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Was gab es zuerst, den Ball oder das Tor? Mit Sicherheit kann behauptet werden, dass es zunächst keinen Torhüter gab. Die englische Football Association führte 1871 eine Spielregel ein, in der erstmals die Rede von einem Spieler war, der den Ball in die Hände nehmen durfte. Der Torhüter, der das Tor verteidigt, ein Fußballer der eigentlich gar kein Fußballer ist. Er gehörte zwar zur Mannschaft, war aber in allen Belangen auf sich alleingestellt. Sein Platz war das Tor, das es zu verteidigen galt, aber er ist gleichzeitig Regisseur und Organisator seiner Abwehr. Er muss ein perfekter Techniker sein, der vielen Anforderungen gerecht wird. Der Torwart von heute ist weit mehr als jener vielleicht schon etwas angeschlagene Spieler von einst, dem die Aufgabe zufiel, das Tor zu hüten.

Das Fußballspiel beginnt ohne Torhüter

Seit gut hundert Jahren gibt es im Fußballspiel einen Torhüter, den Ball, das Tor und die Regeln. Als etwa 300 v. Chr. in China das Fußballspiel erfunden wurde, dachte aber noch niemand an einen Verteidiger des Tores. Auch später, als der römische Feldherr Julius Cäsar das Fußballspiel in den Ländern, die er erobert hatte, bekannt machte, war keineswegs die Rede von einem Torhüter. Nicht einmal, als die römischen Legionen das Fußballspiel in England einführten.

Der geworfene und gestoßene Stein wurde von den Angelsachsen durch einen aufgeblasenen Schweinsbalg ersetzt. Schon damals spielten die Bewohner eines Dorfes oder einer Stadt gegen die eines anderen Dorfes oder einer anderen Stadt. Wer den Ball zuerst in die Mitte des Ortes der gegnerischen Mannschaft brachte - meist war das ein freier Marktplatz - der hatte das Spiel gewonnen. Keiner stand unter einer Torlatte, geschweige in einem Tor. Auch in dem ersten Buch über Fußball „Guico del calcio“, 1580 in Florenz erschienen, ist nichts über einen Torhüter zu lesen.

Der Torhüter wird geboren

1863 wurden im Auftrag der englischen Football Association die Spielregeln zum ersten Mal schriftlicher niedergelegt. Es dauerte weitere achte Jahre, bis der Torwart „geboren“ war. Schon seit 1865 gehörte ein Tor zum Fußball. Es war 2,44 m hoch und zwischen die Pfosten wurde ein Tuch gespannt (so wurde der Diskussion, ob der Ball im Tor war oder nicht, entgegengewirkt). Und noch ein Unterschied zu heute: Zu Beginn durfte jeder Spieler den Ball mit den Händen aus dem Tor abwehren.

Im Grunde entstand der Torhüter aus einer Not. Ein Spieler, der sich in dem wilden Gemenge (diese Beschreibung des Spiels ist am zutreffendsten) verletzt hatte, stellte sich zwischen die beiden Pfosten. Im Laufe der Zeit bewährte sich dies und der Torwart eroberte sich seinen Platz in der Mannschaft. Als 1871 die Football Association den Beschluss fasste, den Torhüter ins Spiel einzuführen, war es nur noch einem Spieler erlaubt, den Ball in die Hände zu nehmen.

Der Status des Torhüters wurde schon bald aufgewertet. 1877 bekam das Tor eine Torlatte, 1885 wurde in Birmingham zum ersten Mal ein Netz hinter den Torhüter gespannt und 1883 wurde der ovale Rugbyball durch einen runden Ball ersetzt. Seit dem Jahr 1902 ist das Handspiel des Torwarts auf den Strafraum beschränkt. Vorher hatte er sich mit dem Ball in den Händen auf dem ganzen Spielfeld bewegen dürfen.

Die Aufgaben des Torhüters erweitern sich

In der Folgezeit haben sich die Rolle des Torwarts, seine Kleidung, Technik, Taktik und Einstellung gründlich gewandelt. Er entwickelte sich zu einem Allroundspieler, der in der heutigen Zeit bis weit vor seinem Tor mitdenken und agieren muss. Ein Organisator der Abwehr, der Selbstvertrauen, Übersicht, Fingerspitzengefühl und exzellente Technik mit voller Konzentrationsfähigkeit vereinen muss. Hierdurch ist der heutige Torhüter gekennzeichnet.

In den Anfängen des Spiels brauchte der Torhüter die Bälle nur faustend oder tretend abzuwehren. Fortlaufend sind im Laufe der Zeit die Anforderungen an das Torwartspiel stetig gewachsen, nicht zuletzt, weil sich der Gegner besser auf ihn und seine Aktionen eingestellt hatte. Zunächst mag es vertretbar gewesen sein, einen Ball fallen zu lassen, heutzutage hat es oft schlimme Folgen. Die Technik musste deshalb ausgefeilt werden. Es ging nicht mehr darum, Bälle einfach nur wegzufausten. Der Torhüter musste lernen, Bälle zu fangen, festzuhalten oder abzulenken. Zusätzlich musste er seine Schuss- und Wurftechnik verbessern. Das planlose Wegfausten der Bälle wich einer bewussten Fortsetzung des Spiels. Heute können Spiele durch eine schnelle Spielfortsetzung durch den Torhüter entschieden werden. Zudem ist sein Aktionsradius bis weit über den Strafraum hinaus ausgedehnt worden, wo er die identischen Rechte und Pflichten hat wie ein Feldspieler. Deshalb muss er auch die Techniken eines Feldspielers (köpfen, Ballan- und mitnahme, Schusstechniken usw.) beherrschen.

Zu Beginn wurde davon ausgegangen, dass ein Torhüter auch ohne ein spezielles Training alle geforderten Techniken beherrscht. Erst in den 90er-Jahren erkannte man die Notwendigkeit, den Torhüter durch torwartspezifische Trainingsformen - am besten bereits in jungen Jahren - zu schulen.

Technisch gesehen ist der Rolle des Torhüters im Laufe der Jahre mehr Gewicht beigemessen worden. Begnügte er sich anfangs ausschließlich und allein mit seinem Platz unter der Torlatte, so musste er zusätzlich schon bald den Strafraum beherrschen. Mittlerweile ist seine Präsenz bis weit über den Strafraum hinaus oft unabdingbar. Der Torhüter muss zeitweise in die Rolle eines Feldspielers schlüpfen. Die Arbeit eines Torhüters besteht somit nicht mehr nur darin, Bälle abzuwehren, sondern er wird jetzt auch mit gegnerischen Angriffsstrategien und Steilpässen konfrontiert. Die technische Schulung und Ausbildung des Torhüters hat sich inzwischen auf das neue Anforderungsprofil im Wettkampf angepasst.

Torwartspiel

Dennis Tiano

Dennis Tiano

Über den Autor

Dennis Tiano ist aktuell Torwarttrainer des SV Waldhof Mannheim 07 und zeitgleich ist er auch geschäftsführender Gesellschafter der Pantera Sports GmbH. Dennis baute sich zusätzlich zu seinem akademischen (Sozialpädagogik Bachelor of Arts, Prävention und Gesundheitsmanagement Master of Arts) auch einen sportlichen Werdegang auf. Besondere Ereignisse in seiner aktiven Zeit als Torhüter waren vor allem die Länderspiele (u.a. gegen England, Frankreich, Griechenlandund Belgien) für die deutsche Nationalmannschaft (DKFV) im Kleinfeldfußball, die Berufung in die Südwestauswahl im Futsal (Teilnahmean der deutschen Meisterschaft) sowie einige Spiele für den SV Darm- stadt 98 Futsal (Bundesliga). Als Torwarttrainer war Dennis Tiano für die Offenbacher Kickers, den 1. FC Kaiserslautern (Nachwuchsleistungszentrum) und den SC 1919 Hauenstein aktiv. In seiner Laufbahn als Torwarttrainer arbeitet er u.a. mit Trainern wie Jürgen Kohler, Bernhard Trares, Gerd Dais und Michael Fink zusammen.

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