen aufnehmen, um dann die Situation optimal lösen zu können. Dazu muss er bereits vor der eigentlichen Aktion wahrnehmen, wie viele Gegner sich im gefährlichen Bereich vor dem Tor befinden, wie sich Mit- und Gegenspieler verhalten, aus welchem Winkel der Ballführende auf den Torhüter zukommt, ob der gegnerische Stürmer Optionen zu einem Querpass hat oder eher den Torabschluss bevorzugen könnte. Nur mit diesen Vorinformationen ist der Torhüter in der Lage, die richtige Entscheidung zu treffen und seine optimale Grundposition einzunehmen, um einen Torerfolg zu verhindern.

Simon Panter, der seit 2011 die Torhüterinnen des Frauen-Bundesligisten SC Sand trainiert und während der Trainerzeit von Bundestrainerin Steffi Jones für die Torhüterinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft zuständig war, hat sich mit diesem Thema und der praktischen Umsetzung bei Torhütern beschäftigt. In einem Vortrag mit dem Titel „Die Vororientierung des Torhüters bei Flanken“ stellte er beim Torwarttrainer-Seminar 2017 in Bregenz anhand verschiedener Übungen dar, wie Torhüter dazu angeleitet werden können, sich nicht nur auf den Flankengeber von außen zu konzentrieren, sondern auch wahrzunehmen, was unmittelbar vor seinem Tor passiert. Denn von dort droht meist die eigentliche Torgefahr. Als Hilfsmittel setzte er dazu optischen Signale wie Markierungsteller oder Kärtchen ein. Die Aufgabe der Torhüter war, in einer gefahrlosen Situation – zum Beispiel wenn der Flankengeber den Ball etwas weiter vorlegte - kurz den Blick vom Ballführenden zu lösen und die Farbe des Markierungstellers zu rufen, den der Trainer in der Strafraummitte hochhielt. Im Spiel ist dieses Verhalten absolut notwendig, denn nur wenn der Torhüter möglichst viele Informationen zur Situation im Strafraum aufnimmt, kann er seine Mitspieler bestmöglich coachen und für sich die richtete Entscheidung treffen. Eine gute Vororientierung ist also die Grundlage, eine Situation optimal zu lösen.

Bei den Übungsformen von Simon Panter in dem anschließenden kurzen Video könnt ihr erkennen, dass der Torhüter zur seiner Vororientierung Momente nutzt, wenn der gegnerische Spieler den Ball vorlegt oder noch einmal vom Tor abdreht. In diesen Momenten kann der Torhüter kurz den Blick vom Ballführenden abwenden. Indem der Trainer einen Markierungsteller oder ein Kärtchen in einer bestimmten Farbe, die der Torhüter laut rufen muss, hochhält, zwingt der Trainer den Torhüter zum Blick vor das Tor. So lernt der Torhüter die Informationen über die visuelle Wahrnehmung aufzuznehmen, die er für eine erfolgreiche Lösung der Situation benötigt.

Torwartspiel

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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