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Kennt ihr Rope Martin (a.d.engl.). Nein, nie gehört? Dann passt jetzt mal bitte gut auf. Denn „Rope Martin“ ist der beste Keeper aller Zeiten! Überhaupt keine Ahnung? Nicht schlimm, denn am Ende dieses Artikels werdet ihr ihn kennen und schätzen gelernt haben. Aber der Reihe nach…

Die Leistungen der besten Keeper wurden seit jeher mit medialen Auszeichnungen respektvoll honoriert. „Torhüter des Jahres“, „Fußballer des Jahres“, oder auch das Superlativ „Welttorhüter des Jahres“ sind prestigeträchtige Titel, die diesen Torhütern den wohlverdienten Eintrag in die Geschichtsbücher des Fußballs sichern, sie schon zu aktiven Zeiten zur lebenden Legende werden lassen. Die Lorbeeren sind natürlich hochverdient, denn diese „Schnapper“ sind oder waren ohne Frage die Besten ihrer Zeit! An die beispielsweise famosen Leistungen eines Manuel Neuers im „FC Bayern Triple Jahr 2013“ und im darauffolgenden WM-Jahr 2014 können wir uns sicherlich alle noch bestens erinnern. Neuers herausragende Leistungen verhalfen der deutschen Fußballnationalmannschaft und seinem Verein, dem FC Bayern München, zu den wichtigsten Titeln, die es auf nationaler und internationaler Ebene zu gewinnen gibt. Den Status, den ein Manuel Neuer heutzutage innehat, traf auch auf die früheren Elite-Keeper zu. Oliver Kahn, Iker Casillas oder auch Peter Schmeichel, um nur einige zu nennen, dominierten die Szene und waren die unumstrittenen Branchenführer in ihrem Sport. Sie waren der Maßstab ihrer Zeitepoche und wurden, wie Neuer heute, vielfach ausgezeichnet und geehrt. Bei der Suche nach dem Besten aller Zeiten sollte aber auch die rasante Weiterentwicklung des Fußballs unbedingt mit berücksichtigt werden. Die Spielgeschwindigkeit nahm stetig zu, die taktischen Anforderungen wurden immer komplexer und die mittlerweile rundum verbesserte Athletik nahezu aller Akteure haben mit den Vergleichswerten früherer Tage nichts mehr gemeinsam. Dieser Reifeprozess hat sich natürlich auch auf die Anforderungen im Torwartspiel ausgewirkt und wird bislang von Manuel Neuer am besten interpretiert, der alle Top-Eigenschaften eines kompletten Torwartspieles wöchentlich unter Beweis stellt.

Der somit der Beste aller Zeiten ist? Betrachtet man das heutige, ungleich höhere Spiel- und Qualitätsniveau gegenüber dem früheren und Neuers Dominanz in eben diesem als Maßstab zu glänzen, so muss die Antwort auf diese Frage definitiv bejaht werden. Doch ist er auch der Beste in jeder torwartrelevanten Teildisziplin? Ich vermute, und das bei allem Respekt vor seinen Leistungen, bestimmt nicht. Der beste Keeper aller Zeiten heißt nämlich Rope Martin. Und das aus einem guten Grund. Denn der freilich rein fiktive Rope Martin hat die Gene der Weltbesten und dessen Paradedisziplinen vererbt bekommen und wird dadurch logischerweise zum „Mr. Unbezwingbar!“. Ich möchte euch nun ein ganz besonderes „Torhüter-Mahl“ zubereiten, bei dem nur die besten „Keeper-Zutaten“ verwendet werden. Rope Martin, so wird er dann heißen, wäre nach dieser Rezeptur der beste Keeper aller Zeiten und ganz bestimmt konkurrenzlos! Achtet bitte auf den rot markierten Anfangsbuchstaben … Sorry, ihr seid ja nicht … Lasst uns mit dem Festschmaus beginnen …

R-inat Dassajew: Strafraumbeherrschung / Flankenspiel

Der sowjetische Welttorhüter von 1988 konnte sich durch eine grandiose Strafraumbeherrschung und ein unglaublich mutiges, offensives Flankenspiel auszeichnen. Er war ein Meister des Antizipierens und des Umsetzens. Dassajew, 1,87 Meter groß und nur 77 kg schwer, hatte die nicht zu erlernende Gabe, Situationen schon dann zu entschärfen, bevor diese im Torlinienbereich überhaupt gefährlich werden konnten. Auf seine Spielposition angesprochen, antwortete er einmal so: „Ich gehe davon aus, dass nahezu alle Tore zu verhindern sind. Man muss sich richtig stellen oder im richtigen Moment die Flugbahn berechnen!“ Noch Fragen?

O-liver Kahn: Torlinie

Oliver Kahn

Der 3-malige Welttorhüter Oliver Kahn kann hier ruhigen Gewissens als das gegenteilige, aber bestimmt nicht negative Pendant Dassajews bezeichnet werden. Beim Flankenspiel defensiver eingestellt, glänzte er wie kaum ein anderer mit einer überragenden Linienqualität. Der Nachfolger von Raimond Aumann beim FC Bayern war in Sachen „Unhaltbare zu entschärfen“ nicht zu toppen. Kahn bewies in all seinen 557 Bundesligaspielen, dass ein Weltklasse-Keeper die Siege seiner Mannschaft vor allem mit den einzigartigen Fähigkeiten eines „Torlinien-Handwerkes“ festhalten kann.

P-eter Schmeichel: Coaching

Der dänische, 129-fache Nationalspieler Schmeichel stellte nachhaltig unter Beweis, dass ein effektives Coaching die erste aktive Ballabwehr im Fußballtor ist. Der 2-malige Welttorhüter brachte den Strafraum allein durch seine Präsenz und Körpersprache zum Glühen und dirigierte sein „Orchester“ strategisch und lautstark in Richtung Erfolg. Er war in 292 Premiere-League Spielen ein wahrer „Regisseur“ seines Ensembles und konnte fünfmal den Erfolg der englischen Meisterschaft unter seiner „Regieführung“ feiern.

E-dwin van der Saar: Fußballerische Qualitäten

Van der Saar wurde in der renommierten, weltbekannten Fußballakademie Ajax Amsterdams ausgebildet, für dessen Profimannschaft er 226 Meisterschaftsspiele absolvierte. Der beste Torhüter Europas (1995) gewann alle vereinsrelevanten Titel und beeindruckte mit einer unglaublich präzisen, beidfüßigen Spieleröffnung. Der 2-malige Champions-League- Gewinner konnte mit gutem Recht von sich behaupten, als elfter Feldspieler seiner Mannschaft tatsächlich zu agieren und demonstrierte eindrucksvoll, dass ein fußballerisch starker Keeper der erste wichtige Angreifer einer Mannschaft ist

M-anuel Neuer: Mitspielverhalten

Manuel Neuer

Kein anderer Torhüter kann und konnte ein Spiel so grandios lesen wie der Weltmeister von 2014. Der „Triple Sieger“ revolutionierte (wer kann das schon von sich behaupten…) das Torwartspiel mit seiner extrem offensiven, aber gerade dadurch sehr erfolgreichen Spielanlage. Neuer, der 2014 sogar Weltsportler des Jahres wurde, interpretiert die Rolle des Torwartspieles beinahe offensiver als der einstige im Feld gestandene Libero der 80er Jahre. Durch seine offensive Spielweise entschärft er viele Spielsituationen, bevor diese überhaupt gefährlich werden können, geschweige denn in „Strafraumnähe!!“ gelangen. Einfach unglaublich!

A-ndi Köpke: Aktionsschnelligkeit

Andrea Köpke

Der „nur“ 1,82 Meter große Köpke machte seine möglicherweise fehlenden Zentimeter mit einer herausragenden Aktionsschnelligkeit wett. Obwohl er nie bei einem deutschen Top-Club unter Vertrag stand, manövrierte sich der gebürtige Kieler zu den Besten seiner Branche. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1996 Europameister und zugleich Welttorhüter des Jahres. Köpke agierte im und außerhalb des Torbereiches mit einer herausragenden, blitzartigen Aktionsschnelligkeit und brachte allein dadurch seine Gegner regelmäßig zur Verzweiflung.

R-aimond Aumann: Geschmeidigkeit

Kaum ein anderer Torhüter konnte mit solch einer katzengewandten Geschmeidigkeit glänzen wie der 6-malige deutsche und 1-malige türkische Meister Raimond Aumann. Bei Aumann sahen sogar Gegentore gut aus und es schien, als könne er sich auch bei einer Hechtparade - quer über den harten Straßenasphalt – niemals verletzen. Sein Spitzname „Balu“ (wegen seinem anfänglichen Hang zum „dicker werden“…) wurde dem als Nr.2 1990 in Italien Weltmeister gewordenen Aumann im Tor nie zum Nachteil, konnte er doch mit seinen technisch nahezu perfekten Bewegungsabläufen immer glänzen. Aumann war die „Katze“, die bis heute ihres Gleichen sucht…

„T-oni“ Schumacher: Kompromisslosigkeit

Toni Schumacher

Der Rekordspieler des 1.FC Köln (422 Bundesligaspiele) demonstrierte während seiner gesamten Laufbahn auf beeindruckende Art und Weise, wie wichtig ein kompromissloses Auftreten und eine kompromisslose Spielanlage für das Fußballtorwartspiel tatsächlich sind. Schumacher, der neunmal in seiner Karriere von „Fachmagazinen“ in die Kategorie der Weltklasse eingestuft wurde, war bezüglich Mut und Aggressivität das Paradebeispiel eines aktiven Torhüterspieles. Der Franzose Patrick Battiston wurde bei der WM 1982 von Schumachers harter Gangart wirklich böse überrascht. Eine sicherlich sehr unschöne Szene, aber auch typisch für den 76-maligen Nationaltorwart, der im Spiel, und so sollte es definitiv auch sein, wahrlich keine Freunde kannte. Die Gesundheit der Gegenspieler sollte dabei aber erhalten bleiben…

I-ker Casillas: 1 vs. 1 Verhalten

Iker Casillas

Der 167-fache spanische Nationaltorwart Iker Casillas entzauberte die gegnerischen Stürmer mit einem phantastischen 1vs.1 Verhalten. Der 5-malige Welttorhüter (5 x in Folge!!) wurde auf Grund seiner vielen vereitelten Großchancen in seinem Land als „Heiliger Iker!“ verehrt und war der eigentliche Vorreiter des heutigen, standardisierten Eishockey/Handball-Abwehrverhaltens in der „Match-Winnenden“ 1vs.1 - Situation. Casillas, der mit seiner „La Furia Roja“(die rote Furie) zweimal Europameister und einmal Weltmeister wurde, konnte das 1vs.1 zu seinem Steckenpferd entwickeln und viele der mit wichtigsten Big-Points dieser Spielposition für sich entscheiden. Er absolvierte 510 Spiele für Real Madrid und gewann mit den Königlichen dreimal die Champions-League. Eine unglaubliche Bilanz!

N-eville Southall: Reaktionsvermögen

Der 92-fache walisische National-Keeper profitierte von seinen einmaligen Reaktionen. Blitzschnell und extrem explosiv kratzte Englands Fußballer des Jahres (1985) die nahezu Unhaltbaren spektakulär von der Linie. Southall, der 578 Ligaspiele für den FC Everton absolvierte, lebte das Torwartspiel auf die ursprüngliche, traditionelle Art und Weise (super!): Ehrlich und echt! Mit viel Schlamm (der englische Boden der 80er…) und noch mehr Herzblut! Auf Grund seiner kräftigen Statur wurde er ehrfürchtig „Big Nev“ gerufen und durch seine vielen, atemberaubenden Glanztaten von seinem Publikum verehrt.

Puh! Das war ein in der Tat sehr schweißtreibendes Zehn-Gänge Menu. Aber es hat sich gelohnt. Überzeugt euch bei YouTube doch einfach mal selbst, denn dort könnt ihr die Best-of-Szenen dieser Weltklasse-Keeper genießen und bestaunen. Ein echter Augenschmaus für alle Torwartinteressierten. Garantiert! Der beste Keeper aller Zeiten heißt für mich demnach Rope Martin, dessen Name, das werdet ihr sicherlich schon bemerkt haben, sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der hier aufgeführten Elite zusammensetzt hat. Rope Martin (diesen Vor- und Nachnamen gibt es in der englischen Namenshistorie tatsächlich…) verkörpert die Perfektion aller Disziplinen des Torhüterspieles, weil er die Gene, die Stärken der Allerbesten in sich trägt. Ob es einen Rope Martin jemals in „echt“ geben wird, wage ich aber zu bezweifeln. Muss es ja auch nicht! Denn diese „10“ hier haben und hatten es ganz sicher in sich und sind echte Helden!

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Thorsten Albustin

Thorsten Albustin

Über den Autor

Thorsten Albustin war vom Sommer 2013 - 2016 hauptamtlicher Torwarttrainer der U17- und der U19-Mannschaft des FC Schalke 04. Zuvor arbeitete er in dieser Position für Rot-Weiß Essen und den MSV Duisburg. Sein gebündeltes Wissen veröffentlichte Albustin 2011 in dem Torwartbuch „Fußball-Torhüter: Das große Praxishandbuch für Spieler und Trainer.

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