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Am kommenden Wochenende beginnt die erste Hauptrunde im DFB-Pokal. Wieder kommt es zu spannenden Auseinandersetzungen zwischen den „Großen“ und vermeintlich „Kleinen“ im Profi- und Amateurfußball. Mit dabei ist der Regionalligist SV Elversberg, der seit Jahren zur Spitzengruppe in der Regionalliga Süd gehört und im Sommer 2017 erst in den beiden Relegationsspielen gegen die SpVgg Unterhaching am Aufstieg in die dritte Liga scheiterte. Im DFB-Pokal-Wettbewerb bekamen die ambitionierten Saarländer mit dem Bundesligisten VfL Wolfsburg einen interessanten Gegner zugelost und werden alles versuchen, den Norddeutschen ein Bein zu stellen, um sich weiter für den DFB-Wettbewerb zu qualifizieren. Seit dem Sommer 2017 steht mit Frank Lehmann und guter und erfahrener Torhüter zwischen den Pfosten des SV Elversberg. Der inzwischen 29-jährige Schlussmann wurde in der Jugend des VfB Stuttgart ausgebildet und sammelte viel Erfahrung auf seinen Stationen Eintracht Frankfurt II, Energie Cottbus, FC Heidenheim und VfL Osnabrück. Er bringt u.a. die Erfahrung von 72 Drittliga-Spielen mit. Goalguard hat sich mit Frank Lehmann über das kommende Pokal-Spiel gegen den VfL Wolfsburg, die aktuelle Situation seines Vereins sowie über seine eigene sportliche Vergangenheit unterhalten.

Artur Stopper Frank, am kommenden Wochenende kommt der Bundesligist VfL Wolfsburg im DFB-Pokal zu euch nach Elversberg. Bist du nach deiner zweimonatigen Verletzungspause schon wieder einsatzfähig?

Frank Lehmann Ich habe vor kurzem wieder das Mannschaftstraining aufgenommen und arbeite hart daran, wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Ich denke, dass ich für einen Einsatz bereit bin.

Artur Stopper Du hast mit 29 Jahren und 72 Drittligaeinsätzen eine gewisse Erfahrung als Torhüter. Bereitet dir ein solch besonderes Spiel trotzdem noch schlaflose Nächte?

Frank Lehmann Nein. Solche Spiele sind immer Hightlight-Spiele, auf die man sich freut. Natürlich hat man eine gewisse Grundanspannung, zumal als krasser Außenseiter, weil solche Spiele eine besondere Herausforderung sind. In meiner Zeit beim FC Heidenheim hatten wir Werder Bremen und anschließend Borussia Mönchengladbach aus dem Pokal geworfen. Deshalb weiß ich auch, wie viel Spaß solche Spiele für den Underdog bedeuten können.

Artur Stopper In der Regionalliga Südwest, in der ihr zu Hause seid, läuft der Spielbetrieb bereits wieder seit Ende Juli. Die Bundesliga hingegen startet erst Mitte August, d.h. der VfL Wolfsburg befindet sich noch in der Saisonvorbereitung. Ist das ein kleiner Vorteil für euch?

Frank Lehmann Das kann sicherlich ein kleiner Vorteil für uns sein. Dennoch muss man ganz klar sagen, dass der VfL Wolfsburg ein Bundesligist ist und deshalb dieser kleine Vorteil nicht entscheiden sein wird. Wolfsburg wird auf jeden Fall die nächste Runde gegen einen Regionalligisten erreichen wollen. Aber der Pokal schreibt seine eigenen Gesetze, da ist alles immer möglich.

Artur Stopper Im DFB-Pokal spricht man gerne vom Kampf der Kleinen gegen die Großen. Sind die Kleinen heute wirklich noch so klein, schließlich seid ihr wie die meisten Regionalligisten bereits Profis …

Frank Lehmann Das ist richtig. Wir haben einige Spiele im Kader, die schon höherklassig gespielt haben. Einige davon haben auch schon Erfahrung in der Bundesliga gesammelt, z.B. Alban Meha. Natürlich sind wir das kleinere Team, wissen aber auch, dass wir Fußball spielen können. Das wollen wir in diesem Spiel zeigen.

Artur Stopper Es gibt Torhüter, die sich in einem DFB-Pokalspiel fast unvergessen gemacht haben, z.B. Manuel Riemann in seiner Zeit beim damaligen Regionalligisten Wacker Burghausen im Spiel gegen Bayern München. Bietet der DFB-Pokal eine ganz besondere Chance für Torhüter aus niedrigeren Klassen, auf sich aufmerksam zu machen?

Frank Lehmann Ich denke ja, weil in solchen Spielen die Torhüter der unterklassigen Vereine in der Regel nicht beschäftigungslos bleiben werden und sich deshalb auszeichnen können. Mein Ziel wäre es aber nicht, falls ich zum Einsatz kommen sollte, mich selbst in den Vordergrund spielen zu wollen, sondern mir geht es um die Mannschaft. Natürlich wollen wir eine Überraschung landen, sind aber bescheiden genug zu wissen, dass dieses Ziel sehr schwer erreicht werden wird.

Artur Stopper Die SV Elversberg hat als einer der Favoriten auf den Meistertitel in der Regionalliga Südwest nach drei Spielen erst einen Punkt auf dem Konto. Waren eure Gedanken zuletzt zu häufig beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg?

Frank Lehmann Nein, das Spiel gegen Wolfsburg hatten wir zum Saisonstart noch nicht im Kopf, sondern waren nur auf die Liga fixiert. Wir wollten einen guten Start hinlegen. Das haben wir leider nicht geschafft, worüber wir sehr enttäuscht sind. Damit hatte das Spiel gegen Wolfsburg aber nichts zu tun.

Artur Stopper In den vergangenen Jahren wart ihr immer am Saisonende unter den ersten Fünf zu finden, 2016 sogar Meister. Zweimal habt ihr allerdings den Aufstieg in den Relegationsspielen verpasst. Wie schwer ist es, sich immer wieder zu motivieren, wenn man das Ziel mehrfach knapp verfehlt hat?

Frank Lehmann Da ich erst 2017 nach Elversberg gekommen bin, war ich im Meisterschaftsjahr nicht dabei. Deshalb kann ich mich nicht ganz in die Situation hineinversetzen. Aber es sind noch viele Spieler in der Mannschaft, die damals dabei waren. In Gesprächen mit ihnen habe ich immer wieder herausgehört, dass diese Situation nicht leicht zu verkraften war. Die Relegationsspiele auch für den Meister in den vergangenen Jahren waren nicht sehr glücklich. Nach einer großartigen Saison hatte man noch zwei Spiele, die über den Aufstieg entschieden. Man musste gegen einen Gegner spielen, der in einer anderen Regionalliga vielleicht auch eine grandiose Saison gespielt hat. Dabei war die Tagesform oder die Verletzungssituation oft entscheidend. Der Verlierer konnte dann eine ganze Saison in die Tonne kloppen. Das ist immer schwer für eine Mannschaft zu verkraften. Aber zum Fußball gehören Rückschläge, nach denen man trotzdem immer wieder aufstehen muss. In der kommenden Saison ist diese Regelung anders, der Meister steigt automatisch auf.

Artur Stopper 2006 hast du zwei Spiele für die deutsche U-18-Nationalmannschaft absolviert. Einer deiner Konkurrenten war damals unter anderen Ron-Robert Zieler. Warum ist dir im Gegensatz zu ihm der ganze große Sprung nach oben versagt geblieben?

Frank Lehmann Diese Frage ist immer schwierig zu beantworten, weil nicht zwingend immer nur die Leistung eine Rolle spielt. Es gehört auch ganz viel Glück dazu, u.a. von schweren Verletzungen verschont zu bleiben. Verletzungen sind Gift für jeden Fußballer. Ich hatte nicht so häufig Verletzungen, aber wenn dann meist zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. So ist es auch wieder im Moment. Wegen einer Verletzung am Ende der vergangenen Saison konnte ich bis jetzt die ganze Saisonvorbereitung nicht mitmachen. Durch Verletzungen gerät man oft ins Hintertreffen und hat es schwer, einen Stammplatz zurückzuholen. Deshalb braucht man einfach eine Portion Glück in einer Sportlerlaufbahn.

Artur Stopper Welchen Ausgang erwartet du im Spiel gegen den VfL Wolfsburg und welche Platzierung am Ende dieser Saison?

Frank Lehmann Wir als Mannschaft möchten den Fans ein tolles Spiel bieten und alles versuchen, das Spiel für uns zu entscheiden. Wenn es am Ende nicht reicht, dann ist es eben so. Ich weiß, dass die Mannschaft den Fans in Form eines guten Spieles gegen Wolfsburg etwas zurückgeben möchte, vor allem auch wegen dem schlechten Saisonstart. Wir sind aber bescheiden und wissen, dass wir nur der Außenseiter in dieser Partie sind. Trotzdem wollen wir die nächste Runde erreichen und alles reinhauen, was uns zur Verfügung steht. Natürlich hoffe ich auf ein gutes Ende für uns. Auf die Liga bezogen wissen wir, dass wir schlecht gestartet sind, und wollen baldmöglichst wieder nach oben kommen. Nach drei Spieltagen ist noch keine Entscheidung gefallen, deswegen werden wir alles daransetzen, in den kommenden Wochen möglichst weit oben in der Tabelle anzukommen.

Artur Stopper Frank, für das Erreichen deiner Ziele wünsche ich dir viel Glück und Erfolg und vor allem eine verletzungsfreie Zeit.

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Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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