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Der unvergessliche Motivations- und Lebensphilosoph Dale Carnegie (hier lohnt sich „googlen“ mal wirklich…) zitierte einst in einem seiner besten Werke „Sorge dich nicht! Lebe!“ wie folgt: „Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken!“ Die Aussagekraft dieser 7 Wörter haben wir sicherlich schon alle am eigenen Leib erfahren. Auch ohne es vielleicht zu wissen… 7 Wörter, die unser Wohlbefinden gravierend beeinflussen und auch den Erfolg oder Misserfolg in unseren Leben ausmachen. Denn auf die Bewertung unseres Tuns kommt es an! Die eigene Anerkennung des von uns Erreichten! Die Macht der Gedanken hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf unsere Lebensqualität und hält nicht nur den Alltag, das „Übliche“, sondern auch die Leistungsfähigkeit eines Fußballtorhüters fest in ihrem Bann. Nicht immer sind es die Sachen, die Situationen oder auch die Probleme, die uns gewinnen oder verlieren lassen, sondern vielmehr die Kunst eines vorteilhaften Denkens, die doch eigentlich in unseren Händen liegen sollte. Nicht einfach und nicht immer abrufbar, das sollten wir alle wissen! Aber von größtem Vorteil, wenn wir uns dazu bereit erklären, die positive Bewertung von Geschehnissen überhaupt zuzulassen. Das braucht bei vielen oftmals Zeit. Zeit, die sich aber lohnend auszahlen wird! Denn das von der lieben Verwandtschaft so oft in Kindestagen aufgetischte „Teufelchen“ gilt es auszutricksen und mit dem uns ungleich mehr schmeichelnden „Engelchen“ zu ersetzen. Mit Schönfärberei und Selbstbetrug hat dieses Vorhaben nichts zu tun. Nein, es geht einzig und allein darum, das positive unserer wirklichen Stärken herauszuheben, ohne die negativen Aspekte unseres Daseins feige zu ignorieren. Denn das Positive in uns schaltet den Hebel auf Angriff, lässt uns unsere Stärken fühlen und stellt die Weichen des möglichen Scheiterns in den Schatten. Gewinner gewinnen nämlich nur, weil sie den Glauben an die eigene Kraft und Stärke nie verloren haben. Gedanklich reine Nuancen, und doch so groß!

Kevin Kunz ist vor Hamdi Rahmani zur StelleUnverzichtbar für ein erfolgreiches Fußballtorwartspiel, bei dem das vom Keeper als positiv angesehene Selbstbild „die Mutter“ aller Leistungsgaranten einer Keeper-Leistung sein wird. Ein Selbstbild, das die gelungenen Spielszenen und torwartspezifischen Erfahrungswerte abgespeichert hat und den Keeper auch unter Druck und Stress stetig daran erinnert. Beinahe wie ein wärmender, schützender Mantel! Ihn stärkt und ihm das Vertrauen in die eigene Leistungsstärke gibt. Den Bombardements unserer Gedankengeschütze („Das schaffst du! vs. Das schaffst du nicht!) nachhaltig Paroli bietet, die Seite der „Engel“ trainiert und den Teufel, der manchmal in uns wütet, zum Schweigen bringt. Die Keeper, die diese Qualitäten in sich tragen, strotzen vor Selbstbewusstsein und sehen den Anforderungen des Spieltages mit mutiger Lust und Gelassenheit entgegen. Erfolgreiches Torwartspiel ist Psychologie, die auf den Säulen eines positiven Selbstbildes wachsenden Halt finden wird. Denn ohne dem geht eigentlich nichts und das Spiel beherrscht den Keeper! Lässt ihn nur reagieren, anstatt selbstbewusst zu agieren! Das Spiel hingegen selbst zu beherrschen, sollte das alternativlose Ziel aller Absichten sein und macht den Glanz dieser Spielposition aus. Der Herr der eigenen Show zu sein! Das ist es!! Und das wollen wir eigentlich doch alle.

Ein selbstbewusstes und charismatisches Auftreten wird von innen heraus gesteuert und wirkt auch nur dann tatsächlich echt. Denn die eigenen Gefühle lassen sich nicht betrügen… Mit welchen Methoden und Mitteln lässt sich das Ruder unserer Selbstsicherheit in die richtige Richtung lenken? Wie können insbesondere jüngere, noch erfahrungsärmere Torhüter lernen, ein Spiel zu beherrschen? Der „King im Ring“ zu sein? Lassen Sie mich hierzu ein paar Vorschläge machen, die selbstverständlich ausbaubar und mit weiteren Ideen zu ergänzen sind. Ganz nach ihrem Belieben! Der Inhalt einer Methode ist dabei eher sekundär, da dieser selbstverständlich individuell geprägt ist. Die Absicht und der Wille, an dem Aufbau eines fundamentalen, erfolgsbringenden Selbstbildes arbeiten zu wollen, ist für den ambitionierten Keeper hingegen unverzichtbar. Entwickeln wir doch einfach das richtige Näschen für dieses zukunftsweisende Vorhaben! Diese Tugenden halte ich für notwendig:

1. Der totale Einsatz im Training

Das Fundament einer gesunden Psyche ist und bleibt der Trainingseifer und Ehrgeiz, sich stetig verbessern zu wollen. Der Glaube an sich und an die eigene Leistungsstärke kann sich nur dann entfalten, wenn im Training an den Stellschrauben der technischen und koordinativen Perfektion schweißtreibend gefeilt wird.

David Thiel und Ramazan Özcan im Trainingslager

Das rein physische Können muss trainiert werden, damit sich der Gedanke eines selbstbewussten Selbstbildes überhaupt ausbreiten darf. Darf und nicht kann? Natürlich! Denn die zuvor schon erwähnte Schönfärberei hat im Fußballtor nichts zu suchen. Der Glaube an die eigene Stärke entsteht im Training, denn nur was zigmal trainiert wurde, kann im Wettkampf auch Früchte tragen. Den Glauben an die eigene Leistungsstärke fördern. Der einzige Weg! Wir können unsere Mitmenschen täuschen, unser Unterbewusstsein nie und nimmer…

2. Das positive Reflektieren

Bernd Leno und David Thiel im August 2016Jeder Keeper hat sicherlich in seiner Laufbahn schon einmal die Bekanntschaft mit den Gefühlen einer Topform oder einem Formtief gemacht. Ich glaube sogar, dass das eine ohne das andere gar nicht sein kann. Denn extreme Erfahrungen sollten Energien freisetzen, die besondere Prozesse in uns zum Vorschein bringen. Beide Seiten fordern letztendlich den Schlüssel des Erfolges, und dieser trägt den Namen „Einsatz“. Qualität kommt bekanntlich von Qual, und das ist auch gut so. Sie gibt dem Gewinner das Recht der Genugtuung! Denn das Glück sollte man im Gelingen durch noch mehr Einsatz festigen, dem Formtief durch noch viel mehr Einsatz entgegen treten. Doch nur rein physisch lassen sich diese Phasen nicht bewältigen. Der positive Einsatz unserer Gedankenwelt kommt entscheidend hinzu. Was in guten Zeiten wie von selbst zu gelingen scheint, sollte auch in schlechten Zeiten weiterhin parat stehen. Der Glaube an uns selbst! Oder haben wir etwa durch ein bis zwei schlechtere Spiele unser Handwerk verlernt? Nein, ganz und gar nicht! Der Teufel in uns hat nur ein wenig seines zuvor verlorenen Feldes zurückerobert und flüstert uns nun hämisch zu: „Du bist schlecht. Du wirst wieder patzen!“ Eine Frechheit, die wir als solche auch empfinden sollten. Machen wir ihn lieber mundtot und bombardieren ihn mit positiven Erinnerungen, mit unseren Glanztaten, mit unserem Vertrauen eines nicht zu brechenden Selbstbildes. Bei allem „Ernst“! Was haben wir denn großartig zu verlieren?

3. Den Druck relativieren

David Thiel im Gespräch mit Ramazan Özcan und Niklas LombJa, was haben wir denn großartig zu verlieren? Unser Leben? Unsere Gesundheit? Unsere Lieben? Unseren Sinn? Unsere Berechtigung uns gut zu fühlen? Nein, eigentlich „nur“ ein Fußballspiel. Und nochmals nein, da das Leben für diesen Irrsinn viel zu endlich, viel zu kurz ist! Bitte verstehen sie mich jetzt nicht falsch. Das Seelenheil eines echten Keepers ist und bleibt das gute, das gelungene Spiel. Ohne dieses fühlt er sich einfach nicht wohl. Kann das quälende Leiden, das in ihm rumort, nur schwer, eigentlich gar nicht ertragen. Und dennoch, lassen wir uns davon doch nicht mehr so sehr vereinnahmen. Lassen wir den Teufel, der in uns wütet, nicht noch weitere Felder unserer einst so gesunden Gedankenwelt in Flammen setzen. Löschen wir seinen bösen Ertrag doch ganz easy mit dem simplen „L.m.a.A.“, „Lebbe“ geht weiter!, oder dem „Mund abputzen und weiter geht´s!“, konsequent bei Seite. Völlig richtig und die einzig richtige Wahl. Vorausgesetzt, dass im Vorfeld an Fleiß und Leidenschaft alles aktiviert wurde! Denn das definitiv Pauschale soll und muss hier, gegenüber dem Komplizierten, gegenüber dem nichts nützenden Kopfzerbrechen siegen! Die Meinung der anderen? Völlig Schnuppe! Zuschauer, Medien, Umfeld. Dessen Kritik sei und ist meinetwegen erlaubt. Aber herunterziehen lassen wir uns davon doch nicht. Warum auch? Standen die meisten von denen jemals im Tor? Können sie das Torwartspiel nachvollziehen? Auf gar keinen Fall. Also, wen schert es? Den eigenen Druck zu relativieren, darum geht es und sich von den falschen Propheten zu befreien! Mit den rein banalen Dingen! Das Leben könnte so einfach sein…Einen Versuch ist es doch wert! Oder etwa nicht?

4. Mentale Techniken

Ramazan Özcan beim DehnenDer richtige Einsatz einer mentalen Technik ist natürlich von Nutzen und kann je nach Typus für wahre Leistungsexplosionen sorgen. Den mentalen Gedankenkreislauf „Gedanke ⇒ Gefühl ⇒ Handlung ⇒ Aktion ⇒ Leistung" zu nutzen wird nie zum Nachteil sein. Sehen Sie hierzu beispielsweise den Abschnitt meines Artikels „Intuitive und wahrnehmende Situationen im Torwartspiel“ oder stöbern Sie in den vielen Fachlektüren dieses Themenbereiches einfach mal nach. Diese Mühe muss man sich schon machen. Denn zu viele „scheitern“, ich bitte um Verzeihung – ein dummes Wort – auf Grund ihres schrägen, Ich-tötenden Kopfkinos. Im Leben, wie auch auf dem Fußballfeld! Der ambitionierte Keeper wird hingegen nichts unversucht lassen, um sein Torwartspiel zu optimieren, seine Schwachstellen auszumerzen. Seinem Selbstbild eine leistungsfördernde Größe zu schenken. Dazu gehören auch diese Mühen! Machen wir uns nichts vor!

Hand aufs Herz! „Engelchen und Teufelchen“ stecken doch in jedem von uns drin. Sie drücken unsere Persönlichkeit aus und lassen uns Mensch sein! Machen uns zu dem, was wir tatsächlich sind. Denn wir alle haben Schwächen und Stärken und sind gerade deshalb ein Original! Dennoch kann uns niemand daran hindern – außer wir uns selbst - das Zepter des Guten, das in uns haust, selbst in die Hand zu nehmen und dem Nutzen eines positiven Selbstbildes förderndes Gehör zu schenken. Wir bestimmen, welche Stimme IN UNS gewinnt. Der eine mit mehr, der andere mit weniger Aufwand. Der Automatismus des Negativen lässt sich aber auch dadurch reduzieren, indem wir ihn relativieren. Ihn als belanglos akzeptieren und seiner Stimme allein dadurch weniger Gewicht geben. Ihm gerade so seine bohrende, uns manipulierende Wichtigkeit entziehen! Das ist meines Erachtens die Kunst, die gerade im Torwartspiel ausschlaggebend sein wird. Den Glauben an uns und unser Können müssen wir unserem Schädel permanent einhämmern und uns knallhart erarbeiten. Immer und immer wieder! Denn die Kraft der inneren Stimmen bestimmt unser Selbstbild, unsere Leistung, unsere Parade, unser Leben! Ein Selbstbild, das uns den Weg zeigen wird, wie wir ein Spiel beherrschen! Das Ziel aller Keeper Träume. Und das funktioniert nur mit „Engelchen“…

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Thorsten Albustin

Thorsten Albustin

Über den Autor

Thorsten Albustin war vom Sommer 2013 - 2016 hauptamtlicher Torwarttrainer der U17- und der U19-Mannschaft des FC Schalke 04. Zuvor arbeitete er in dieser Position für Rot-Weiß Essen und den MSV Duisburg. Sein gebündeltes Wissen veröffentlichte Albustin 2011 in dem Torwartbuch „Fußball-Torhüter: Das große Praxishandbuch für Spieler und Trainer.

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