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Was seit einigen Wochen in der Presse bereits als Vermutung geäußert wurde, ist nun Realität. Nationaltorhüter Bernd Leno wird nach sieben Jahren Zugehörigkeit den Werksklub Bayer Leverkusen verlassen und zukünftig beim englischen Premierklub FC Arsenal London sein Können zeigen. In der vergangenen Woche bestätigte Bayer den Wechsel des Ex-Stuttgarters, der bei den Engländern einen Fünfjahresvertrag erhält. Der Vertrag von Leno bei Bayer hatte noch eine Laufzeit bis 2020, aber aufgrund einer Klausel konnte er vorzeitig für 25 Millionen Euro wechseln. Damit gehört er zu den Torhütern mit den international höchsten Ablösesummen. Für die Rheinländer absolvierte Bernd Leno 233 Bundesliga-Spiele. Der 26 Jahre alte Nationaltorhüter, der von Bundestrainer Joachim Löw bei der endgültigen Kaderbekanntgabe aus dem Aufgebot für Russland gestrichen wurde, wird bei Arsenal Teamkollege der Weltmeister Mesut Özil und Shkodran Mustafi. Leno soll bei Arsenal die neue Nummer eins werden. Der inzwischen 36 Jahre alte tschechische Ex-Nationaltorwart, Welttorhüter von 2005 und bisherige Stammkeeper, Petr Cech, soll ins zweite Glied rücken. Bernd Leno setzt bei Arsenal die deutsche Torhüter-Tradition bei den "Gunners" fort, denn Jens Lehmann hütete viele Jahre das Tor der Kanoniere und wurde später in den Trainerstab des Traditionsklubs berufen, aber kurz vor der Verpflichtung Lenos gefeuert. Auch mit einem neuen Trainer wird es Bernd Leno zu tun bekommen. Emery, zuletzt Trainer beim französischen Meister Paris St. Germain, folgt in London auf Arsene Wenger, der 22 Jahre für die Gunners verantwortlich war. Mit dem Spanier heuern einige Vertraute bei Arsenal an, darunter auch Torwarttrainer Javi Garcia, der zuletzt schon in Paris mit seinem Landsmann gearbeitet hatte.

Abwanderungsgedanken Lenos nicht neu

In der jüngeren Vergangenheit hatte Leno schon mehrfach mit einem Weggang vom Werksklub geliebäugelt. Bereits im vergangenen Jahr lag ein konkretes Angebot des SSC Neapel vor. Auch ein Interesse von Real Madrid wurde kolportiert. Der Leistungsträger erhielt aber von den Bayer-Verantwortlichen keine Freigabe, da auf dem Torhütermarkt keine Alternativen für ihn vorhanden waren. Nun gaben die Entscheidungsträger des Werksklubs Lenos erneutem Drängen nach, nachdem der 26-jährige Schlussmann zuletzt neben Arsenal London auch bei Atlético Madrid, dem AS Rom und wiederum beim SCC Neapel im Gespräch war. Da der Werksklub bereits im Laufe der Saison davon ausgehen musste, dass Leno erneut seinen Wechselwunsch äußern würde, hatten sich die Bayer-Verantwortlichen rechtzeitig nach einem adäquaten Ersatz umgesehen und fanden ihn schließlich in Lukas Hradecky vom Ligakonkurrenten Eintracht Frankfurt, der in der vergangenen Saison zu den stärksten Torhütern in der Bundesliga zählte und zudem ablösefrei an den Rhein wechseln konnte.

Bernd Leno im DfB Pokal - Viertelfinale gegen den SV Weder Bremen am 06.02.2018

Gründe für Lenos Abgang

Ein Sprichwort sagt: „Reisende soll man nicht aufhalten.“ Mit Wechselgedanken befasste sich der Bayer-Keeper schon seit längerem. Bei so vielen wohlklingenden Namen und europäischen Top-Adressen, die schon seit längerem Interesse an seiner Verpflichtung zeigten, war der Traum von höheren Aufgaben sicherlich eine logische Folge. Nachdem Leno, der ja zuvor nur Drittligaerfahrung aus dem Reserveteam der Stuttgarter mitbrachte, vor allem in den ersten Jahren seiner Tätigkeit in Leverkusen unter seinem Torwarttrainer David Thiel fast kometenhaft zu einem der Top-Torhüter in Deutschland aufgestiegen war, stagnierte seine Entwicklung in den letzten beiden Spielzeiten. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Bereits am Ende der Saison 2016/17 hatte sich der Bayer-Schlussmann mit Blick auf seine WM-Chancen intensiv mit einem Abschied vom Bayer Leverkusen beschäftigt, nachdem sich Leverkusen nicht für die Champions League qualifiziert hatte. "Es gab Angebote, das stimmt. Grundsätzlich hätte ich in Hinblick auf die WM gern Champions League gespielt", sagte der 25-Jährige im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Leverkusen schob aber einem Wechsel einen Riegel vor. Da seine Konkurrenten um einen Platz in der Nationalmannschaft, nämlich Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona) und Kevin Trapp (Paris St. Germain) allesamt in europäischen Spitzenmannschaften unter Vertrag standen, hätte Leno zu gerne seinen Standortnachteil durch einen Wechsel zu einem europäischen Spitzenklub ausgeglichen. Durch den Frust über die entgangene Chance waren ihm möglicherweise die absolute Leidenschaft für Bayer und der sportliche Ansporn verloren gegangen. Jedenfalls entsprachen Lenos Präsenz und seine Leistungen in der abgelaufenen Saison 2017/18 nicht denen der Jahre zuvor. Spätestens als am Ende der vergangenen Saison 2017/18 Bayer vier Tore fehlten, um sich für den höchsten europäischen Wettbewerb zu qualifizieren, war Lenos Abgang zu erwarten.

Jeder Anfang beinhaltet Chancen

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, formulierte einst Hermann Hesse. Das wird auch beim Wechsel von Bernd Leno zu Arsenal London so sein. „Ich habe immer mal Bock, ein neues Kapitel aufzumachen“, formulierte er vor kurzem. Nach sieben Jahren bei Bayer wird die Aufgabe in der Premier League eine neue Herausforderung für ihn werden. Vielleicht werden ihn der Druck in der weltbesten Liga und die neue Umgebung wieder zu höherer Leistungsbereitschaft und Motivation antreiben. Vielleicht wird er von einem neuen Trainerteam neue Anregungen bekommen, die ihn noch einmal einen Schritt weiterbringen. Vielleicht lässt ihn die Auslandserfahrung auf höchstem sportlichem Niveau sowohl als Mensch als auch als Torhüter weiter reifen. Aber es muss ihm auch bewusst sein, dass er die Komfortzone, die er in Leverkusen innehatte, verlässt. Dort konnte er auch nach Patzern sicher sein, dass die klare Hierarchie mit ihm als Nummer eins nicht verändert wurde. Außerdem werden ihm die Verantwortlichen in London und die englische Presse kleine Schwächen und Fehler weniger großzügig verzeihen, als er das in Leverkusen gewohnt war. Und mit dem inzwischen 36-jährigen Petr Cech steht ein Torhüter als Nummer zwei bereit, der immer noch stark genug ist, Leno nach möglichen Schwächephasen abzulösen. Der nun Ex-Leverkusener hat den Schritt gewagt. Erst im Nachhinein wird sich zeigen, ob es der richtige Schritt für ihn war. Talent und Können bringt Bernd Leno jedenfalls genug mit, um sich in der stärksten Liga der Welt behaupten zu können.

BlickpunktBernd LenoBayer 04 Leverkusen

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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